Die 23 Millionen Euro teure, mehrjährige Sanierung der Kläranlage im Nordwesten der Großen Kreisstadt verläuft nach Plan. So modern die Anlage sein wird, so unvollständig wird sie Arznei aus dem Wasser filtern. Technisch wäre dies möglich. Antibiotika sind weiterhin darin zu finden.

Ludwigsburg: Franziska Kleiner (fk)

Ditzingen - Hormone, Antibiotika, Röntgenkontrastmittel, von Nanopartikeln ganz zu schweigen: das in Ditzingen geklärte Wasser wird auch dann all diese Stoffe enthalten, wenn die Kläranlage an der Glems in Ditzingen im Jahr 2018 für rund 23 Millionen Euro saniert sein wird. Allein in diesem Jahr stecken die beteiligten Kommunen Ditzingen, Gerlingen und Stuttgart rund 3,4 Millionen in die Modernisierung der fast 50 Jahre alten Anlage.

Obwohl die vierte Reinigungsstufe fehle, würden auch dann schon mittels einer gut ausgebildeten biologischen Stufe Spurenstoffe herausgefiltert, stellt Hartmut Klein, der Abteilungsleiter des Betreibers, der Stadtentwässerung Stuttgart (SES) klar. Ein Rest bleibt aber dennoch im geklärten Wasser, ebenso wie auch die Nanopartikel. „Über die Wirkung von Nanoteilchen auf die Menschen und die Umwelt ist bisher sehr wenig bekannt“, teilt das Umweltbundesamt mit. Schließlich gebe es „bisher nur sehr wenige wissenschaftliche Untersuchungen“. Dabei ist die Nanotechnologie weithin in der Diskussion: Von Interesse sind sie unter anderem für die Elektronikbranche, die Pharmazie, die Medizin, die Kosmetik und die Flächenveredelung. Die Teilchen und Schichten sind mehr als tausendmal dünner als der Durchmesser eines Menschenhaares.

Weil die Nanotechnologie als zukunftsträchtige Branche gelte, so das Umweltbundesamt, sei davon auszugehen, dass Mensch und Umwelt künftig verstärkt synthetischen Nanopartikeln ausgesetzt seien. Genau darauf hatte auch der Ditzinger FDP-Stadtrat Horst Ludewig beim letzten Sachstandsbericht hingewiesen.

Zu wenig Erkenntnisse über Nanopartikel

Das bestreitet Klein auch gar nicht. Doch für den Betrieb einer Kläranlage seien die Nanopartikel eben nach wie vor „kein Thema“. Denn noch sei viel zu wenig darüber bekannt. Wenn sie Schaden anrichten, sei unklar, wo das geschehe: „Im Staub, in der Luft, im Wasser?“ Er verweist allerdings darauf, dass die Nanopartikel nicht mit der Mikroplastik, also jenen Kunststoffteilchen im Mikrometerbereich gleichzusetzen seien. Diese werden produziert zur Verwendung etwa in Kosmetika, entstehen aber auch als Abfall beim Zerfall von Kunststoffprodukten. „Sie werden zu 95 Prozent im normalen, mechanisch-biologischen Klärwerk zurückgehalten.“

Während die SES also zunächst weitere wissenschaftliche Erkenntnisse über Nanopartikel abwartet, ist sie daran interessiert, die Spurenelemente aus dem Wasser zu filtern. Noch ist diese vierte Reinigungsstufe nicht gesetzlich verpflichtend. Ergebnisse mehrjähriger universitärer Pilotversuche sind aber bereits im Klärwerk von Ulm ebenso umgesetzt wie in Sindelfingen. In der ebenfalls von der SES betriebenen Anlage in Stuttgart-Mühlhausen soll ebenfalls eine vierte Reinigungsstufe eingebaut werden. Ein Aktivkohlefilter soll die gewünschten Ergebnisse bringen.

Erweiterung ist möglich aber teuer

Eine solche Erweiterung wäre auch in Ditzingen denkbar. Doch sie kostet weitere 15 bis 20 Millionen Euro. Bezahlen müssten dies die Stuttgarter, Ditzinger und Gerlinger Bürger über den Wasserpreis. Die Schmutzwassergebühr steigt jedoch schon im Jahr 2019 von 1,82 Euro auf 2,10 Euro.

Auch das Gas Ozon könnte grundsätzlich in der vierten Reinigungsstufe verwendet werden, um die Spurenstoffe zu zerstören. Doch für die SES komme dies auch wegen des recht hohen Stromverbrauchs eher nicht in Frage, sagt Klein zurückhaltend. Parallel dazu wird freilich weiter geforscht. Seit Kurzem liegen die Ergebnisse einer Studie der Universität Stuttgart und der SES vor, die sich mit der Reduzierung von Spurenstoffen in der Körsch befasste. Sie soll Klarheit darüber schaffen, wie die Spurenstoffe in das Gewässer gelangen.