Stadtkind Stuttgart

Kitjen-Veranstalter Igor "Der Laden fehlt in Stuttgart!"

Von Martin Elbert 

Das SEMF-Festival am Jahresende ist immer ein guter Anlass, um das lokale Techno-Alltags-, Entschuldigung, Allnachtsgeschäft zu inspizieren. Techno, wo warst du dieses Jahr in Stuttgart? Wie geht’s dir? Was läuft gerade?

Immer wieder donnerstags – Igors Kitjen-Reihe bringt liebevolle Abwechslung in die House-Szene. Foto: privat 2 Bilder
Immer wieder donnerstags – Igors Kitjen-Reihe bringt liebevolle Abwechslung in die House-Szene. Foto: privat

Stuttgart - Immer wieder donnerstags – Igors Kitjen-Reihe bringt liebevolle Abwechslung in die House-Szene. Der Kitjen-Donnerstag im winzigen Romantica ist der krasse Gegensatz zum Massenspektakel SEMF. In der Hauptstätterstraße tanzt der House-Connaisseur zu filigranem House, unter dem Dach der riesigen Messehallen hyperaktive Rave-Bündel zu einer gewaltigen Soundmauer.  DJ und Veranstalter Igor hat den Donnerstag einst in der Küche vom KimTimJim gestartet und konnte nach dessen Schließung die Reihe erfolgreich ins Romantica transportieren. Seine Küche ist zwischenzeitlich ein wichtiges Labor der lokalen Techno-House-Szene und steigert deren Vielfalt.

Das KimTimJim musste früher zu machen als geplant, das Toy ist Geschichte, das Rocker hat gerade nochmals zwei Monate Aufschub bekommen – mit der Techno-House-Brille betrachtet war das Jahr 2013 eher nicht so dolle, oder täuscht der Eindruck?
Man könnte meinen, dass es nicht gut aussieht. Ich finde aber, dass sich in Stuttgart trotzdem einiges getan hat, vor allem was die Qualität der Bookings angeht. Wer meckert, dass es musikalisch nichts anspruchsvolles geben würde, der irrt sich oder bekommt einfach nichts mit. Es gibt einige Veranstalter, die meiner Meinung nach richtig gute DJs nach Stuttgart holen.

Du hast im KimTimJim den Donnerstag gestartet und warst somit von der kurzfristigen KTJ-Schließung betroffen. Was ging Dir damals durch den Kopf?
"Wo soll ich jetzt ne Küche finden in der ich Partys machen kann?" Das war schon ziemlich hart und kam für mich - wie für alle andern sehr plötzlich. Der Laden fehlt in Stuttgart!

Was hältst du von dem momentan weit verbreiteten Singsang vom Untergang der „Subkultur“? 
Eigentlich möchte ich dazu nicht viel sagen, weil mich die Diskussion nervt.

Klare Ansage. Du hast es geschafft, deinen Kitjen-Donnerstag im Romantica erfolgreich weiterzuführen und bietest neben den ausgewählten Locals regelmäßig Gast-DJs, die in der Szene mitunter gar nicht unbekannt sind. Wie realisiert man so etwas in so einem kleinen Laden?
Bei der Kapazität ist es äußerst schwierig einen DJ zu buchen den "man kennt". Das ist absolute Liebhaberei. Zum Beispiel habe ich am 19. Dezember Gerd Janson da, der einen ziemlich guten Ruf hat in der internationalen House-Szene. Ohne den persönlichen Kontakt wäre so etwas in einem Laden dieser Größe nie machbar. Es geht vielen auch einfach um den Spaß. Jeder der Gast-DJs, den ich gebucht hatte, hatte eine gute Zeit bei uns. Zwischenzeitlich bekomme ich schon Anfragen von DJs, von denen ich auch selber ein Fan bin, die Lust hätten zu kommen. Das Finanzielle spielt dann eine untergeordnete Rolle.

Das klingt gut. Andernorts, gerade in größeren Läden, hat man das Gefühl, funktioniert alles nur noch über große, namhafte Bookings. Ist Techno zur Event-Happening-Musik geworden, nach dem Motto „ja, da müssen wir heute unbedingt hin“?
Ich habe da ehrlich gesagt nicht den Durchblick. Es gibt Hüpfburg-Techno-Partys mit Acts, die lustige Namen haben, von denen ich nie etwas gehört habe. Die haben ein Youtube-Video mit Millionen von Klicks und so stehen 1000 Leute vor der Tür. Dieses Polka-Techno-Ding findet scheinbar großen Zuspruch, was auch völlig in Ordnung ist. Mir blutet dann nur das Herz, wenn nach meinem Empfinden große Namen nach Stuttgart kommen und es niemanden juckt.

Was siehst Du für musikalische Entwicklungen und Trends bei den Partys?
Keine Ahnung, ehrlich gesagt, und meistens liege ich mit meinen Vermutungen immer völlig daneben. Ich glaube, mit diesem Polka-Techno-Ding wird es noch ganz schlimm. Ich merke aber auch, das sich immer mehr für anderen Sound begeistern können. Ich habe häufig Gäste, die mir sagen: "Keine Ahnung was du da machst, aber es ist super."

Was erhoffst Du dir für 2014?
Ich wünsche mir, dass man mehr weggeht um Musik zu hören. Die Musik und der Sound in einem Club sollte im Mittelpunkt stehen und welche Schuhe oder welches Tanktop jemand trägt sollte scheißegal sein. Vielleicht wird es ja eine Entwicklung in diese Richtung geben, aber wie gesagt, meistens liege ich ja mit meinen Vermutungen völlig daneben.

Kitjen, jeden Donnerstag ab 22 Uhr im Romantica, Hauptstätterstraße 40