Weil eine Familie aus Stuttgart für ihr jüngeres Kind nur einen Betreuungsplatz bis 14 Uhr hat, braucht sie zusätzlich einen Babysitter. Foto: /dpa; Lichtgut/Max Kovalenko
Die Stadt fährt ihr Ganztags-Angebot in Kitas zurück. Für betroffene Familien kann das zu einer Herausforderung werden – und ganz schön teuer.
Eigentlich ist es ein Erfolg. Zumindest aus Sicht des Jugendamts: Mit der Umwandlung von Ganztags-Plätzen (GT) in Plätze mit einer sechsstündigen Betreuung (sogenannte VÖ-Plätze) ist es gelungen, 500 Familien mehr einen Platz in einer Kita anzubieten. Dazu musste kein neues Personal eingestellt werden, was in Zeiten des Fachkräftemangels ein entscheidender Faktor ist. Viel mehr können die Stunden von Teilzeit-Beschäftigten besser genutzt werden.
Für manche Familien ist die Umwandlung von GT-Plätzen in VÖ-Plätze aber alles andere als ein Erfolg. „Als direkt betroffene Eltern können wir dies ganz und gar nicht teilen“, sagt Tobias Rad aus Stuttgart. Seit 2021 haben er und seine Frau einen GT-Platz für ihr älteres Kind. Mit Beginn des Kita-Jahres 2024/2025 wollten sie für ihr zweites Kind einen GT-Krippenplatz in derselben Einrichtung haben. Doch wegen der Umstellung habe es nur noch VÖ-Plätze gegeben.
Tobias Rad ist es wichtig zu betonen, dass er und seine Frau mit der Kita und der Betreuung dort sehr zufrieden seien. Darum wollen sie auch mit beiden Kindern in der Einrichtung bleiben. Zudem würden bei zwei verschiedenen Kitas wieder neue Probleme auftreten, unter anderem aufgrund der unterschiedlichen Schließtage. Doch Tobias Rad und seine Frau sind beide in Vollzeit berufstätig. Wegen des VÖ-Platzes haben sie nun täglich eine Betreuungslücke und müssen zusätzlich einen Babysitter engagieren. Der kostet das Paar mehrere hundert Euro im Monat und damit mehr als die beiden Kita-Plätze zusammen. Und das, obwohl auch die Großeltern bei der Kinderbetreuung noch mithelfen. Insgesamt sei diese Situation sehr „fragil“, sagt der Familienvater.
Das Jugendamt reagiert auf die Bitte unserer Zeitung um eine Stellungnahme zurückhaltend. „Hierzu kann keine Stellungnahme abgegeben werden, ohne die genauen Hintergründe der Situation zu kennen“, heißt es in einer schriftlichen Antwort.
Und weiter steht dort: „Allgemein gilt aber: Wenn eine Familie eine Berechtigung für einen GT-Platz hat und die Einrichtung über ausreichende personelle Kapazitäten verfügt, müsste seitens des Platzmanagements auch ein GT-Platz zugewiesen worden sein.“
Dies ist aber offensichtlich nicht der Fall. Zumindest hat die Familie von ihrer Einrichtung erfahren, dass es wohl auch in den kommenden beiden Jahren keine GT-Plätze in dieser Kita geben werde.
Auch eine Schwierigkeit für die Familie: Ihr kleines Kind muss die Kita zwingend in der Zeit von 8 bis 14 Uhr besuchen, eine Verschiebung dieser Betreuungszeit nach hinten ist nicht möglich.
„Das bedeutet aber, dass ein 15 Monate altes Kind um 13.45 Uhr aus dem Mittagsschlaf gerissen wird, da es bis 14 Uhr die Einrichtung verlassen haben muss“, sagt Tobias Rad und ergänzt: „Das fühlt sich absolut falsch an.“ Die Erzieherin habe dies gegenüber diversen Leitungsebenen angesprochen – allerdings ohne dass sich dadurch etwas zum Guten verändert habe.