Ein schöner Klang, das ist klar, setzt gute Instrumente voraus. Das gilt besonders für Streichquartette, deren Gesamtklang im Idealfall mehr ist als die Summe seiner Teile – so haben berühmte Quartette meist eine spezifische, als Markenzeichen dienende Farbe.
Im Fall des Goldmund Quartetts nun spielt dieser Faktor eine besondere Rolle, musizieren die vier Herren doch seit 2019 auf dem sogenannten Paganini-Quartett, einer Sammlung von vier Instrumenten des legendären Antonio Stradivari aus dem Nachlass Niccolò Paganinis. Die sind zwar, angesichts der astronomischen Preise kaum anders denkbar, „nur“ eine Leihgabe – aber eben auch ein Alleinstellungsmerkmal für das seit 2009 in unveränderter Besetzung spielende Quartett, das nun mit der Pianistin Mona Asuka im Mozartsaal aufgetreten ist.
Und wie klingt es nun, das millionenschwere Streicherholz? Schumanns Klavierquintett Es-Dur op. 44 ist das erste Stück des Abends, und schon in den Eingangstakten frappiert diese ungemein edle klangliche Signatur: auf distinkte Weise dunkel gebeizt, dabei leuchtend und mit strahlender, aber niemals scharfer Höhe erscheint der Klang, dessen Spektrum enorm ist. Je nach gewünschtem Ausdruck lassen sich aus den Stradivaris sowohl betörend süße Kantilenen wie auch – speziell in der Bratsche – knorrige Knarzigkeit kitzeln.
Zu einem Erlebnis wird der Abend aber erst durch die technische Brillanz und die von Emphase befeuerte Gestaltungskunst, mit der sich das Goldmund Quartett in bester Übereinstimmung mit Mona Asuka die Werke zu eigen macht. Bei Schumanns Geniestreich halten sie klug die Balance zwischen Struktur und sinfonischer Dichte. Alles atmet romantischen Geist, Licht und Schatten halten sich die Waage, die Musik fließt, drängt sich nicht auf.
Bei Brahms gewaltigem Klavierquintett f-Moll op. 34 legen die Fünf dann nach der Pause eine satte Schippe drauf an Schwermut und glühendem Pathos. Mona Asuka am Steinway trägt pianistisch souverän das Ihre bei zu diesem Musizieren aus einem wohl abgestimmten Guss, das einem großen dramaturgischen Bogen folgt und sich im Prestofinale in eine regelrechte Ekstase hineinsteigert.
Das Publikum im gut besuchten Mozartsaal der Liederhalle, vom Durchlebten gleichermaßen beglückt wie erschöpft, feiert das Ensemble mit Ovationen, das noch eine Zugabe aus seiner aktuellen CD mit alpenländisch Folkloristischem gibt: „Augenstern“ von Herbert Pixner.