Die Ankündigung der Stuttgarter Konzertdirektion SKS Russ ist nüchtern: „Klaus Maria Brandauer und das Mozarteum Orchester Salzburg“ heißt es da. Zu hören sein werden heute, Mittwoch, 24. Mai: „Mendelssohns ,Ein Sommernachtstraum’ op. 21 und op. 61 Schauspielmusik für Sprecher, Soli, Chor und Orchester sowie Schuberts Sinfonie Nr. 7 h-Moll ,Unvollendete’.“ Zu erleben sein aber wird, wie Klaus Maria Brandauer dieser Musik neue Räume eröffnet, wie der große Schauspieler das Verwirrspiel um vier junge Menschen (Demetrius und Lysander sowie Hermia und Helena) sowie den Elfenkönig Oberon und dessen Diener Puck in Rollen- und Blickwechseln zu einem Gesamttheater fügt.
Stuttgart – das ist für Brandauer „immer wieder auch eine Rückkehr“. An der Schauspielschule der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst hat Brandauer einst studiert – 1962, aber schon nach zwei Semestern war Schluss. Brandauer drängte auf die Bühne, debütierte 1963 als Claudio in Shakespeares „Maß für Maß“ am Landestheater Tübingen und zog bald weiter nach Wien. Triumphe folgen – bis hin zu István Szabós Oscar-prämierter Klaus Mann-Verfilmung „Mephisto“ und Brandauers zerberstender Verkörperung des auf Gustaf Gründgens zielenden Schauspielers Hendrik Höfgen im Jahr 1981. „Oberst Redl“ (1985) und „Hanussen“ (1988) machen István Szabós Annäherung an europäische Figuren zur Trilogie, Klaus Maria Brandauers Sehnsucht aber nach einem Europa ohne Krieg ist zerschellt.
Andrew Manze dirigiert
Shakespeares „Sommernachtstraum“ hält ein Happy End bereit. Brandauer, da darf man sicher sein, wird dieses auch heute Abend im Beethovensaal der Liederhalle auf seine Weise interpretieren, bedingungslos und immer davon überzeugt, dass man „ernsthaft etwas investieren muss“ – gerade dann, wenn etwas scheinbar leicht wirken soll. Dirigiert wird das Mozarteum Orchester Salzburg von Andrew Manze, als Geiger liebend gern der historischen Aufführungspraxis auf der Spur. Über seine Rolle sagt der Chefdirigent der NDR Radiophilharmonie, es gehe darum „dem Orchester zu helfen, eine Aufführung zu erschaffen, die es dem Publikum erlaubt, die Musik zu verstehen“.
Kunst als Erlebnis
Andrew Manze am Pult, das Mozarteum Orchester Salzburg spielend und Klaus Maria Brandauer alles durchdringend – dieser Abend heute, Mittwoch, 24. Juni, hat alles, um zu einem Erlebnis im eigentlichen Sinn zu werden. Beginn im Beethovensaal der Liederhalle Stuttgart ist um 20 Uhr. Tickets kosten zwischen 52 und 132 Euro (ermäßigt 26 bis 66 Euro). Eine Abendkasse ist geöffnet.