Kleinkind-Betreuung Weichenstellung in der frühen Kindheit

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Die ersten Lebensjahre sind entscheidend – auch für die kognitive Leistung, betont die Nationale Akademie der Wissenschaften in ihrem aktuellen Bericht. Deshalb müsse Deutschland in die Bildung und Betreuung von Kleinkindern mehr investieren.

Durch Alltagserfahrungen und das soziale Miteinander lernen Kinder spielerisch. Foto: dpa
Durch Alltagserfahrungen und das soziale Miteinander lernen Kinder spielerisch. Foto: dpa

Stuttgart - Warst du mit deinem Kind deswegen schon beim Arzt? Solche Fragen setzen Eltern unter Druck. Wenn das Kind noch nicht krabbelt oder undeutlich spricht oder nicht mit den anderen spielt, dann sollte man das vielleicht abklären, empfehlen die Bekannten. Eltern wollen ihren Kindern den besten Start ins Leben ermöglichen und fragen sich daher, ob sie ihre Kinder zur musikalischen Früherziehung schicken sollten oder zu der Erzieherin, die mit ihnen englische Lieder singt.

Manchmal möchte man den Eltern zurufen: Entspannt euch, ihr könnt nicht alles richtig machen, und das ist auch nicht schlimm! Doch die Nationale Akademie der Wissenschaften ist da anderer Meinung: „Auswirkungen positiver wie negativer früher Erfahrungen lassen sich bis ins Erwachsenenalter nachweisen“, hält sie in einer Stellungnahme zur frühkindlichen Sozialisation fest. Man könne in den ersten Lebensjahren viel falsch machen. Manche Fehler ließen sich auch später im Leben nicht mehr ausgleichen.Die Wissenschaftler um Brigitte Röder und Frank Rösler von der Universität Hamburg appellieren daher an die Verantwortung der Eltern und verweisen darauf, dass die Nationale Untersuchung zur Bildung, Betreuung und Erziehung in der frühen Kindheit, kurz: NUBBEK, vor zwei Jahren zu dem Ergebnis gekommen ist, dass die pädagogische Qualität an deutschen Kitas nur „mittelmäßig“ sei.

Geborgenheit bringt mehr als Sprachunterricht

Eltern könnten die geistige Entwicklung der Kinder durch „emotionale Geborgenheit, anregende Kontakte und das Eingehen auf Interessen der Kinder“ fördern, heißt es in der Stellungnahme der Nationalen Akademie. Sprachunterricht halten die Wissenschaftler hingegen für überflüssig. Es komme nur darauf an, dass man mit den Kindern rede. Sogar die übertriebene Aussprache, in die Erwachsene bei Säuglingen verfallen („Ach, DU bist aber ein GANZ Süßer!“), helfe den Kleinkindern dabei, einzelne Worte im Kauderwelsch der Erwachsenen auszumachen. Bis zu ihrem dritten Geburtstag verstehen fast alle Kinder einen Großteil der Grammatik ihrer Muttersprache: etwa dass Wörter im Deutschen oft auf der ersten Silbe betont werden und dann in Nebensätzen das Verb am Ende steht. Bis zum sechsten Geburtstag kommen weitere Kategorien wie die Passivkonstruktionen hinzu.