Kitas vor dem Aus Stadt Fellbach nennt vier Kitas: Diese Einrichtungen müssen weichen

Hier gibt’s nur noch begrenzte Zeit Kinderbetreuung: Die Kitas Don Bosco, Neue Straße, Postweg und Isolde (im Uhrzeigersinn) werden geschlossen – allerdings nicht bereits zum nächsten Kindergartenjahr. Foto: Dirk Herrmann

Die Stadt Fellbach hat ihre Pläne für Kita-Schließungen konkretisiert. Trotz Elternprotesten stehen nun die Namen der Einrichtungen fest, die weichen müssen.

Mit einem klaren Statement und verschiedenen Forderungen hatte sich der Gesamtelternbeirat der Fellbacher Kindertagesstätten vor wenigen Wochen an die Öffentlichkeit gewendet. Wesentliche Punkte: Die derzeitigen Betreuungszeiten in den Kitas müssten so bleiben wie bisher und dürften nicht gekürzt werden. Das sei „sozial ungerecht, familienfeindlich und wirtschaftlich kurzsichtig“.

 

Der zweite Punkt betraf die von der Stadt angekündigte und vom Gemeinderat bereits abgesegnete Schließung von Kindertagesstätten. Eine von den Eltern eigens hierfür gestartete Petition erreichte binnen weniger Tage mehr als 750 Unterschriften – nach Ansicht des Elternbeirats genug, damit sich der Gemeinderat mit diesen Forderungen befasst. Ein Meinungsumschwung im Lokalparlament ist allerdings bisher nicht in Sicht.

Stadt nennt jetzt „Ross und Reiter“

Mittlerweile haben sich in der Aula des Friedrich-Schiller-Gymnasiums Vertreter der Stadtverwaltung und Elternbeiräte zu einem Gespräch getroffen. Fellbachs Erster Bürgermeister Johannes Berner löste dabei ein, was er einige Tage zuvor im Gemeinderat angekündigt hatte – nämlich, dass die Stadt „in Kürze Ross und Reiter“ benennen wolle, welche der kleinen Kitas keine Zukunft mehr haben.

Gegenüber den Elternvertretern listeten der Sozialbürgermeister Berner und der Amtsleiter für Bildung, Jugend, Familie und Sport, Stephan Gugeller-Schmieg, nun ein Kita-Quartett auf, das mittelfristig geschlossen werden soll. Es handelt sich um vier kleinere, stark sanierungsbedürftige oder funktional beeinträchtigte Einrichtungen – drei in der Kernstadt Fellbach und eine im Stadtteil Schmiden. Es sind diese:

  • Der katholische Kindergarten Don Bosco in der August-Lämmle-Straße nahe dem Kleinfeldfriedhof
  • Der Kindergarten Neue Straße, Träger Evangelischer Verein Fellbach, im Oberdorf
  • Der katholische Kindergarten Isolde in der Wernerstraße im Fellbacher Westen
  • Der Kindergarten Postweg in Schmiden

Berner und Gugeller-Schmieg versicherten bei dem Gespräch mit den Elternvertretern: „Keine Einrichtung wird bereits zum Kindergartenjahr 2026/27 geschlossen.“ Der Zeitplan streckt sich demnach über mehrere Jahre. Für jede betroffene Einrichtung würden fußläufig erreichbare Alternativstandorte benannt.

Diese vier Kitas müssen weichen, so die Begründung, weil die Stadt auf der anderen Seite in allen Stadtteilen mit den großen Einrichtungen Abenteuerland (sechsgruppig), Melanchthon (sechsgruppig), Emil-Bitzer (sechsgruppig) und Gustav-Werner (viergruppig) neue, mehrgruppige Kitas als „stabile Eckpfeiler“ geschaffen hat. Angesichts der seit 2023 deutlich gesunkenen Geburtenzahlen bestehe quasi eine „Überkapazität“, wie es heißt, weshalb die Stadt ihre Bedarfsplanung anpassen, also reduzieren müsse.

Bereits im Dezember hatte der Gemeinderat im Rahmen des ersten Konsolidierungspakets „behutsame Einschnitte in der Kinderbetreuung beschlossen“, so die Einschätzung der Stadt, um einen genehmigungsfähigen Haushalt zu erreichen. „Wir haben ein theoretisches Konzept und müssen in den Dialog gehen“, erklärte Gugeller-Schmieg.

Kern des Pakets ist die Reduzierung der Betreuungszeiten: Die verlängerten Öffnungszeiten werden auf maximal 32,5 Stunden pro Woche, der Ganztag auf maximal 40 Stunden begrenzt. Berner betonte, dass die Stadt weiterhin eine verlässliche und bedarfsgerechte Kinderbetreuung sicherstellen will, in der für Kinder im gesamten Stadtgebiet Betreuungsplätze ohne Wartelisten verfügbar sind.

Für Familien mit zwingendem Mehrbedarf sollen zusätzlich insgesamt drei Gruppen im Kinderhaus Zwergenzügle und im Kinderhaus Purzelbaum mit bis zu 50 Wochenstunden vorgehalten werden. Die entsprechenden Betreuungsplätze sollen nach einem transparenten Punktesystem vergeben werden. Grundvoraussetzung ist in der Regel eine Erwerbstätigkeit beider Elternteile in Vollzeit, bei Alleinerziehenden eine umfangreiche Erwerbstätigkeit. Zusatzpunkte gibt es etwa für unflexible Arbeitszeiten oder für lange Anfahrtszeiten zur Arbeitsstelle.

Betriebsbedingte Kündigungen der Fachkräfte ausgeschlossen

Für die bestehende Elternschaft sind Übergangsregelungen vorgesehen: Einrichtungen mit Personalfluktuation stellen bereits zum Kindergartenjahr 2026/27 auf die neuen Öffnungszeiten um, weitere folgen stufenweise 2027/28 und 2028/29. Kinder im letzten Kindergartenjahr erhalten teilweise Bestandsschutz, zudem wird ein frühzeitiger Wechsel in Einrichtungen mit längerer Öffnungszeit ermöglicht, sofern dort Kapazitäten vorhanden sind. Betriebsbedingte Kündigungen der Fachkräfte sind bewusst ausgeschlossen.

Mit der Reduzierung der Betreuungszeiten gehen die Gebühren linear zurück, sodass Eltern für kürzere Betreuungsumfänge weniger zahlen. Familien mit geringem Einkommen werden zudem durch eine Sozialstaffelung der Stadt Fellbach sowie durch die wirtschaftliche Jugendhilfe des Kreisjugendamtes Rems-Murr gezielt entlastet, erläuterte Gugeller-Schmieg.

Mit Unverständnis reagierten die Eltern vor allem bezüglich der Reduzierung von 35 auf 32,5 Wochenstunden. Rein rechnerisch wäre ein Vollzeitplatz mit 40 Stunden möglich, erklärte Berner, problematisch wäre jedoch eine Massenbewegung in diese Richtung. Auch die genaue Festlegung der Zeiten warf Fragen auf. „Es gibt viele Alternativen. Wir haben versucht, die besten Lösungen zu finden“, so der Amtsleiter.

Unmut über vorgesehene Kürzungen der Öffnungszeiten

Gesamtelternbeirat Mario Graef fasste seine Gefühlswelt so zusammen: „Größere Schmerzen liegen bei den Kürzungen der Öffnungszeiten. Da müssen wir nochmal ins Gespräch.“ Gugeller-Schmieg betonte, er und seine Kollegen seien jederzeit offen für Beratungen; die genaue Ausarbeitung erfolge erst nach einer Abfrage der Bedarfe. Und: „Wir werden flexibel bleiben. Kommen Sie auf uns zu.“

Nachdem das städtische Konzept somit den Freien Trägern und den Elternbeiräten vorgestellt wurde, soll es in der öffentlichen Sitzung am 23. Juni 2026 im Rahmen der Kindergartenbedarfsplanung durch den Gemeinderat beraten und final verabschiedet werden.

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