Kitastreik in Stuttgart Spielraum für lokale Lösung?

Die Geduld der Eltern ist ob des Erzieherstreiks strapaziert. Foto: dpa
Die Geduld der Eltern ist ob des Erzieherstreiks strapaziert. Foto: dpa

In Stuttgart fordern immer mehr Eltern ein Ende des Kitastreiks. CDU-Politiker unterstützen sie und schlagen lokale Zulagen aufs Gehalt für Erzieherinnen vor.

Lokales: Inge Jacobs (ja)

Die Freude der Eltern über die fast zweiwöchige Verschnaufpause beim Kitastreik hält sich in Grenzen. Denn zum Donnerstag hat Verdi erneut zum ganztägigen Streik aufgerufen, an dem von den 184 Kitas in Stuttgart 117 geschlossen sind. Am Mittwoch hatten landesweit die Beschäftigten der Behindertenhilfe-Einrichtungen die Arbeit niedergelegt und in Stuttgart vor dem Hauptsitz der Evangelischen Gesellschaft demonstriert.

Von Montag, 8. Juni, an, nach dem Ende der Pfingstferien, soll es wieder unbefristet weitergehen mit dem Arbeitskampf im Erziehungs- und Sozialdienst. Bei den Stuttgarter Kita-Eltern, die bereits elf Streiktage hinter sich haben, bröckelt zunehmend das Verständnis für den Ausstand, wie zahlreiche offene Briefe an die Arbeitgebervereinigung zeigen.

Unterstützung erhalten die Kita-Eltern jetzt von den CDU-Politikern Stefan Kaufmann und Stefanie Schorn. Der Kreisvorsitzende und die Vorsitzende des Arbeitskreises Familie der CDU Stuttgart und Landtagswahlkandidatin im Wahlkreis Stuttgart II machen sich in einer Pressemitteilung nicht nur für ein rasches Ende des Streiks stark, sondern sehen auch „Spielraum für lokale Lösungen“.

CDU-Politiker: Streik belastet Eltern und Wirtschaft

Schon jetzt sei die Belastungsgrenze für die Eltern überschritten, so Kaufmann und Schorn: „Stadt und Land können nicht weiter zuschauen, wie Eltern vor der Zerreißprobe zwischen einer guten Betreuung der Kinder und ihren Arbeitsplätzen stehen.“ Es drohe „enormer wirtschaftlicher Schaden, wenn Tausende Eltern in Stuttgart und der Region bald in der dritten Woche ihre Arbeit nicht oder nur teilweise aufnehmen können“. Es sei unstrittig, dass die Beschäftigten im Erziehungsdienst besser bezahlt werden müssten, so die CDU-Politiker.

„Es ist ein Unding, dass trotz riesiger Wartelisten Kitas in Stuttgart nur deshalb nicht voll belegt sind, weil es an Erziehern fehlt“, so Stefanie Schorn, die selbst mit zwei ihrer drei Kinder vom Streik betroffen ist. Kaufmann und Schorn rufen OB Fritz Kuhn und Verwaltungsbürgermeister Werner Wölfle (beide Grüne) dazu auf, sich für ein rasches Streikende einzusetzen. Andernfalls müsse Stuttgart „abseits der bundesweiten Verhandlungen Lösungen suchen, die zumindest in Stuttgart den Forderungen der Erzieherinnen entgegenkommen“, so Kaufmann und Schorn. Sie schlagen vor, die städtischen Erzieherinnen übertariflich zu bezahlen wie in München – oder nach dem höheren Tarif S8. In München gibt es 200 Euro Arbeitsmarktzulage und 120 Euro „Münchenzulage“.

Stuttgart gewährt allen Erzieherinnen 100 Euro extra

Offenbar ist dem Stuttgarter Bundestagsabgeordneten und der Alt-Stadträtin entgangen, dass Stuttgart allen Erzieherinnen bereits seit 2014 einen „Tarif plus“ gewährt, also drei Jahre lang 100 Euro pro Monat extra. Danach schmilzt die Zulage ab. Der Gemeinderat hatte sich damals für diese Zulage und gegen eine Höhergruppierung entschieden, die CDU-Fraktion hatte bei der Beratung Zurückhaltung geübt.




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