Kitas in Bietigheim Ohne Fachkräfte in der Kita – Neues Projekt kommt gut an

Beim Offenburger Modell übernehmen Malteser einige Betreuungsstunden in Kitas. Es soll Fachkräfte entlasten. Foto: Ines Rudel

In zwei Kinderhäusern in Bietigheim (Kreis Ludwigsburg) übernehmen Malteser-Mitarbeiter Betreuungsstunden. Eltern und Kinder freut es. Warum es dennoch kaum Nachahmer gibt.

Ludwigsburg: Frank Ruppert (rup)

Kinderbetreuung bleibt ein großes Thema in den Kommunen. Während sich bei den Haushaltsberatungen wieder zeigt, wie viel Geld die Gemeinden dafür investieren müssen, bleibt es schwierig, ein für alle Eltern zufriedenstellendes Angebot auf die Beine zu stellen. Den Kommunen fehlt es oft an Fachkräften

 

Das Problem hat auch Bietigheim-Bissingen. Hier ist es so groß, dass Betreuungszeiten eingeschränkt werden mussten und ein echter Ganztag mit zehn Betreuungsstunden nicht mehr angeboten wurde. Das hat vor einem Jahr dazu geführt, dass die Stadt neue Wege gegangen ist.

In Kooperation mit den Maltesern hat die Stadtverwaltung das Offenburger Modell an zwei Kinderhäusern zur Probe – befristet auf zwei Jahre – eingeführt. Im Kinderhaus Malefiz nehmen 13, im Kinderhaus Domino neun Kinder teil.

Auch in Ostfildern wird das Offenburger Modell getestet. Foto: Ines Rudel

Kräfte der Malteser übernehmen in den beiden Einrichtungen die Betreuung in der Zeit von 15 bis 17 Uhr. Mit der Einführung im Februar 2025 änderte sich dort die städtische Betreuungszeit: Statt 8 bis 16 Uhr, wird nun 7 bis 15 Uhr angeboten – ab dann sind nur noch die Malteser-Mitarbeiter da. Diese beiden Malteser-Stunden müssen extra bezahlt werden.

Elternbeirat lobt Malteser

Die Malteser-Mitarbeiter wurden vorab speziell geschult, sind aber keine Erzieherinnen. Dennoch scheinen sie ihre Arbeit gut zu machen. „Die Kinder freuen sich, Malteser-Kind zu sein, und finden die Betreuung super“, sagt Sascha Bulling vom Elternbeirat im Malefiz. Das Malteser-Team sei sehr motiviert.

Die Mischung aus Älteren, Jüngeren und Zugewanderten sowie der unterschiedliche berufliche Hintergrund der Betreuer werden als großes Plus gesehen. Ähnliches ist aus dem anderen Kinderhaus zu hören. Da die Malteser erst Kinder ab drei Jahren betreuen, fehlt für viele Eltern aber noch ein entsprechendes Ganztagesangebot für die jüngeren Kinder.

Bislang wenig Interesse im Kreis

Stadt und Malteser wollen erst zu einem späteren Zeitpunkt ein Fazit ziehen, das Projekt hat aber nach Ansicht des Kreiselternbeirats durchaus Potenzial, in anderen Kommunen im Kreis Ludwigsburg Fuß zu fassen. Die Vorsitzende Miriam Rieck steht dem Modell offen gegenüber und findet es schade, dass viele Kommunen es aktuell gar nicht in Betracht zögen.

Ganztagsplätze seien vielerorts so teuer geworden, dass sich viele Familien diese schlicht nicht mehr leisten könnten. Aus ihrer Sicht würden sich viele Familien mehr Betreuungszeit wünschen, insbesondere für Frauen in Teilzeitbeschäftigungen lohne sich das finanziell aber oft nicht. „Entsprechend werden Kinder nur halbtags betreut, nicht aus fehlendem Bedarf, sondern aus wirtschaftlichen Gründen“, sagt Rieck.

In der Folge entstehe nach außen der Eindruck, es bestehe kein entsprechender Bedarf. Die Kommunen könnten daraufhin argumentieren, dass das neue Modell nicht notwendig sei, da der Bedarf angeblich nicht vorhanden ist. „Diese Schlussfolgerung halten wir für sehr problematisch und bedauerlich.“

Das Offenburger Modell ist kein Allheilmittel.

Anna Radermacher, Landeselternbeirat

Grundsätzlich hebt Kreiselternbeirätin Rieck aber einen Vorteil des Offenburger Modells hervor: Die Betreuung durch die Malteser führe zur Entlastung der Erzieherinnen, sodass diese sich wieder stärker auf ihre originäre pädagogische Arbeit konzentrieren könnten.

Ähnlich sieht es der Landeselternbeirat. Pressesprecherin Anna Radermacher aus Kornwestheim gibt aber zu bedenken: „Das Offenburger Modell ist kein Allheilmittel.“ Es könne für eine begrenzte Zeit Entlastung schaffen, dürfe aber nicht dazu führen, dass weniger Fachkräfte eingestellt werden.

Die Fachkraftquote in baden-württembergischen Kitas ist laut einer Bertelsmann-Studie im bundesweiten Vergleich aktuell schon unterdurchschnittlich. Ein Umstand, den auch die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) beklagt.

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