Stuttgart - Der Namen der evangelischen Kita Sonnenschein ist ein Lichtblick am Montagmorgen. Nur vereinzelt stapfen Kinder und Eltern durch den Nieselregen. Die Stadt hatte angesichts des Pandemiegeschehens am Freitag dazu aufgerufen, die Kinder von dieser Woche an daheim zu lassen. „Das können halt nicht alle“, sagt Kita-Leiterin Angi Hoffmann. Etwa die Hälfte der Kinder sei gekommen.
Alle Kitas schließen
Am Montag gab die Stadt allerdings per Allgemeinverfügung bekannt: Von Donnerstag an müssen alle rund 600 Kitas aus Infektionsschutzgründen schließen. Gewährleistet ist nur noch eine Notbetreuung. Allerdings haben nicht wie vormals alle Kinder einen Anspruch darauf, sondern nur noch jene, deren Eltern eine Unabkömmlichkeitsbescheinigung des Arbeitgebers vorlegen, „Darüber hinaus werden Kinder aus Familien, die sich in besonderen Notlagen befinden, aufgenommen“, teilt die Stadt mit. Allerdings unterliegen alle Kita-Kinder von Null bis sechs Jahren dann einer Testpflicht. „Wir gehen hier über die Coronaverordnung des Landes hinaus, was die Stadt bei besonderen Gegebenheiten tun kann“, sagt Bildungsbürgermeisterin Isabel Fezer. Die Allgemeinverfügung mit den verschärften Voraussetzungen für die Notbetreuung werde am Dienstag bekannt gegeben.
Gut also, dass der Kindergarten Sonnenschein schon vergangene Woche mit Hilfe von Elternspenden eine Corona-Schnelltest-Station aufgebaut hat. „Die Eltern wollten sichergehen und haben die Tests gespendet“, sagt Angi Hoffmann.
Der nächste bitte: Philipp, viereinhalb Jahre alt, lässt sich von seiner Mutter klaglos mit dem Wattestäbchen in der Nase kitzeln. Philipps Mama, Niuscha Klein, und Julia Witt unterstützen die Eltern bei der Anwendung der so genannten Popeltests. Eine der beiden Elternbeirätinnen packt das nächste Wattestäbchen aus. Markus Stegen nimmt es vorsichtig entgegen und nähert es der kleinen Nase seiner vierjährigen Tochter Hanna. Die hält ganz still, während Niuscha Klein mit dem Kind plappert. Die Frauen nehmen ihm das Stäbchen ab, tauchen es in ein Röhrchen mit Flüssigkeit, verschließen das Röhrchen mit einem Pipettenaufsatz und träufeln die Lösung auf eine Testkassette. Nach 15 Minuten ist klar: Philipp und Hanna sind negativ.
Popeltest auch für Kleinkinder?
Mit großer Verzögerung sind am Montag Test-Kits für Erzieherinnen eingetroffen, bezahlt vom Land. Ebenfalls seit Montag können alle Kitas auf Test-Kits zugreifen, die die Stadt im Vorgriff auf die Lieferungen vom Land besorgt und verteilt hat . Ausgeliefert wurde der so genannte Popeltest, bei dem ein Wattestäbchen zwei Zentimeter tief in die Nase eingeführt werden muss.
Der Gesamtelternbeirat der städtischen Kitas plädiert für „weniger invasive Tests“ wie Spuck- oder Lollitests. „Dabei dürfen auch finanzielle Aspekte keine Rolle spielen“, es komme darauf an, für das Testen zu werben, sagt die Sprecherin Katalin Elsner. Auch die Eltern der katholischen Kitas fänden einen Lollitest bei Kleinkindern besser, so deren Sprecher Oliver Ruhmann. Was die Kita-Gebühren angehe, wird die Verwaltung dem Gemeinderat einen Vorschlag unterbreiten.