Kleinod in Böblingen Hängepartie verlängert
Böblingen kauft 2020 ein altes Gebäude, um es zu erhalten. Dass die Stadt auch Jahre später noch kein Konzept dafür hat, grenzt an einen Skandal, meint unser Redakteur.
Böblingen kauft 2020 ein altes Gebäude, um es zu erhalten. Dass die Stadt auch Jahre später noch kein Konzept dafür hat, grenzt an einen Skandal, meint unser Redakteur.
Die Untere Gasse in Böblingen ist eine der wenigen in der Stadt, die noch einen Rest Altstadt-Flair verströmen. Unterhalb des Neuen Rathauses lugt hier und da noch Fachwerk hervor, Kopfsteinpflaster säumt den Weg. Als die Stadt vor sechs Jahren die Gelegenheit hatte, die historische Gebäudezeile mit der Nummer 7 und 9 zu erwerben, schlug sie kurzerhand zu. Sie wollte einen Teil der steingewordenen Geschichte Böblingens bewahren. Gut so.
Schließlich sind geschichtsträchtige Gebäude in Böblingen rar gesät. Und es ist im allgemeinen Interesse, die wenigen Kleinode zu erhalten und herauszuputzen. Nur: Seit dem Kauf dämmert das Gebäude vor sich hin. Zwar prüfte die Stadt schon 2022 erfolgreich die Machbarkeit eines Museums in der Gasse, beließ es aber bisher dabei. Denn: Bevor nicht das (ebenfalls längst überfällige) Konzept für eine Neuaufstellung der städtischen Museen das Licht der Welt erblickt, ergibt eine teure Renovierung wenig Sinn.
Das nun vorgebrachte Argument der klammen Kassen mag zum jetzigen Zeitpunkt stichhaltig sein. Vor vier Jahren aber war der Stadtsäckel noch prall gefüllt. Und die Hängepartie bei den Museen geht bald in ihr viertes Jahrzehnt: Bei dem Thema drückt der Schuh seit den 1990er Jahren. Dabei liegen sogar ausgereifte Vorschläge auf dem Tisch: Die Gutachter Knubben und Demirag haben seinerzeit eine neue, durchdachte und zeitgemäße Museumskonzeption erarbeitet. Die ist fast in Vergessenheit geraten, schlummert sie doch auch schon wieder seit sieben Jahren zwischen den Aktendeckeln.