Klaus Walz trägt Eulen nach Weissach. 15 000 Stück aus 135 Ländern hat er gesammelt. Zudem lässt er die Tiere von Promis zeichnen. Manfred Rommel, Tomi Ungerer, Wieland Backes und Frank-Walter Steinmeier haben zum Stift gegriffen.
Stuttgart/Weisach - as erste Mal ist ihm natürlich noch im Gedächtnis. Vor fünfunddreißig Jahren war das, als der Pharmareferent Klaus Walz bei einem Kunden war und warten musste. Er blätterte also in einem Katalog für Werbeartikel,um sich die Zeit zu vertreiben. Und war fasziniert von einer kleinen Eule, gefertigt aus vielen Metallstücken. Es war Liebe auf den ersten Blick. Er bat seinen Kunden, er möge ihm mit der nächsten Bestellung die Eule mitordern. Gesagt, getan. Und dann war Klaus Walz schnell klar: „Die Eule darf nicht allein bleiben.“
Das musste sie nicht. Im Laufe der Jahre kamen knapp 15 000 Eulen zusammen. Aus Holz, aus Stoff, aus Pappmaché wie das ein Meter große Exemplar aus Laos, aus Kunststoff oder aus Keramik wie die Salz-und Pfefferstreuer. Sie prangen auf Untersetzern oder auf den Etiketten der Weinflaschen, die Walz bei Aldi in Amerika gekauft hat. Abgefüllt in Kalifornien bei einem Weingut mit dem Namen Winking Owl, blinzelnde Eule.
Die meisten Eulen sind auf dem Dachboden
Wo er die alle hat? Die Wohnung in Weissach im Kreis Böblingen darf er nicht zum Horst umbauen. „Da ist meine Frau vor“, sagt Klaus Walz (71) und lacht. Einige ausgewählte Exemplare hat er zu Hause, vorzugsweise jene, die ihm seine Frau geschenkt hat. Der große Rest steckt in Bananenkisten auf dem Dachboden seiner Mutter. Sechs Kubikmeter insgesamt. Zu gerne würde er seine Eulen freilassen und sie zeigen. „Leider hat sich bisher nichts ergeben“, sagt Klaus Walz, dabei sucht er dringend ein Domizil, wo er mit seinen Eulen unterschlüpfen kann. Ein Museum für Schweine gibt es ja schon in Stuttgart, da müsste doch auch noch Platz sein für ein Eulenmuseum.
Eigentlich müsste man dort auch Klaus Walz selbst ausstellen. Er ist nämlich ein begnadeter Geschichtenerzähler. Man denkt ja gerne, ein Sammler wäre ein wenig langweilig, er sortiere den ganzen Tag seine Steckenpferdchen und schiebe sie im Setzkasten hin und her. Weit gefehlt. Klaus Walz hat zwar Eulen im Regal, aber auch Hummeln im Hintern. Auf der ganzen Welt hat er sich umgetan. Vorzugsweise am Steuer eines Autos.
Klaus Walz ist weit gereist
Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs ist er die Seidenstraße entlanggefahren, als junger Kerl hat er mit einem VW-Käfer die halbe Welt erkundet. Er ist nach Afghanistan gefahren, nach Syrien, nach Israel, in den Iran. Wobei das so nicht ganz richtig ist. Es war nicht ein VW- Käfer. Es waren immer andere. „Ich hatte ja nur vier Wochen Urlaub, da konnte ich nicht zurückfahren.“ Also hat er die Autos an Ort und Stelle verkauft und ist heimgeflogen. Alle bis auf einen. In Saudi-Arabien steht wahrscheinlich heute noch ein VW-Käfer irgendwo im Wüstensand.
Den musste er zurücklassen, weil er den falschen Abzweig genommen hatte. Doch gehen wir erst einmal zurück zum Beginn der Reise. „Ich wollte unbedingt mal nach Saudi-Arabien und weiter in den Jemen“, sagt Walz, „aber es war unmöglich, ein Visum zu bekommen.“ In Saudi-Arabien ließ man Touristen in den 70er Jahren nicht ins Land. Doch Walz ist hartnäckig. Als er einen Laster mit der Aufschrift „Saudi-Arabien–Deutschland“ sieht, hält er den Trucker an. Er fragt, warum dieser einreisen dürfe? Der Fahrer zeigt ihm einen Frachtbrief, eingetragen sind 1,5 Tonnen Maschinenteile. Walz kopiert den Frachtbrief, fährt mit seinem VW-Käfer an die Grenze, zeigt das Papier – und darf nach Saudi-Arabien hinein. Er will weiter in den Jemen. Doch bei Mekka verfährt er sich. Statt die Stadt zu umgehen, fährt er mitten hinein. Was Ausländern streng verboten war. Als er bei einem Kiosk anhält, um bei siedender Hitze eine Limo zu trinken, tauchen alsbald die Büttel auf. Die Reise setzt Walz mit einem Beifahrer fort, der weder seinen Karabiner noch Walz aus den Augen lässt. Er wird verhört, dank der deutschen Botschaft kommt er frei, fliegt nach Hause. Der Käfer bleibt zurück.
Er hat auch eine Eule aus Nordkorea
Damals waren noch keine Eulen im Gepäck. Das änderte sich später. In Nordkorea nahm er an einer organisierten Reise teil, büxte aus dem Hotel aus, um sich umzutun – und eine Eule zu kaufen. Die sich in der Anmutung übrigens in Nichts unterscheidet von einer, sagen wir mal, griechischen oder venezolanischen Eule. Kein Wunder. „Eulen gibt es überall auf der Welt“, sagt Klaus Walz. Und sie sehen nun mal ähnlich aus: die Augen groß, die Körper gedrungen, der Hals Franz-Josef-Strauß-artig kaum vorhanden.
Verfremdet kommen sie aber auf den Zeichnungen der Prominenten daher. Walz schreibt bekannten Menschen gerne mal einen Brief, in dem er um die Zeichnung einer Eule samt Autogramm bittet. Diese Ehre lässt er Leuten zukommen, denen er schon mal begegnet ist, sie im Theater gesehen oder zufällig getroffen hat. So wie den Illustrator Tomi Ungerer. „Er hat mich vor der Universitätsklinik in Freiburg nach dem Weg gefragt“, erinnert sich Walz, „und mir mein Jackett zugeknöpft und gesagt, das sehe so besser aus.“ Die Eule malte Ungerer auch.
Eine Eule kommt von Manfred Rommel
Wie EU-Kommisar Günther Oettinger, sein Exemplar kommt übrigens ohne Schlitzaugen und Schlitzohren aus. Außenminister Frank-Walter Steinmeier zeichnete, Moderator Wieland Backes, Buffy Ettmayer, Rolf Geiger, Prinz Poldi und Manfred Rommel ebenso. Der Alt-OB hat Walz seine Eule wenige Tage vor seinem Tod geschickt. „Er muss sie auf dem Sterbebett gemalt haben“, sagt Walz. Gregor Gysi von der Linkspartei und der frühere Landesvater Lothar Späth sagten ab, sie bekundeten, sei seien Politiker geworden, weil sie besser reden als zeichnen könnten. Von Altkanzler Helmut Kohl hätte Walz gerne noch eine Eule. Und demnächst geht’s nach China. Auf dem Rückweg wird sicher ein Vogel im Gepäck sein, schließlich trägt Klaus Walz Eulen nach Weissach.