Kleinkunstpreis Baden-Württemberg Einem Mann widerfahren Tragödien

Von Michael Werner 

Wobei – und das ist der Trick – Roland Baischs preiswürdigste Eigenschaft vielleicht gerade darin besteht, eben nicht bloß Kasperle zu sein: Er hat beispielsweise vor ein paar Jahren ein Lied namens „Luxusfrau“ geschrieben, das lustig ist, okay, aber daneben ist es umwerfend klug, und es beschreibt beiläufig tiefgründig ein paar der entscheidenden Tragödien, die einem Mann so widerfahren können: „Du bist eine Luxusfrau / und ich bin eine arme Sau.“ Oder er hat, anderes Beispiel, vor ein paar Jahren mal „Wichita Lineman“ aufgenommen, einen anrührenden Countrysong, den Jimmy Webb Ende der Sechziger geschrieben hat, und an dessen stimmiger Interpretation sich diverse Granden des Pop und des Country gleichermaßen versucht haben. Eine der besten Versionen stammt von Roland Baisch, obwohl er nie als Telefon­elektriker gearbeitet hat, sondern bloß mal in einer Sitcom einen Vater spielte, während seine Schauspielerkollegen dauernd mit ihren Managern telefonierten.

Auch Roland Baischs Melancholie kommt immer höchst unterhaltsam daher: „Ich würde mir manchmal wünschen, ich wäre ein Spezialist und könnte Eines, und das richtig, bekennt der Mann, der die­ Baden-Württembergische Kleinkunstpreis-Jury gerade mit seiner „künstlerischen Bandbreite“ überzeugt hat. Von all seinen Instrumenten, erzählt er, spiele er das Saxofon am Besten. Aber das kommt in seinen Programmen praktisch nie vor. Dafür umso mehr Gitarre: „Da übe ich viel. Da bin ich nicht so genial.“

Die erste eigene Gruppe war das Scherbentheater

Roland Baisch, der auch mal Gagschreiber bei Harald Schmidt war, als der noch als Ikone der ironischen Abendunterhaltung galt, der aber diesen Job nicht lange behielt, ist gut darin, den Showbusiness-Traum von der richtigen Zeit am richtigen Ort für sich selbst zu interpretieren: „Ich war dabei, als die Dinge passiert sind, aber ich hab mich immer davon ferngehalten, weil ich dachte, da gehöre ich nicht hin.“

Als Baisch jung war, trampte er zum Extremclown Jango Edwards nach Amsterdam und gründete bald darauf seine erste eigene Gruppe, das Scherbentheater. Dann machte er dies und das. „Ehrgeizige Menschen sind mir zuwider“, sagt er auch Jahrzehnte später. Trotzdem will er jetzt noch mal durchstarten, mit Haltung, aber ohne sich zu wichtig zu nehmen. Die Alternative: „Ich war schon kurz davor, alles hinzuschmeißen. Dann hätt ich mich wahrscheinlich in ein Häusle in der Bretagne zurückgezogen. Aber dort wäre ich nicht glücklich. Dann ich merke immer mehr, dass ich glücklich auf der Bühne bin.“