Klettern im Waldseilgarten Wie Tarzan von Baum zu Baum

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Im Waldseilgarten können vor allem Familien Natur in luftiger Höhe erleben. Mehr als feste Schuhe und eine ordentliche Portion Mut ist für dieses Vergnügen nicht nötig.

Hoch hinaus geht es im Waldseilgarten Herrenberg. Foto: factum/Weise 8 Bilder
Hoch hinaus geht es im Waldseilgarten Herrenberg. Foto: factum/Weise

Herrenberg - So schnell kann es gehen. Eben noch hat sich Elly souverän von Seil-U zu Seil-U gehangelt. Dann ist ihr Fuß abgerutscht. Nun hängt sie da in fünf Metern Höhe über dem Waldboden an ihren Sicherungsleinen – mehrere Seile vor ihrer Brust hindern sie am Weiterklettern.

Nicht weiter schlimm. „Du musst ein Stück zurück!“, hilft ihre Freundin Martha vom Podest an der nächsten Buche aus. Elly sammelt einen Moment Kraft und guckt sich die Bescherung an. Dann rafft sie sich auf und hangelt sich an den Seilen so weit zurück, dass sie wieder in den Parcours einsteigen kann. „Boah, das ist echt nur was für starke Nerven!“, schnauft sie drüben angekommen, hörbar auch stolz, und hängt die beiden Karabiner, die sie während des Kletterns sichern, einen nach dem anderen in das Sicherungsseil an der Plattform um, erst den kleinen, dann den großen mit den Rollen – und immer nur mit einer Hand.

Nach einem Trockentraining kann es losgehen

So haben Elly, ihre Freundin und ihre Eltern das gelernt. Erst haben sie in einer kleinen Gruppe alle gemeinsam die eierförmigen Helme angepasst und dann die Gurte angelegt. Allein wäre ein Anfänger mit den vielen Seilen, Haken und Ösen überfordert, aber mithilfe von Lara, die die Einweisung übernimmt, geht es, und eine Viertelstunde später sitzt die Ausrüstung wie eine Hose mit Trägern. Noch ein bisschen Trockentraining an einem Miniparcours, und schon kann es losgehen.

Sieben Parcours bietet der Waldseilgarten Herrenberg, den der studierte Förster Jens Hornikel und sein Kompagnon, der Sozialpädagoge Andreas Feil, vor acht Jahren im Schönbuch eröffnet haben. Für die Kleinsten ab drei Jahren geht es in sicherer Höhe über zehn verschiedene Abschnitte mit Holzelementen, Seilen und wackeligen Brücken. Und je älter die Kinder, desto höher dürfen sie hinaus, und desto schwieriger werden die Aufgaben – um ab 14 Jahren schließlich auch in die schwierigsten Parcours zu dürfen und nicht zu vergessen: den gesicherten Sprung aus 13 Metern Höhe machen zu dürfen.

Als Krönung kommt am Schluss der Flying Fox

Am Boden ist immer ein besonders ausgebildeter Mitarbeiter in der Nähe, der den Kletterern beisteht, wenn sie Mut oder Kraft verlassen und der den Gast notfalls auch herunterholen kann. „Das geht jederzeit und an jedem Ort“, sagt Betreiber Hornikel. Es sei aber nur sehr selten nötig. „Wir coachen die Leute rüber“, sagt er.

Und das stimmt. Beruhigend redet Retter Manuel, der junge Mann am Boden, Mut zu und gibt Tipps, wie man kräfteschonend ans andere Ende kommt, wenn man sich verheddert hat oder sich mittendrin den schwankenden Holzelementen nicht mehr gewachsen fühlt. Mit Manuel geht es, und drüben erwartet einen dann das gute Gefühl, dass man eine persönliche Grenze überwunden hat.

Elly und Martha sind derweil schon mit einem der Väter zu ihrem Lieblingsparcours weitergezogen: dem Flying Fox. Hier geht es nicht ums Klettern. Hier wird hinübergerutscht. Einfach auf dem Podest in luftiger Höhe in die Hocke gehen und abstoßen. Nach hinten lehnen, die Bauchmuskeln anspannen und mit den Beinen ein wenig strampeln, um sich nicht zu drehen. Über einem surren die Rollen des Karabiners, die Hosenbeine flattern, und der Wald rauscht vorbei. Das ist fast wie Fliegen oder wie bei Tarzan auf alle Fälle ein ganz besonderes Erlebnis. Oder wie Elly sagt: „Das Gefühl, in der Luft zu hängen und runterzugucken, ist einfach supertoll!“

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