Kleinkunstwettbewerb im Renitenz Stuttgarter Besen verliehen

Die Preisträgerinnen des Stuttgarter Besen 2026: Das Duo BlöZinger, AnnPhie Fritz, Romeo Kaltenbrunner, Fabian Lampert (von links) Foto: SWR/Patricia Neligan

Zum 29. Mal ist im Renitenztheater mit dem Stuttgarter Besen einer der wichtigsten Kleinkunstpreise verliehen worden. Wer hat sich die Trophäen geholt?

Lokales: Matthias Ring (mri)

Der seit 1998 veranstaltete Stuttgarter Besen ist immer wieder eine Bestandsaufnahme, was sich aktuell so tut. In der 29. Ausgabe im Renitenztheater, die vom SWR trotz Sparmaßnahmen weiterhin mitproduziert und aufgezeichnet wird, reicht das Spektrum von Haltungskabarett über Alltagscomedy bis hin zu Musikbespaßung. Bei allen Unterschieden aber lassen sich doch allgemeingültige Kriterien ansetzen, so der Jurypräsident Mathias Richling auf die Frage von Moderator Florian Schroeder, ob die Entscheidung für die besten drei der acht 15-Minüter Ergebnis einer „Basisdemokratie oder Schreckensherrschaft“ sei. „Die Form ist wichtiger als der Inhalt“, so der Großmeister des Kabaretts, schließlich könne man auch einen idiotischen Text perfekt darstellen.

 

In der Bedeutung harmlos, aber in der Form vollendet

Ob sich die fünfköpfige Jury dabei immer einig war? Zumindest beim zweiten Preis des mit insgesamt 8200 Euro dotierten Wettbewerbs kann man den Eindruck gewinnen, dass die Botschaft deutlich schwerer wiegt als deren Darbietung. Bei den Performances der beiden musikalischen Acts war es eher umgekehrt: in ihrer Bedeutung harmlos, aber in gewisser Hinsicht formvollendet. Der fränkische Liedermacher Mago Masin, der sich schon vor dem härtesten Publikum Deutschlands in Wacken beweisen musste, singt mit Verve über den Aufstand von Buddhas im Baumarkt oder knutschende Schwarzfahrer im Zug. Marie Diot aus dem hohen Norden interpretiert „unwahrscheinliche Hits“ übers Angeln oder verschiedene Mühlen, dies aber im Duo mit derart einnehmend gespielter Helge-Schneider-Naivität, dass auch die Zuhörer und Mitmacher in Stuttgart ihre „Schmissigkeit aus sich herausholen“ müssen.

Johannes Floehr Foto: Daniel Dittus

Der „gebürtige Wahl-Hamburger“ Johannes Floehr reiht seine Wortspiele in „Französisch für alle“ („français allez“) so schnell aneinander, dass er nicht ohne Ablesen auskommt. Luisa Charlotte Schulz hat ein anderes Problem. Als an der Ernst-Busch-Schule ausgebildete Diplom-Schauspielerin könne sie drei Stunden Shakespeare rezitieren. Aber auf der Straße erkennt man sie nur als „die Alte aus der Ariel-Werbung“, die sagt: „Alles super sauber, auch bei 30 Grad!“ Trotz ihres burschikosen Ruhrpott-Charmes zeigt sie durchaus feministische Züge: als Frau mit 34, bei der es aber langsam mal Zeit wird für Kinder, derweil der Typ mit Kippe und Bierchen aufmunternd danebensteht: „Wir schaffen das!“

AnnPhie Fritz gewinnt den silbernen Besen. Foto: Renitenztheater

Bei der vielfach akademisch gebildeten Österreicherin AnnPhie Fritz wirkt die Anti-Haltung in einer überwiegend männlichen „Arschlochifizierung unserer Gesellschaft“ zwar geistreicher, aber auch angestrengter. Ihr „Problem im Stadtbild: zu wenig Fahrradwege, zu wenig Grünflächen“ – was mit dem silbernen Besen anerkannt wird. Vielleicht auch, weil es der politischste und einzig „richtige“ Kabarettbeitrag des Abends ist. Den dritten Platz holt der Comedian Fabian Lampert, den Mathias Richling in der Kurzbegründung zitiert: „Wenn man über seine Schwächen lachen kann, ist man in einer besseren Welt.“ Der Wahl-Kölner thematisiert seine Probleme mit Allergien, Asthma, Apnoe – und seinen Tag als „C & A“, gemeint ist CEO, an der Kasse bei Norma.

Gewinner des goldenen Besen: Romeo Kaltenbrunner Foto: Isabella Aust

Der Oberösterreicher Romeo Kaltenbrunner skizziert seine Alltagsnöte lässiger, beiläufiger und trotzdem zeitgemäßer. Vom Alltagsrassismus beim Vorstellungsgespräch – „wo kommen Sie denn her? Sie schauen mich so gemischt an“ – bis hin zur „Selbsthilfegruppe der Habsburger“ auf dem Spielplatz mit Kindern wie Leopold, Ferdinand und Adelheid im Gegensatz zu Dustin, Emre und Sanella im anderen Viertel, wo es deutlich rauer zugeht. Dafür gibt es zu Recht den goldenen Besen.

Mit dem Publikumspreis geht noch eine Auszeichnung nach Österreich – an BlöZinger, wie sich Robert Blöchl und Roland Penzinger seit mehr als zwanzig Jahren zusammen nennen. Der Werkzeugkasten der vielfach geehrten Erfinder des „KopfKinoKabaretts“ ist so groß, dass man sich bei ihnen selbst nach viereinhalb Stunden Stuttgarter Besen noch ein komplettes Abendprogramm vorstellen kann.

Der Stuttgarter Besen im Fernsehen

Sendetermine
Der SWR strahlt den Wettbewerb am 5. April um 22.45 Uhr aus. Die Gewinner sind am 5. und 12. Mai jeweils um 20.30 Uhr zu sehen.

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