Klavier und Rap Musikalischer Brückenschlag über zwei Jahrhunderte
Bei der Offenen Bühne des Vereins für Kunst und Kultur in Kernen hat der 17-jährige Pianist Afschin Pirnia aus Stetten debütiert.
Bei der Offenen Bühne des Vereins für Kunst und Kultur in Kernen hat der 17-jährige Pianist Afschin Pirnia aus Stetten debütiert.
Die Finger von Afschin Pirnia sind über die Tasten des Flügels geflogen. Der 17-Jährige aus Stetten, dessen Eltern schon Jahre vor seiner Geburt aus Shiraz im Iran ins Remstal kamen, ist bei der Offenen Bühne am Samstag in der ausverkauften Glockenkelter zum ersten Mal öffentlich aufgetreten. Mit einem selbst arrangierten Werk, in dem er 200 Jahre alte Klavierklassiker mit aktueller Rap-Musik verknüpft hat. Und der musikalische Brückenschlag über Jahrhunderte ist beim Publikum sehr gut angekommen.
Er sei kein Wunderkind und kein neuer Künstler, allerhöchstens ein Anfängerkünstler, sagt Afschin Pirnia und grinst. Dass er als Siebenjähriger das Klavier entdeckte, das in der Heimat seiner Eltern nicht gerade zu den typischen Instrumenten zählt, sei auch eher zufällig gewesen. „Hauptsächlich liegt es an Britt Christiansen, die bei uns in Stetten sehr bekannt ist“, sagt Afschin Pirnia. Britt Christiansen ist seit vielen Jahren seine Klavierlehrerin. Sie hatte ihn ermuntert, bei der Offenen Bühne des Vereins Kunst und Kultur in Kernen, kurz Kukuk, mitzumachen und saß beim ersten öffentlichen Auftritt ihres talentierten Schülers mit einem zufriedenem Lächeln im Gesicht unter den Zuhörern.
Als kleiner Junge hat Afschin Pirnia die Reihe „Ohren auf! Konzert für kleine Leute“ besucht, die Britt Christiansen, die wie er aus Stetten kommt, konzipiert hat und seit einigen Jahren in Kernen, aber auch in umliegenden Gemeinden organisiert. Die Liebe zur Musik hat Afschin Pirnia, wie wohl die meisten, zunächst an der Blockflöte ausgelebt, danach hat er sich gleich ans Klavier gesetzt. „Anfangs habe ich das Spielen eher locker gesehen, und oft kaum zwischen den Unterrichtsstunden geübt. Das hat sich während der Coronapandemie geändert“, sagt der Schüler, der die elfte Klasse des Technischen Gymnasiums in Waiblingen besucht.
In der Zeit der Einschränkungen und Kontaktsperren, in der der sportliche Mann zudem durch einen Meniskusriss am linken Fuß eingeengt war, habe er ganz zur Musik und zum Klavier gefunden. Seit der Pandemie, erzählt Afschin Pirnia, sitze er fast täglich am Instrument. „Ich spiele auch zum Entspannen, und bin unseren Nachbarn dankbar, dass sie es klaglos ertragen.“
Irgendwann hat er angefangen, aktuelle Rap-Musik von Kanye West oder Dr. Dre, die er im Alltag gerne hört, mit alten Klavierstücken zu verbinden. Tatsächlich, erzählt der junge Mann, sei er nicht der erste, der diese ungewöhnlich Kombination am Klavier spiele. „Es ist sogar gerade ein bisschen in, Rap und Klassik zu verknüpfen.“ Das Stück, das er am Samstag in der Glockenkelter präsentierte, hat Afschin Pirnia „Moonlight Sonate/Still Dre“ genannt. Das Arrangement stammt aus seiner Feder. Auch die Überleitungen, die die zwei auf den ersten Blick weit von einander entfernte Musikgenre miteinander verbinden, hat er selbst geschrieben.
Aufgeregt hat Afschin Pirnia seinem ersten Auftritt außerhalb der Abschlusskonzerte im Klavierunterricht entgegengefiebert. Nach seinem fünf Minuten dauernden Vortrag erntete er lauten und langen Beifall. „Sein Spiel war eines der Highlights an diesem Abend“, sagt Steffen Wilhelm, der Kukuk-Vorsitzende. Musik sei für ihn „purer Spaß“, sagt derweil Afschin Pirnia. Davon zu leben, könne er sich kaum vorstellen. Der 17-Jährige denkt eher über Arbeitsbereiche in der Architektur oder Medizin nach. „Aber wer weiß, wie sich alles noch entwickelt.“