Kitas in Stuttgart Als Erzieher die Welt verändern

Daniel Söder begeistert die Kinder auch mit seinen Musikinstrumenten. Foto: Carolin Klinger

Die Arbeit in Kitas wird oft als anstrengend und schlecht bezahlt dargestellt. Daniel Söder ist einer der wenigen männlichen Erzieher in Stuttgart und möchte andere ermuntern, diesen Beruf zu ergreifen.

Gesundheit für Menschen in Stuttgart: Carolin Klinger (klic)

Wenn um 11 Uhr das Posthorn in der Kita Mosaik Olly-West im Olga-Areal ertönt, wissen alle Kinder und auch die Nachbarschaft sofort Bescheid: Es gibt bald Mittagessen. Ihr Erzieher Daniel Söder ist derjenige, der täglich in das Horn bläst: „Für Kinder sind klare Signale wichtig. So kam ich auf die Idee mit dem Posthorn.“

 

Söder ist ohnehin ein musikalischer Typ – er spielt Klavier, Trompete, Gitarre und singt in einer Ska-Punkrock-Band. Seine Begeisterung für die Musik lässt Daniel Söder auch in die Arbeit mit den Kindern einfließen. In ruhigeren Momenten holt er die Ukulele heraus, in wilderen die E-Gitarre. Immer mit dem Ergebnis: „Die Kinder wollen mitmachen.“

Während ihn die musikalische Leidenschaft schon früh begleitet hat, fand er erst recht spät zu dem Beruf, der ihn nun so glücklich macht. Mit 30 Jahren begann er seine Ausbildung zum Erzieher und ist sich nach fünf Jahren in dem Job sicher: „Das ist der Beruf, den ich bis zur Rente machen will.“ Zuvor probierte er so einiges aus, vom Hausmeister-Job bis zum Entertainment im Legoland, von der Gastronomie bis zum Lehramt-Studium. Doch das richtige war einfach nicht dabei. Denn was Daniel Söder suchte, war ein Beruf, mit dem dem er etwas Sinnvolles bewirken konnte. „Ich war als Jugendlicher in der Punkszene unterwegs und wir sprachen alle davon, die Welt zu verändern“, erinnert sich der heute 36-Jährige. Letztlich habe man aber nur Alkohol getrunken und sich mit Nazis angelegt. Doch Daniel Söder wollte wirklich etwas bewegen.

Erfolgserlebnisse mit den Kindern

Als ihm eine Freundin von einer freien Ausbildungsstelle in einer Kita berichtete, fand er endlich eine Möglichkeit dazu. „Ich kann den Kindern Werte vermitteln, ihnen etwas Positives mitgeben für ihren Lebensweg“, sagt er mit einem Lächeln. Schon zu Beginn seiner Laufbahn hatte er ein ganz besonderes Erlebnis, als er Bezugserzieher für ein Kind wurde, das in einer anderen Kita wegen seines aggressiven Verhaltens rausgeflogen war. Söder ließ das Kind erst einmal in Ruhe in der neuen Umgebung ankommen und gab ihm gemeinsam mit seinen Kolleginnen das Gefühl, dort willkommen zu sein. Er wahrte die Grenzen des Kindes, gab ihm nur die Nähe, die es brauchte. Die Strategie ging auf: „Nach einer Weile hat sich das Kind überhaupt nicht mehr aggressiv verhalten.“ Ein schöner Erfolg für den Erzieher.

Dabei sei die Arbeit keineswegs einfach, betont Daniel Söder. Denn Kitas erfüllten heute gleich mehrere Funktionen. „Unser Betreuungsauftrag bedeutet, dass wir dafür sorgen, dass sich die Kinder bei uns wohl fühlen. Dazu kommen aber auch noch der Erziehungs- und Bildungsauftrag“, sagt er. Auch laste ein Druck auf den Kitas, die allen Anforderungen gerecht werden müssen. „Kitas sollen trotz des Erzieher- und Erzieherinnenmangels möglichst lange Öffnungszeiten haben, Notgruppen sollen vermieden werden. Manchmal ist das schwierig.“

Auch Eltern würden oft unter Druck stehen – ihren Arbeitgebern gegenüber. „Deswegen wird auch schon mal ein krankes Kind in die Kita gebracht“, sagt er. Der Austausch mit den Eltern sei sehr wichtig, um allen Seiten gerecht zu werden.

Vorurteile gegenüber männlichen Erziehern kommen vor

Dass er als männlicher Erzieher nach wie vor eine Seltenheit ist, stört ihn dagegen wenig. „Man sieht mir ja schon an, dass ich gerne besonders bin“, sagt der Mann mit dem auffälligen Schmuck. Frauen haben meist kein Problem mit seiner Berufswahl, Männer schauen manchmal auf ihn herab, erzählt er. „Viele sagen, dass sie es bewundern, aber selbst nicht könnten.“ In der Gesellschaft sei eben nach wie vor verankert, dass Kindererziehung Frauensache sei. Männer würden den Beruf wohl auch wegen der geringen Bezahlung nicht ergreifen wollen. Doch für Daniel Söder zählt mehr, dass er glücklich ist mit dem, was er tut.

Vorurteilen vonseiten der Eltern begegnete er bisher nur ein Mal; damals war er noch in der Ausbildung. Die Eltern eines Kindes wollten nicht, dass er es wickelt. „Wickeln gehört zu dem Beruf dazu. Doch es ist immer wichtig, die Sorgen der Eltern ernst zu nehmen und darüber zu reden. Die Entscheidung liegt letztlich bei ihnen“, sagt Söder.

In seiner aktuellen Kita ist er für die Drei- bis Sechsjährigen zuständig und einige Eltern wünschen sich sogar explizit ihn als Bezugserzieher für ihr Kind.

Die größte Wertschätzung erfährt er aber von den Kindern selbst. Und es macht ihn glücklich, wenn sie ihn zum Vorbild nehmen. „Es sind so Kleinigkeiten: Beispielsweise sehen sie, dass der Daniel immer mit dem Helm auf dem Fahrrad fährt, also wollen sie auch einen Helm tragen“, sagt der Erzieher. Oder wenn die Kinder andere darauf aufmerksam machen, ihren Müll nicht liegen zu lassen. Dann weiß Daniel Söder, dass er die Welt ein bisschen besser gemacht hat.

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