Klescherei in Filderstadt-Plattenhardt Für alle, die im Homeoffice keine Ruhe finden

Normalerweise läuft die Klescherei von Rainer Klesch blendend, seit Corona zahlt er aber monatlich  drauf. Foto: Caroline Holowiecki
Normalerweise läuft die Klescherei von Rainer Klesch blendend, seit Corona zahlt er aber monatlich drauf. Foto: Caroline Holowiecki

Der Caterer Rainer Klesch aus Filderstadt, der zurzeit von der Coronapandemie ausgebremst wird, versucht sein Glück mit einem anderen Geschäftsmodell. Er bietet Homeoffice-Plätze an. Ähnliche Angebote zeigen: Der Bedarf ist da.

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Plattenhardt - Die farbenfrohen Kissen sind aufgeschüttelt, künstliche Blümchen stehen auf den Tischen, die bunten Leuchten tauchen den urigen Fachwerk-Raum in ein gemütliches Licht. Die Klescherei ist hergerichtet, als kämen gleich Gäste durch die Tür. Doch die Eventlocation in Filderstadt-Plattenhardt ist geschlossen. Seit dem Ausbruch der Pandemie hat Rainer Klesch, der Inhaber, keine Geburtstage, keine Jahrgangstreffen, keine Firmenfeiern und keine Hochzeiten mehr ausgerichtet.

Rainer Klesch ist der Geschäftsführer der Bäckerei Kurfess und Caterer. 2018 hat er im historischen Fabrikgebäude an der Uhlbergstraße seine Klescherei aufgemacht. Einst war hier ein Bierpub, das Dächle. „Als kleiner Bub habe ich hier schon meine Cola getrunken“, sagt er. An eine Kneipe erinnert nach der Renovierung wenig. Neben einer Licht- und einer Tonanlage gibt es ein DJ-Pult. 50 Leute können hier Platz nehmen, wird das Mobiliar weggeräumt, passen noch mehr rein.

Pacht und Nebenkosten laufen trotzdem weiter

Das kommt an. „2019 war ich ausgebucht. 2020 hat auch gut angefangen, aber jäh nachgelassen“, sagt Rainer Klesch. Pacht und Nebenkosten laufen trotzdem weiter. Der 40-Jährige spricht von einem vierstelligen Betrag jeden Monat. Auch sein Catering-Geschäft sei komplett runtergefahren. „Das Einzige, wo noch Geld verdient ist, ist der Außer-Haus-Mittagstisch in der Bäckerei“, sagt er.

Rainer Klesch will das Potenzial seiner Räumlichkeiten nun anders nutzen. Er vermietet seine Klescherei als Büro auf Zeit, etwa an jene, die im Homeoffice keine Ruhe finden. WLAN und Drucker gebe es vor Ort, zudem eine Kaffeemaschine, gekühlte Getränke, und nach Bedarf werde ein Mittagessen geliefert. Maximal zwei Personen können im Haupt- und einem Nebenraum stunden-, tage- oder wochenweise unterkommen, erklärt er. Er glaubt an eine Win-win-Situation. „Es ist schade, wenn alles leer steht. Aber es ist auch eine Möglichkeit, dass wenigstens ein bisschen Geld reinkommt.“

Große Nachfrage nach Plätzen in der Filharmonie

Auch anderswo werden Berufstätigen Homeoffice-Auszeiten in verwaisten Räumen offeriert. Die Stadtverwaltung Filderstadt hat beispielsweise Anfang März drei komplett ausgestattete Arbeitsinseln in der Filharmonie als Büros auf Zeit verlost. „Die Rückmeldungen auf diese Verlosungsaktion haben uns selber überrascht. Sie kamen in einer Vielzahl und waren so positiv, dass wir prompt auch eine Geschenkaktion zu Ostern initiiert haben“, erklärt die Geschäftsführerin Helene Sonntag.

Zudem habe man das Angebot ausgebaut, so dass die Arbeitsinseln während des anhaltenden Lockdowns weiter angemietet werden können. Bis Ende April sei das schon mehr als 60-mal genutzt worden. Potenzial für Rainer Kleschs Geschäftsidee ist also da. Er wünscht sich, dass in seine Klescherei ebenfalls wieder Leben kommt, „auch, um im Gespräch zu bleiben und nicht vergessen zu werden“, sagt Klesch.




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