Kleinkindbetreuung Die Kita darf doch gebaut werden

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Lange war nicht klar, ob die freikirchliche Vereinigung der Humanisten Zuschüsse für ihr Kita-Projekt erhält. Nun können sie ihren Sitz in der Mörikestraße so umbauen, dass dort 25 Kita-Plätze für Null- bis Sechsjährige entstehen.

25 Plätze für Kinder zwischen null und sechs Jahren sollen im Humanistischen Zentrum an der Mörikestraße entstehen. Foto: dpa
25 Plätze für Kinder zwischen null und sechs Jahren sollen im Humanistischen Zentrum an der Mörikestraße entstehen. Foto: dpa

S-Süd - Am Hintereingang liegen Regalbretter, Teppiche, Körbe. Andreas Henschel, der Geschäftsführer der Humanisten Baden-Württemberg, entrümpelt gerade das Untergeschoss der früheren Villa Kaulla und jetzigen Geschäftsstelle der freikirchlichen Vereinigung in der Mörikestraße. Seit Jahren werden die Räume nur noch als Abstellkammern genutzt und Henschels Räumaktion ist das sichtbare Zeichen der positiven Wendung im langen Verfahrensstreits zwischen den Humanisten und der Stadt um die Bewilligung einer Kindertageseinrichtung in eben diesen Räumen der Villa.

„Jetzt sind wir in der Ausführungsplanung – also zum Beispiel bei der Frage, wie viele Steckdosen wohin kommen. Im September können wir vielleicht die Ausschreibung machen und im November die Vergabe. Dann könnte zum Jahreswechsel Baubeginn sein und die Kita zum Schuljahr 2013/14 öffnen“, skizziert Henschel den Zeitplan und weist darauf hin, dass der Startschuss somit zwei Jahre später erfolgt als geplant. Seit September 2011 sollte eigentlich Kindergeplapper das Untergeschoss der Villa und den Garten beleben.

Ohne Zuschüsse keine Kita

Anfang 2007 hatte er den ersten Antrag für eine Betreuungseinrichtung für Null- bis Sechsjährige gestellt. Auf Anraten des Jugendamtes hatte er den Antrag geändert, denn nur noch Einrichtungen für Null-bis Dreijährige fielen damals unter die städtische Förderung. „Wir haben uns natürlich gefragt, was passiert, wenn ein Kind vier Jahre alt geworden ist.“ Aber wie jeder freie Träger sind auch die Humanisten auf den städtischen Zuschuss für den Kita-Betrieb angewiesen. Deshalb wurde das Konzept geändert. Drei Jahre hat es daraufhin gedauert, bis im September 2010 die Zusage für den Investitionszuschuss in Höhe von 342 000 Euro und die Förderung der laufenden Betriebskosten erfolgte.

„Wir haben dann im November den Antrag an das Baurechtsamt gestellt. Ohne die Zusage für die Zuschüsse konnten wir ja nicht weitermachen“, berichtet Henschel. Doch im Juli 2011 kam das vorläufige Ende für die Kita-Pläne. „Ohne mit uns vorher über mögliche Änderungen zu reden, kam der Ablehnungsbescheid“, ärgert sich der Geschäftsführer. Hauptgrund sei der Brandschutz gewesen, später habe ein Sachverständiger diese Einwände entkräftet. Ausdauernde Verhandlungen folgten. Ein Vierteljahr später stellten die Humanisten erneut einen Bauantrag. Dieser wurde jetzt genehmigt, mit einer zehn Seiten umfassenden Nachforderungsliste. Darin wird beispielsweise der Einbau einer behindertengerechten Toilette für Erwachsene verlangt. Eine Forderung, die öffentliche Gebäude erfüllen müssen.

Die Umbaukosten der alten Villa sind massiv gestiegen

Verboten wurde unter anderem das Absenken der Fensterbrüstungen bis auf den Fußboden. Die Fenster wären so als zusätzlicher Fluchtweg nach draußen tauglich gewesen und in die düsteren Räume wäre mehr Tageslicht gedrungen. Helligkeit muss jetzt mit einem Beleuchtungskonzept künstlich erzeugt werden. Auch die Planung der Raumaufteilung musste das Architekturbüro überarbeiten. Das Denkmalamt hat Einspruch gegen geplante Durchbrüche erhoben, und alle vorhandenen weißen Wandfliesen müssen durch eine Verkleidung vor Beschädigungen geschützt werden.

1993 hatten die Humanisten die Villa von der Stadt gekauft. Die hatte sie als Außenstelle des Gesundheitsamtes genutzt, und die neuen Besitzer haben sie nach denkmalschützerischen Gesichtspunkten saniert. Für die Kita investieren die Humanisten erneut in die frühere Bankiersvilla. „Die Umbaukosten für die Kita haben sich von vorher 460 000 Euro auf jetzt 570 00 Euro gesteigert“, sagt Henschel. „Wer die Differenz von 110 00 Euro bezahlt, ist noch nicht klar“, sagt er und betont, „wir lassen nicht von unserem Projekt ab. Eventuell werden wir den Bau der Außenanlagen verschieben, und die Kinder gehen eben auf den öffentlichen Spielplatz.“

„Die Einrichtung soll ja wachsen“

Die freikirchliche Vereinigung ist mit einem Eigenanteil von 150 000 Euro am Bau von zwei Gruppen-und Ruheräumen, einer Küche, einem Spielflur, kindgerechten Sanitäranlagen und einem Büro beteiligt. Für die Außenanlagen mit Spielhaus, Holzdeck, Sandkasten und Rutsche werden weitere 125 000 Euro veranschlagt. Inzwischen ist auch der ursprüngliche Plan einer Kita für Null- bis Sechsjährige wieder aktuell. „Kurz nach der erfolgten Baugenehmigung fragte das Jugendamt an, ob wir die Betreuung nicht bis sechs Jahre ausbauen wollen“, schmunzelt Henschel.

Damit wird es in den beiden vorgesehenen Gruppen Platz für 15 Null-bis Dreijährige und zehn Plätze für die älteren Kinder geben. „Wir nehmen mehr jüngere Kinder auf, denn die Einrichtung soll ja wachsen“, erklärt Henschel. Für den ursprünglich vorgesehenen Start des Kita-Betriebs im Herbst 2011 hatte es bereits ein gutes Jahr zuvor 20 interessierte Eltern gegeben.

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