Klaus Arnold verlässt das Schiller-Gymnasium Ludwigsburg „Was die Schule heute macht, ist der glatte Wahnsinn“

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Humor hält er für die wichtigste Tugend – neben dem Talent zur Kommunikation: Klaus Arnold, der Leiter des Ludwigsburger Friedrich-Schiller-Gymnasiums, geht in Rente.

Die Freude überwiegt: Klaus Arnold verlässt das Schiller-Gymnasium. Foto: factum/Bach
Die Freude überwiegt: Klaus Arnold verlässt das Schiller-Gymnasium. Foto: factum/Bach

Ludwigsburg - Kommunikation: eins! Spannung aushalten: mangelhaft! In der Rückschau beurteilt Klaus Arnold sein Wirken am Friedrich-Schiller-Gymnasium (FSG) durchaus selbstkritisch. Aber er ist sich auch sicher, dass er Spuren hinterlässt. Zum Schuljahresende verlassen er und sein Stellvertreter Reiner Schlagenhauf das Ludwigsburger Gymnasium.

Herr Arnold, die Kultusministerin hat kürzlich gesagt, Lehrer, die im Ruhestand weiterarbeiten möchten, seien herzlich willkommen. Also, wollen Sie wirklich aufhören?
(lacht) Zu unserer großen Enttäuschung kam noch niemand auf Herrn Schlagenhauf und mich zu, obwohl wir beide gesuchte Personen sind. Herr Schlagenhauf unterrichtet Physik und ich Biologie, beides Fächer, die inzwischen Mangelware sind.
Falls Sie nun wider Erwarten doch gehen, was überwiegt: Freude oder Wehmut?
Es ist schon die Freude. Es ist ein Job, der einen sehr viel einspannt – zeitlich und nervlich. Man muss auf vieles verzichten. Soziale Beziehungen, in erster Linie die Familie, sind zu kurz gekommen.
Haben Sie auch emotional schon Abschied genommen?
Nein. Bisher ist noch alles Business as usual. Dass ich das alles zum letzten Mal mache, das kommt gar nicht zum Tragen. Das Schuljahresende fordert so viel, dass man sich das gar nicht bewusst machen kann.
Bei Elterninformationsabenden sind Sie gerne in die Rolle des Namensgebers ihrer Schule geschlüpft. Können Sie sich auch privat mit Friedrich Schiller identifizieren?
Ich denke, die Haltung, die zum Beispiel hinter ,Freude schöner Götterfunken’ steht, ist etwas, was meine Lebensphilosophie mit beeinflusst. Also ,alle Menschen werden Brüder’, ist ein wichtiger Aspekt. Auch mit seinem Kampf für Gerechtigkeit kann ich mich sehr, sehr gut identifizieren.
Sie waren seit 14 Jahren hier Schulleiter. Glauben Sie, dass Sie dem FSG Ihren Stempel aufgedrückt haben?
Es gibt sicher ein paar greifbare Dinge. Im ersten Jahr habe ich etwa Spanisch als dritte Fremdsprache eingeführt, und wir haben viel Bauliches erreicht – denken Sie an den neuen Fachklassentrakt, das neue Schwimmbad, die Umfunktionierung des Stadtbads in eine Mensa, und dass der unsägliche alte Betonbau in zwei Jahren abgerissen werden soll. Das ist so die Hardware.
Für Letzteres haben Sie sich mit der Stadt angelegt. Bürgermeister Konrad Seigfried hat Ihren Vorstoß bei einer Elterninfo im April als „populistische Aktion“ abgekanzelt.
Ich glaube, das war ein klassisches Missverständnis. Mir war klar, den Leuten ist egal, was im Fachklassentrakt los ist, sie wollten ihn nur loskriegen. Ich wollte Herrn Seigfried unterstützen, ihm sagen, wenn er da auf etwas beharrt, kommt er nicht weiter. Also wollte ich weg davon – mit der Frage, wo haben wir noch Räume? Alle haben das sofort verstanden.
. . . aber Herr Seigfried nicht.
Ja, das ist nicht angekommen. Darum ist es dann so gelaufen, wie ich befürchtet hatte. Aber Herr Seigfried hat sich inzwischen bei mir entschuldigt und gesagt, dass er mich nicht als Demagoge darstellen wollte.
Da Sie nun wissen, was das Amt eines Schulleiters von einem verlangt: Würden Sie es wieder machen?
Ja.
Ein klares Ja?
Ja. Man braucht als Schulleiter zwei Dinge. Das eine ist die Kommunikation. Man muss immer mit den Leuten reden. Dass ich das ziemlich gut kann, hat man mir schon attestiert. Das zweite ist, Spannungen aushalten, das ist nicht so mein starkes Gebiet.
Von außen betrachtet sah es so aus, als könnten Sie Spannungen aushalten. Ihren Humor haben Sie zumindest nicht verloren.
Das mit dem Spannung-Aushalten habe ich erst im Laufe der Zeit gelernt. Doch entscheidend ist wirklich, dass man Humor hat.
Von allem, was ein Lehrer und Schulleiter tun muss, was hat Ihnen am besten gefallen?
Die Arbeit mit Kindern habe ich immer sehr, sehr gern gemacht. Deshalb habe ich auch diesen Beruf ergriffen. Was mich daran gereizt hat, ist die Entwicklungsfähigkeit, die in Kindern steckt. Das war aber auch im Privaten immer so, dass ich derjenige war, der mit den Kindern gespielt hat.
Sie saßen am Kindertisch?
(lacht) Ja. Ich saß am Kindertisch, während sich die Erwachsenen unterhalten haben.
Was ist noch spannend am Lehrerberuf?
Was mich auch immer fasziniert hat, ist, was man Schulentwicklung nennt. Also Schule weiterzubringen – als eine Art Dienstleister. Konkret: Wir haben die Ganztagsschule eingeführt, weil sie heute von vielen Familien gebraucht wird. Und die Kulturschule, weil Kultur für die Gesamtentwicklung der Persönlichkeit etwas Entscheidendes ist. Alle Ganztagskinder lernen Theater spielen. Und sie machen Filme. Ein Medium, das Schiller vermutlich heute auch einsetzen würde.
Sind die Eltern schwieriger geworden?
In der Mehrzahl nicht.
Was ist mit den Einzelfällen?
Als Biologe kann ich es nachvollziehen. Die Eltern haben heute weniger Kinder, dadurch werden diese wertvoller. Die Eltern setzen sich mehr dafür ein. Was da stattfindet, ist – in Anführungszeichen – intensive Brutpflege. Bei manchen zu intensiv.
Verglichen mit Ihrer eigenen Schulzeit: Hat sich die Schule zum Besseren entwickelt?
Auf alle Fälle. Was Schule heute macht, ist der glatte Wahnsinn. Wir haben früher gelernt – und das war eigentlich das Einzige. Vom Ergebnis her war das gut, aber die Schule hat seither gelernt, sich zu öffnen und vieles aus der Gesellschaft zu integrieren. Die Frage ist, ob wir uns überfordern.

Seit 2003 agierte er in Ludwigsburg

Werdegang
Klaus Arnold wurde am 3. Juni 1952 in Bietigheim-Bissingen geboren. Nach dem Abitur am Aurain-Gymnasium hat er von 1970 bis 1976 an der Universität Stuttgart studiert. „Der Atlas war mein Lieblingsbuch“, sagt er. Es sei also schon in seiner Schulzeit klar gewesen, dass er Geografie studieren werde. Die Entscheidung für das zweite Fach Biologie ist erst später gefallen. Nach dem Referendariat in Vaihingen/Enz und einer Zwischenstation in Schwäbisch-Hall hat er 23 Jahre lang am Stuttgarter Katharinenstift unterrichtet, zehn Jahre davon war er stellvertretender Schulleiter. 2003 übernahm er die Leitung des Friedrich-Schiller-Gymnasiums in Ludwigsburg.

Nachfolger
Arnolds Nachfolger im Amt wird Ulrich von Sanden sein: Er muss sich kaum umstellen, denn er hat bisher am Marbacher Friedrich-Schiller-Gymnasium unterrichtet. Sein Stellvertreter wird Stefan Sträb sein.




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