Klärschlammanlage in Böblingen Grünes Licht für 220-Millionen-Projekt

Die Kläranlage Böblingen-Sindelfingen gehörte zu den Treibern der Verwertungsanlage. Foto: Eibner/Tadas Svetikas

Auf dem Gelände der Müllverbrennung entsteht bis 2027 eine Klärschlammverbrennung für 220 Millionen Euro. Der Verband gab jetzt grünes Licht.

Böblingen: Jan-Philipp Schlecht (jps)

Der Zweckverband Restmüllheizkraftwerk Böblingen (RBB) hat am Freitag den Weg für den Bau einer Klärschlammverwertung auf dem Gelände der bestehenden Müllverbrennung freigemacht. Mit der Zustimmung zur Vergabe der Bauleistungen sowie zur geänderten Finanzplanung ist an die 2017 begonnenen Planungen zu der Großanlage im Böblinger Wald ein wichtiger Knopf genäht. Die Anlage soll bis Herbst 2027 fertiggestellt sein. Der Bau wird nach verhandelten Festpreisen 165 Millionen Euro kosten – plus bereits aufgelaufenen Neben- und Planungskosten in Höhe von 55 Millionen.

 

Laut Geschäftsführer Frank Schumacher sei die Kostenkalkulation in mehreren Schritten entwickelt worden. „Ursprünglich lagen die Schätzpreise für die Anlage bei rund 139 Millionen Euro. Nach der Feinplanung und Ausschreibung wurde ein Festpreis von 165 Millionen Euro vereinbart.“ Hinzu kämen Baunebenkosten. Ein Risikopuffer wurde eingerichtet, um mögliche Mehrkosten abzufedern. „Wir gehen davon aus, dass das Gesamtvolumen von 220 Millionen Euro eingehalten werden kann“, sagt er.

Schlamm aus Stuttgart und dem Schwarzwald

Die Anlage ist notwendig, um den Anforderungen der novellierten Klärschlammverordnung von 2017 zu entsprechen. Diese untersagt ab 2029 die Ausbringung von Klärschlamm in der Landwirtschaft und schreibt außerdem die Rückgewinnung von Phosphor vor. Die neue Anlage stelle sicher, dass die Region diese gesetzlichen Vorgaben erfülle und gleichzeitig die Entsorgungssicherheit für 72 kommunale Partner gewährleistet werde, teilt der Landkreis mit.

Die Partnergemeinden erstrecken sich weit über den Kreis Böblingen hinaus: Steht die Verwertung in zwei Jahren, entsorgen Kläranlagen von Stuttgart bis in den Schwarzwald ihre Rückstände in Böblingen. Dort wird er in einem modernen Verfahren verfeuert und die entstehende Wärme ausgekoppelt in das Fernwärmenetz. „Wir schaffen eine moderne, umweltgerechte Anlage mit regionaler Bedeutung“, sagte Landrat Roland Bernhard, zugleich Verbandsvorsitzender. Die Anlage wird in Form einer Tochtergesellschaft betrieben, der RBB KSVA Vermögensgesellschaft.

RBB-Chef Schumacher am geplanten Ort der Anlage neben dem Restmüllheizkraftwerk. Foto: Archiv/jps

Er betonte die Bedeutung des Standorts Böblingen, an dem bereits ein Restmüllheizkraftwerk betrieben wird. „Dank an die Stadt Böblingen: Muss man das auch erst einmal verkraften, da man am Standort ja schon ein Restmüllheizkraftwerk hat.“ Und um dieses gab es in den 1990er-Jahren hitzige Debatten, woran Bernhard erinnerte.

Die öffentliche Diskussion um die Klärschlammverwertung erreichte bei Weitem nicht diese Wucht. Wohl auch, da diese modernsten Umwelt-Standards entspricht. Etwa durch die integrierte Großwärmepumpe, die eine verstärkte Einspeisung von Fernwärme in die Netze der Stadtwerke Böblingen und Sindelfingen ermöglicht.

Die Finanzierung des Projekts erfolgt über eine langfristig angelegte Kreditaufnahme in Höhe von bis zu 220 Millionen Euro. Davon entfallen maximal 96,5 Millionen Euro auf ein Darlehen der Kreditanstalt für Wiederaufbau mit einer Laufzeit von 30 Jahren und einer zehnjährigen Zinsbindung. Die restlichen bis zu 123,5 Millionen Euro werden über regionale Banken bereitgestellt, mit ebenfalls langfristiger Zinsbindung und Absicherung. Die Mittel werden in mehreren Tranchen bis zur Fertigstellung abgerufen.

Was die Anlage notwendig macht

Klärschlamm
Durch die thermische Verwertung des Schlamms soll die Einbringung von giftigen oder belastenden organischen Stoffen und Mikroplastik in die Böden und damit in die Nahrungskette nachhaltig vermieden werden.

Restmüll
Das Restmüllheizkraftwerk im Böblinger Wald beschäftigt derzeit rund 90 Mitarbeitende und sorgt für die thermische Verwertung von Restmüll, der nicht mehr recycelt werden kann.

Fernwärme
Sie wird bereits aus dem Restmüllheizkraftwerk ausgekoppelt und ins Böblinger und Sindelfinger Netz eingespeist. Durch die neue Anlage kommt weitere Energie hinzu.

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