Klaus Wanninger liest in Fellbach Ein Badener mit Vorliebe fürs Schwäbische

Von Florian Ladenburger 

Der Autor und gebürtige Karlsruher Klaus Wanninger liest am Donnerstagabend im Innenhof des Fellbacher Rathauses aus seinem neuen Buch mit dem Titel „Schwaben-Donnerwetter”. Es ist bereits der 21. Band seiner Krimi-Reihe.

In seinem neuen Krimi  widmet sich Klaus Wanninger auch ausgiebig schwäbischen Schimpfwörtern. Foto: Frank Eppler
In seinem neuen Krimi widmet sich Klaus Wanninger auch ausgiebig schwäbischen Schimpfwörtern. Foto: Frank Eppler

Backnang/Fellbach - Zu seiner Lesung in Fellbach wird Klaus Wanninger am Donnerstagabend mit der Bahn anreisen. Der Autor hat insgesamt mehr als 25 Bücher geschrieben, seine Schwaben-Krimis haben eine Gesamtauflage von mehr als 650 000 Exemplaren erreicht. Ein Auto könnte er sich schon leisten und für seine Lesungen ist er auch viel unterwegs. Doch er lebt autofrei aus Überzeugung. „Autofahren dort, wo Menschen leben, finde ich unverantwortlich“, sagt er. „Eine Stadt hat eine ganz andere Lebensqualität und eine ganz andere Atmosphäre ohne Autos.“

Deswegen unterstützt Wanninger auch einige verkehrspolitische Entscheidungen, die in Fellbach gefällt wurden. „Mir gefällt sehr, dass etliche Straßen zu Fahrradstraßen ausgeschildert wurden“, erklärt der Autor. Er ist oft vor Ort, weil seine Frau in Fellbach arbeitet. „Ich kaufe auch oft hier ein, zum Beispiel für unseren großen Garten. Außerdem gibt es eine angenehm große Auswahl an Lokalen und kleinen Läden.“ Auch einen Spaziergang am Kappelberg unternehmen die beiden gerne.

Zu viel Blech in der Bahnhofstraße

Eine Sache stört ihn jedoch an Fellbach: „Die lang gezogene Bahnhofstraße leidet doch noch sehr unter viel zu viel Blech, während Fußgänger eng gedrängt unterwegs sind.”

Die autofreie Vorbildfunktion hat Wanninger auch seinem ermittelnden Kommissar Steffen Braig gegeben, als er vor 20 Jahren mit seinen Schwaben-Krimis anfing. Für Braig und zwei weitere Hauptfiguren hat sich der Backnanger Autor reale Vorbilder genommen, um den Alltag und die Charakterzüge realistisch beschreiben zu können. Er wollte nie Gefahr laufen, in eine totale Fantasiewelt abzudriften. Die Vorbilder waren begeistert und haben ihm immer mehr erzählt. Einer von ihnen hatte beispielsweise eine Blinddarmentzündung. „Das habe ich dann prompt reingeschrieben“, erinnert sich Wanninger.

Eine Vorliebe hat der gebürtige Karlsruher für den schwäbischen Dialekt. „Die Schwaben haben manchmal die Eigenart, mit wenigen Worten mehr zu sagen, als andere mit 100 Sätzen.“

Bulette contra Fleischküchle

In seinem 21. Band „Schwaben-Donnerwetter“, der in diesem Jahr erschienen ist, hat sich der ehemalige Religions- und Geschichtslehrer vor allem den schwäbischen Schimpfworten gewidmet. „Mit meinem neuen Roman wollte ich ein aufheiterndes, von der miesen Situation ablenkendes Buch schreiben”, erzählt der 67-Jährige. Damit meinte er ursprünglich das Verhalten von Staatschefs wie Bolsonaro, Trump und Putin sowie die fortschreitende Klimaveränderung. Doch als das Buch im April erschien, gab es etwas Neues, von dem es wunderbar ablenken konnte: die Corona-Pandemie.

Im aktuellen Krimi bleibt fast nur einer beim Hochdeutsch: der neue Ermittler Harald Loose. Der Berliner kommt durch ein Austauschprogramm ins ihm verhasste Stuttgart. Weil die bisherigen Kommissare nicht da sind, muss Loose direkt am ersten Arbeitstag einen Fall aufnehmen.

Bei den Schwäbischen Heimattagen im fiktiven Dörfchen Schlüpfingen, das angeblich in der Nähe von Waiblingen liegt, wird der bekannte Schlagersänger Heinzi entführt. In den Ermittlungen wird Loose mit dem Konflikt zwischen Tradition und Fortschritt konfrontiert. Was ist Lebensqualität? Der Berliner in der Fremde erkennt schon bald die Vorzüge der autofreien Innenstadt von Esslingen und lernt die beschauliche Natur im Remstal zu schätzen – auch er teilt bald Klaus Wanningers Ansichten.

In der Geschichte wird so manches Klischee abgearbeitet, darunter der schwäbische Hausmeister, der schon um 7 Uhr morgens das Treppenhaus putzt. Aber das Buch soll unterhalten und das tut es.

Dafür sorgen schon allein die ständigen Konfrontationen zwischen dem Berliner und den Schwaben. „Ne gebratene Bulette und ne Schrippe“, bestellt Loose an einem Imbiss. Als Antwort erhält er: „Sie moinet a Fleischküchle und a Weckle. Schwätzet Sie koi Deitsch?“ Ein lesenswertes Extra ist auch das Schwäbische Schimpfwörterlexikon, das dem Buch angehängt ist.

Lesung im Fellbacher Rathaus-Innenhof

Klaus Wanninger ist an diesem Donnerstag, 6. August, von 18 Uhr an im Fellbacher Rathaus-Innenhof zu Gast, wo er aus „Schwaben-Donnerwetter“ liest. Musikalisch begleitet wird er von Tobias Escher am Akkordeon. Karten gibt es beim i-Punkt der Stadt Fellbach, Marktplatz 7, Telefon 07 11/5756 14 15




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