Kleintierzüchter in Renningen Es gackert, schnattert und kräht

Von Brunhilde Arnold 

Die Kleintierzüchter der Kreisverbände Leonberg und Calw zeigen ihre Tiere.

Hühner, Enten, Gänse, Tauben, Wachteln und Fasane. In der Rankbachhalle konnten die Besucher etliche Prachtexemplare der Geflügelzüchter bestaunen. Foto: factum/Simon Granville
Hühner, Enten, Gänse, Tauben, Wachteln und Fasane. In der Rankbachhalle konnten die Besucher etliche Prachtexemplare der Geflügelzüchter bestaunen. Foto: factum/Simon Granville

Renningen - Dort wo sonst Sport getrieben oder gefeiert wird, krähte, schnatterte und gackerte es lautstark. Schon im Foyer der Rankbachhalle war der etwas andere Geräuschpegel zu hören. Und beim Betreten der Halle nahm man zuerst den typischen Geruch von Heu und Stroh wahr. Die Kleintierzüchter hatten am Wochenende zur Kreisschau eingeladen. Mit dabei waren auch eine Ziergeflügelschau und eine Modena-Rassetaubenschau. Mehr als 900 Tiere wurden von ihren Züchtern präsentiert.

Der Kreisverband Leonberg rund um die Vorsitzende Nadine Ferbach aus Weil der Stadt hatte die große Veranstaltung organisiert und mit vielen Helfern in tagelanger Arbeit aufgebaut. Mit von der Partie war bereits zum zweiten Mal der Kreisverband Calw. Die beiden Kleintierzüchterverbände haben sich mit ihren Kreisschauen zusammengetan. Schon im Jahr zuvor gab es eine gemeinsame Veranstaltung in Schömberg.

Für Nadine Ferbach, die den Leonberger Kreisverband mit rund 1000 Mitgliedern in 18 Vereinen seit vier Jahren vertritt, ist die große Zahl der Teilnehmer bei der Schau in Renningen, darunter die Jugendlichen mit rund 100 Tieren, ein Beleg dafür, dass diese Zusammenarbeit der beiden Kreisverbände von den Züchtern befürwortet wird.

„Die Chemie stimmt“

Auch Klaus Kaufhold, der Vorsitzende des Calwer Kreisverbandes mit 430 Mitgliedern in 12 Vereinen, zeigte sich zufrieden. „Die Chemie zwischen den beiden Verbänden stimmt einfach“, sagte er. Die dritte gemeinsame Schau sei schon in Planung. Die Haltungsbedingungen für Geflügel würden immer schwieriger, in Wohngebieten dürfe oft kein Hahn gehalten werden. Vereine mit einer eigenen Zuchtanlage seien da im Vorteil. Auch gebe es immer weniger Jugendliche, die am Hobby Kleintierzucht Spaß hätten, so Klaus Kaufhold.

Schon bei der deutschen Meisterschaft im Kanin-Hop, die im vergangenen Juni in der Rankbachhalle ausgetragen wurde, war sie begeistert von den Tieren, sagte Sabine Kurtz, die in ihrer eigenen Familie ebenfalls Erfahrungen mit Kaninchen gemacht hat. Die Leonberger Landtagsabgeordnete und Landtagsvizepräsidentin lobte die Kleintierzüchter: „Sie erhalten viele seltene Tierarten und achten darauf, dass keine aussterben“, sage sie an die Adresse der Vereinsvertreter. Dass der Kreisverband Leonberg sogar eine wachsende Mitgliederzahl habe, zeige, „dass Sie irgendetwas richtig machen“, fügte sie hinzu. Sabine Kurtz nannte Biodiversität als ein großes, wichtiges Stichwort und erinnerte an die Diskussion um die Initiative zum Erhalt der Wildbienen.

Gefährdete Rassen erhalten

Im Landkreis Böblingen versuche man, alte Apfelsorten anzubauen, auch wenn der Handel diese nicht so schätze, so die CDU-Politikerin. Nadine Ferbach dankte der Abgeordneten. Fördergelder seien sehr wichtig für die Arbeit der Vereine, deren Ziel es sei, gefährdete Rassen zu erhalten. Neben Sabine Kurtz sprachen auch Vertreter der Landesverbände der Rassekaninchen- und der Rassegeflügelzüchter Grußworte.

In der Halle konnten die Besucher etliche Prachtexemplare der Züchterbemühungen bestaunen. Das lautstarke Geflügel machte zuerst auf sich aufmerksam: Hühner, Enten, Gänse, Tauben, Wachteln und Fasane. Das reichte von den kleinen schwarzen Antwerpener Bartzwergen über die großen braun-schwarzen Vorwerkhühner und die schwarz-weiß gemusterten Amrocks bis hin zu hochbeinigen Malaien, besonders eifrige Kräher. Am lautesten aber machten sich die großen amerikanischen Leghorn-Hühner bemerkbar. Und natürlich die großen Gänse.

Kaninchen machen keinen Mucks

Keinen Mucks gaben hingegen die zahlreichen Kaninchen von sich – kleine, samtig weiche Zwergwidder etwa, plüschige Angoras oder große schwarze Wiener und die über sechs Kilogramm schweren Deutschen Widder mit ihren Schlappohren. Fachleute hatten all die Tiere bereits am Vortag begutachtet und Punkte verteilt. Zahlreiche Züchter erhielten Preise. Auch die Frauen von der Handarbeits- und Kreativ-Gruppe beteiligten sich mit ihren Arbeiten am Wettbewerb.

Angelika Hüls aus Münchingen, die die Gruppe des Kreisverbands Leonberg leitet, war am Stand mit einer Jacke aus dem Fell von 30 Kaninchen der Rasse Thüringer vertreten. „Für unter 1000 Euro verkaufe ich die nicht“, sagte sie. Allein das Gerben des Fells koste pro Stück schon acht Euro. Wenn Tiere getötet werden müssten, bemühe man sich aus Respekt vor dem Tier, dieses ganz zu verwerten, sagte Nadine Ferbach, die selbst seit 13 Jahren Rassekaninchen züchtet. Das Fleisch sei hervorragend zum Essen geeignet, die Felle würden nach Möglichkeit verarbeitet.