Klaus Birkel Von der Nudel zum Steak

Von Ann-Kathrin Eckardt 

Nach dem Eierpansch-Skandal und dem Verkauf seines Konzerns hat Klaus Birkel Deutschland verlassen und ist nach Texas ausgewandert.

Der schwäbische Nudelfabrikant Klaus Birkel am 23. Mai 1989 vor dem Landgericht in Stuttgart, vor dem er einen Sieg gegen das Land Baden-Württemberg erstritt. Foto: apn
Der schwäbische Nudelfabrikant Klaus Birkel am 23. Mai 1989 vor dem Landgericht in Stuttgart, vor dem er einen Sieg gegen das Land Baden-Württemberg erstritt. Foto: apn
Dallas (Texas) - Der Amerikanische Rothirsch prangt in der weißen Villa am See, hoch über dem Kamin. Die Jagdtrophäe steht für das neue Leben von Klaus Birkel. Auf der anderen Seite des Wohnzimmers, über einem Kunstblumenbouquet, thront der Kopf eines Europäischen Rothirsches. Gleiche Gattung, nur einige Nummern kleiner - so wie das alte Leben von Klaus Birkel.

Ein Neuanfang in den USA


Der Weg zur weißen Villa am See führt von Dallas aus nach Franklin, zweieinhalb Stunden durch die texanische Weite, vorbei an endlosen Feldern und Wiesen. Am Ende schlängelt sich eine rotbraune Schotterpiste in ein hoch umzäuntes Wildgehege. Sechs Rotwild- und fünf Antilopenarten, jede Menge Bussarde und ein Alligator leben hier auf einer Fläche so groß wie der Englische Garten in München, und mittendrin: Klaus Birkel.

Das Wildgehege ist nur einer kleiner Teil seiner Ranch, genauer gesagt ein Zehntel. Bis zu 9000 Rinder nennt der Schwabe zeitweise sein Eigen. Seine Ranch im Osten Texas ist eine der größten des Landes, sein Name als Spitzen-Rinderzüchter über die Landesgrenzen hinaus bekannt.

Auch in seinem alten Leben war Birkel geachtet - als Nudelkönig im Remstal. Doch Mitte der 80er Jahre geriet sein Weinstädter Imperium ins Wanken: Mit seinem gleichnamigen Nudelkonzern war Birkel in einen der größten Lebensmittelskandale der Bundesrepublik verwickelt. Die Eierteigwaren des schwäbischen Produzenten seien Ekel erregend verschmutzt und "mikrobiell verdorben" hatte das Stuttgarter Regierungspräsidium im Sommer 1985 gewarnt. Das Amt hatte damals eine Liste veröffentlicht, auf der unter anderem fünf angeblich verseuchte Birkel-Produkte standen. Der Nudelkönig klagte gegen die Behörde.

Landgericht gibt Birkel recht


Man habe vom Lieferanten nur einwandfreies Flüssigei bezogen, die Warnung sei völlig unberechtigt gewesen, behauptete Birkel und forderte die bis dato in Deutschland beispiellose Schadenersatzsumme von 43,2 Millionen Mark. Das Landgericht und das Oberlandesgericht in Stuttgart gaben Birkel recht: Im März 1991 schloss das Land einen Vergleich und zahlte ihm 12,7 Millionen Mark Schadensersatz. Für den Urenkel des Firmengründers kam die Einigung ein Jahr zu spät: Er hatte die größte deutsche Teigwarenfirma bereits 1990 an den französischen Danone-Konzern verkauft.

Natürlich hätte das Geld gereicht, um sich irgendwo in der Sonne zur Ruhe zu setzen und seinen beiden Söhnen beim Erwachsenwerden zuzuschauen. Doch bei diesem Gedanken schüttelt Birkel noch heute den Kopf. "Nein, ich bin nicht der Typ, der mit Ende 40 die Füße hochlegt." Sein durchtrainierter Körper und der Eifer, mit dem er beim Mittagessen von seiner Arbeit erzählt, lassen erahnen, dass er auch mit 67 noch nicht bereit für den Ruhestand ist.

Mit seiner zweiten Frau Bonnie sitzt er im Esszimmer in der weißen Villa am See. Seit acht Jahren ist er mit dem ehemaligen Rodeo-Girl verheiratet. Die braunen Haare hat sie zum Zopf geflochten, die Nägel hellrot lackiert. Dass sie schon Ende 50 ist, sieht man ihr nicht an. Die Haushälterin serviert Ofenkartoffeln und Steak. Saftig, riesig und exakt gleichgroß - echte Birkel-Steaks.

Er will mit seinem Traum Geld verdienen


Sie sind das Ergebnis eines radikalen Neuanfangs und eines Birkelschen Kindheitstraums: eine eigene Ranch in Amerika. Nach dem Verkauf seiner Firma fliegt Birkel zum ersten Mal in seinem Leben nach Texas, dorthin, wo vor ihm bereits so viele andere deutsche Auswanderer ihr Glück versucht haben. Mehr als 40 Ranchs besichtigt er. Doch keine ist ihm gut genug, groß genug.

Schließlich will er seinen Kindheitstraum nicht als Hobby betreiben, sondern Geld verdienen. "Ich hatte keine Ahnung von Rindern", sagt Birkel, "aber ich wusste, dass ich eine große Ranch brauche, damit es sich rendierd." Auch 20 Jahre fern der Heimat haben seinem Schwäbisch nichts anhaben können.

Nach ein paar Monaten findet er schließlich, wonach er sucht: Camp Cooley, 45 Quadratkilometer mitten im Nirgendwo, von Büschen überwuchert, seit acht Jahren unbewirtschaftet. Genau die passende Herausforderung für einen wie Klaus Birkel. Wie ein deutsches Greenhorn so ein Mammutprojekt anpackt? "Mr kauft sich einfach a paar Traktoren und schafft."

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