Kleinkunstpreis Baden-Württemberg Der große Spaß des Roland Baisch

Von Michael Werner 

Der Korntaler Entertainer Roland Baisch erhält in dieser Woche den Kleinkunstpreis Baden-Württemberg. Der Comedian, Musiker und Schauspieler will sich aber weiterhin nicht zu wichtig nehmen.

Entertainer, Autor und Schauspieler: Roland Baisch Foto: Agentur
Entertainer, Autor und Schauspieler: Roland Baisch Foto: Agentur

Stuttgart - Die Uhr von Roland Baisch zeigt um elf Uhr vormittags fünfe am Nachmittag an, aber das macht nichts, sagt er: „Ich kann das Zifferblatt ohne Brille ohnehin nicht erkennen.“ Darauf kommt es ihm auch gar nicht an. Er findet eher, dass eine ordentliche Uhr das einzig zulässige Schmuckstück eines Mannes sei.

Roland Baisch tickt ein bisschen anders als andere, immer schon. Mitte der neunziger Jahre bewohnte er mit acht anderen Darstellern der „Comedy Factory“ auf Pro Sieben ein Haus zum Lustigsein, und eine Menge BMW-Mietwagen standen bereit.

„Damals waren Sie ja ein richtiger Star.“

„Ja.“

„Jetzt nicht mehr so sehr.“

„Nee.“

Nach dem Ende der „Comedy Factory“, die damals sehr gefeiert wurde aber trotzdem nur eine vorübergehende Erscheinung der deutschen Fernsehlandschaft blieb, hatte Roland Baisch „keine Lust mehr, mich mit dummen Redakteuren rumzuschlagen und denen zu erzählen, was lustig ist.“ Er sagt: „Das sind meistens zwanzigjährige Mädchen, die gerade ein Praktikum machen, und die meistens noch einen reichen und bekannten Vater haben.“ Er gründete bald darauf ein Jazz­orchester, das sich nie rechnen konnte.

Der Korntaler posiert vor einem Bodybuilder-Poster

Derzeit macht er alles Mögliche. Er spielt zum Beispiel gemeinsam mit Martin Luding das Zweipersonen-Comedystück „Männerabend“, hunderte Male, landauf, landab. Oder er tritt mit seiner Band auf und spielt als „Countryboy“ ernste, traurige Lieder, die ihm wichtig sind, beispielsweise vor vier Zuschauern im Stuttgarter Theater Rampe. „Das war eines unserer schönsten Konzerte“, sagt er. Und dass er den Cowboy im „Männerabend“ nicht so souverän spielen könnte, wenn er nicht gelegentlich als „Countryboy“ unterwegs wäre. Er ist jetzt 59. Sein Comedyprogramm heißt seit vier Jahren „Der graue Star“. Darin posiert der dünnhaarige Korntaler vor einem Bodybuilder-Poster und sagt, dass er eine „Einzelhaarentnahme“ durchführen habe lassen: „Das tut unglaublich weh – sieht aber arschgut aus.“

Jetzt bekommt er den Baden-Württembergischen Kleinkunstpreis: Den goldenen Lorbeer hat er auf seine Website hieven lassen. Und weil dieser Kleinkunstpreis gerne mal an aufstrebende Nachwuchskräfte verliehen wird, trat er neulich auch mal beim „Comedy-King“-Wettbewerb im Stuttgarter Cue Club auf. „Nur Zwanzigjährige, viele mit Migrationshintergrund“ waren da, erzählt er, und dass ihm das gefallen habe: „Ich hänge lieber mit Jungen rum, als mit so frustrierten Kabarettisten, die von ihrem Häusle erzählen.“

Die Leute brauchten einen Moment, bis sie lachten

Jedenfalls begrüßte er dann die jungen Spaßsucher folgendermaßen: „Ich freue mich, dass ich hier sein darf, bei so vielen jungen Menschen und Türken.“ Die Leute brauchten einen Moment, bis sie lachten, aber dann lachten sie sehr, und Roland Baisch, der den Wettbewerb am Schluss gewonnen hat, feixte: „Die 500 Mark kann ich gut gebrauchen – meine Kinder wollen studieren.“ Dann machte er sich über Eckart von Hirschhausen lustig, den promovierten Medizinkabarettisten.

Wenn man sich mit Roland Baisch unterhält, plaudert er ganz ungeniert aus, dass er sich nicht zu schade ist, auch mal für 150 Euro bei einer Geburtstagsfeier aufzutreten. Und Eckart von Hirschhausen findet er einfach „unglaublich langweilig“, was auf eine Art belegt, dass Roland Baisch seinen Job oder seine Jobs schon sehr ernst nimmt: „Wir sind Kasperle“, sagt er, „und wenn die Kasperle plötzlich anfangen, zu erklären, wie die Welt funktioniert, dann ist die Welt verloren!“