„Klartext“ mit Nius-Frontmann Kritik am Europapark wegen CDU-Abend mit Reichelt

Von „Bild“ zu „Nius“: Julian Reichelt Foto: dpa/Jörg Carstensen

Eine Veranstaltung mit dem Chef des „Hetzkanals“ Nius bringt der Partei reichlich Ärger ein. Ihr Landesvorsitzender Manuel Hagel bleibt lieber in der Deckung – aus guten Gründen.

Titelteam Stuttgarter Zeitung: Andreas Müller (mül)

Der Europapark ist nur der Vermieter, nicht der Veranstalter. Doch für den Auftritt von Julian Reichelt an diesem Freitag im südbadischen Rust bekam auch er reichlich verbale Prügel. Was habe die weltoffene Freizeiteinrichtung bloß geritten, dem einstigen „Bild“-Chefredakteur und Frontmann des rechtspopulistischen Portals „Nius“ eine Bühne zu bieten? Solche und ähnliche Fragen wurden in den sozialen Medien aufgeworfen – teils verbunden mit Enttäuschung über die Betreiberfamilie Mack und der Ankündigung, dem Park fortan lieber fernzubleiben. Es handele sich um ein Event der Jungen Union (JU) Ortenau und der CDU-Mittelstandsvereinigung (MIT) Südbaden, betonte ein Sprecher. „Sie haben Räumlichkeiten über unser Confertainment-Angebot angemietet und sind allein für den von ihnen präsentierten Referenten zuständig.“

 

Es war nicht die einzige Distanzierung, die nach dem Bericht unserer Zeitung über den Termin mit Reichelt erfolgte. Auch die südbadische CDU-Spitze war nicht erfreut über die als „Klartext“ angekündigte Veranstaltung. Mit einem solchen „Hetzkanal“ wolle man nichts zu tun haben, der Bezirk hätte Reichelt nie eingeladen. Doch die Unterorganisationen seien autonom, man könne ihnen nichts verbieten.

Den moralischen Kompass verloren?

In den sozialen Medien kam es knüppeldick für die CDU. So sehe also die berühmte Brandmauer nach rechts aus, wurde da gehöhnt. Die Christdemokraten hätten offenbar ihren moralischen Kompass verloren, einen solchen Agitator einzuladen. Man solle sich massenhaft anmelden – und dann einfach nicht erscheinen, wurde als Störmanöver empfohlen. Mehr als 100 Zuhörer waren da freilich schon avisiert.

Wer aber war auf die Idee gekommen? Die Darstellung der MIT-Vorsitzenden Ruth Baumann, man habe eine Initiative des CDU-Nachwuchses unterstützt, blieb nicht unwidersprochen. Genau umgekehrt sei es gewesen, sagte der Ortenauer JU-Kreisvorsitzende Julius Geiler laut „Offenburger Tageblatt“: Die Mittelständler seien auf die Jugend zugekommen. Beide waren sich indes einig, dass ein neues Medium wie Nius Aufmerksamkeit verdiene: man wolle sich selbst ein Bild davon machen.

Hagel lässt sich für Nius interviewen

Auch der CDU-Landeschef Manuel Hagel hatte keine Berührungsängste zu dem Kanal gezeigt: Im Frühjahr ließ er sich von Reichelts Chefreporter ausgiebig interviewen – wie zuvor bereits andere, teils eher randständige CDU-Vertreter. Zur Einladung nach Südbaden war von Hagel denn auch kein persönlicher Kommentar zu erhalten. Etwas ausführlicher äußerte sich dafür die Sprecherin des Landesverbands. Man sei eine föderale Partei, da entschieden die jeweiligen Ebenen und Organisationen „eigenständig und eigenverantwortlich“, etwa über Veranstaltungsformate und Gesprächspartner.

Dann wurde sie grundsätzlich: „Die Meinungs- und Pressefreiheit ist für uns ein hohes Gut. Dass wir als Landespartei daher Medien in Form von Statements, Interviews und Anfragen zur Verfügung stehen, ist selbstredend und trägt zur öffentlichen Debatte bei. Rechtsstaatlichkeit, Demokratie, die Werte unserer Verfassung und unser christliches Menschenbild sind uns dabei Richtschnur.“

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