Kläranlage Neuhausen Neues Regenüberlaufbecken ist fast fertig
17 Millionen Euro kostet der schrittweise Ausbau der Kläranlage in Neuhausen. Das neue Regenüberlaufbecken ist fast fertiggestellt. Fünf Jahre werden die Arbeiten dauern.
17 Millionen Euro kostet der schrittweise Ausbau der Kläranlage in Neuhausen. Das neue Regenüberlaufbecken ist fast fertiggestellt. Fünf Jahre werden die Arbeiten dauern.
Neuhausen - Das neue Regenrückhaltebecken der Kläranlage in Neuhausen ist bereits weitgehend fertig. Zwar fehlen noch die Metallteile, aber bis zum Frühjahr 2022 wird die Anlage mit zwei Kammern fertig sein. Das bisherige Regenrückhaltebecken wird im zweiten Bauabschnitt abgerissen. An seiner Stelle wird ein Belebungsbecken für die biologische Reinigung neu gebaut. Da Neuhausen in absehbarer Zeit auf 13 000 Einwohner wachsen wird, muss die Kapazität der Kläranlage dringend erweitert werden. Fünf Jahre soll die Erweiterung insgesamt dauern. Die Kosten werden auf 17 Millionen Euro geschätzt.
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In der jüngsten Sitzung des Ausschusses für Technik und Umwelt stellte Sven Müller vom Ortsbauamt der Gemeinde Neuhausen die Pläne für die Ertüchtigung der Kläranlage vor. Für den Abwassermeister Simon Schmidt und seinen Mitarbeiter Norman Wede ist der Ausbau bei laufendem Betrieb eine Herausforderung. Der Chef der Kläranlage hat inzwischen seine Meisterprüfung abgeschlossen. In absehbarer Zeit hat er damit auch die Möglichkeit, in der Kläranlage am Sulzbach den Beruf einer Fachkraft für Abwassertechnik auszubilden.
Anders als das bisherige Regenüberlaufbecken hat die neue Anlage zwei Kammern. Somit lässt sich eine Kammer der neuen Anlage auch als Havariebecken nutzen, wenn es zum Beispiel einen Ölunfall geben sollte und das Wasser verschmutzt würde. Im Frühjahr 2022 soll das neue Becken fertig sein. Wenn der Probebetrieb abgeschlossen ist, wird es genutzt.
Wegen der Coronapandemie begannen die Bauarbeiten im Frühjahr 2021 ohne eine größere Veranstaltung. Im April lud Bürgermeister Ingo Hacker einen kleinen Kreis zum Baggerbiss ein. Die Mitarbeiter von Weber-Ingenieure aus Pforzheim stehen dem Ortsbauamt bei dem Projekt zur Seite. Gemeinsam mit Neithard Müller, Geschäftsführer und beratender Ingenieur von Weber-Ingenieure, der die Erweiterung geplant hat, brachte er das Projekt auf den Weg, das fünf Jahre dauern soll. Eine besondere Herausforderung stellt nach Neithard Müllers Worten der Umbau der Tropfkörperanlage bei laufendem Betrieb unter beengten Platzverhältnissen dar. „Wir müssen uns Stück für Stück durcharbeiten“, sagte der Planer.
Die Ertüchtigung wurde notwendig, weil in der bisherigen Tropfkörper-Kläranlage aufgrund steigender Schmutzfrachten ab 2015 verschiedene Werte in der Eigenkontrolle und in der amtlichen Probeentnahme überschritten wurden. „Auch Reinigungsanforderungen sind teilweise gestiegen. Bedingung für die anstehende Verlängerung der wasserrechtlichen Erlaubnis war ein Konzept zur grundlegenden Ertüchtigung der in die Jahre gekommenen Kläranlage“, bringt Elke Eberle, die Pressesprecherin der Gemeinde Neuhausen, die Voraussetzungen für das Großprojekt auf den Punkt.
Gebaut wird eine Belebtschlammanlage mit getrennter anaerober Schlammstabilisation. Der Umbau der Emscherbrunnen zu einer konventionellen Vorklärung gehört dabei ebenso wie das neue Regenüberlaufbecken sowie ein Betriebsgebäude mit integrierter Halle für die Schlammentwässerung zu einem energieeffizienten und dem Stand der Technik entsprechenden Gesamtkonzept. Die Ausbaugröße ist nach Angaben der Gemeinde Neuhausen auf 20 000 Einwohner angelegt.
Ein neues Multifunktionsgebäude wird es auf dem Areal der Kläranlage ebenfalls geben. Da die Steuerung der Systeme hoch komplex ist, kontrollieren die Mitarbeiter die Abläufe in der Anlage laufend – für die Abläufe wird mehr Platz gebraucht. Ob eine vierte Reinigungsstufe gebaut wird, mit der etwa die Rückstände von Medikamenten entfernt werden könnten, ist derzeit noch offen. In großen Städten ist diese Stufe bereits vorgeschrieben. In der Fildergemeinde wird noch untersucht, ob diese gebraucht wird. Dafür ist jedoch ein Platz auf dem Gelände reserviert, sodass sie bei Bedarf jederzeit gebaut werden könnte.