Kletterverbot am Ayers Rock Der rote Berg fordert wieder ein Opfer

Von Barbara Barkhausen 

Immer wieder sterben Wanderer, die den Uluru unterschätzen. Jetzt traf es einen 76-jährigen Japaner. Doch vom Herbst 2019 an wird sowieso alles anders.

Der Uluru oder Ayers Rock ist für die australischen Ureinwohner ein heiliger Berg. Foto: dpa
Der Uluru oder Ayers Rock ist für die australischen Ureinwohner ein heiliger Berg. Foto: dpa

Sydney - Der Uluru ist ein gefährlicher Ort: Der Aufstieg ist schweißtreibend und bei Regen wird der Wanderweg zur gefährlichen Rutschpartie. 36 Menschen hatten ihr Leben bisher am Uluru verloren, ein japanischer Tourist wurde nun das 37. Opfer des roten Felsens im Outback von Australien.

Der 76-jährige Mann war am Dienstag gegen 16 Uhr beim Aufstieg auf halbem Wege zusammengebrochen. Andere Kletterer versuchten noch, ihn wiederzubeleben – jedoch vergeblich. Ein Hubschrauber brachte den Urlauber in die nahe gelegene Yulara-Klinik, wo Mediziner ihn nur noch für tot erklären konnten.

Dutzende Todesfälle seit den 60er Jahren

Das Besteigen des Ayers Rock, wie der Uluru auch genannt wird, ist seit 1966 möglich. Damals installierte man eine Kette, die den Weg markiert und Kletterern Halt gibt. Ein Fehler, wie man heute weiß, weil er Untrainierte ins Abenteuer lockte. Der bis dato letzte Todesfall hatte sich 2010 ereignet. Damals war ein Urlauber beim Abstieg zusammengebrochen und verstorben. Die meisten Opfer erlitten Herzinfarkte, wobei aber auch schon Kletterer abgestürzt sind. Der Aufstieg ist anstrengend und 1,6 Kilometer lang.

Der Uluru, der auch Ayers Rock genannt wird, ist etwa fünf Autostunden von der Stadt Alice Springs entfernt, mitten im heißen Zentrum Australiens gelegen. Er ist ein sogenannter Inselberg, die Spitze einer Felsformation, die unter der Erde noch kilometerweit weitergeht. Der rote Felsen ist nicht nur eines der Wahrzeichen Australiens, sondern auch ein Heiligtum des lokalen Anangu-Volkes. Mehr als 250 000 Touristen nehmen jedes Jahr lange Reisen auf sich, um in das abgelegene Gebiet zu kommen. Mehr als 30 000 klettern dann auch tatsächlich nach oben.

„Kein Spielplatz oder Freizeitpark wie Disneyland“

Der Tod des Urlaubers kommt etwas über ein Jahr, bevor das Heiligtum ohnehin nicht mehr bestiegen werden darf. Ein Gremium aus acht Ureinwohnern und drei Repräsentanten der Nationalparkbehörde begründete das Verbot im November 2017 damit, dass der Uluru „kein Spielplatz oder Freizeitpark wie Disneyland“ sei. Schon jetzt bitten Informationstafeln darum, aus Rücksichtnahme auf die Ureinwohner den Uluru nur zu umwandern, nicht aber zu besteigen.

Neben den Todesfällen hat es auf dem Inselberg, der seit 1987 Unesco-Weltkulturerbe ist, auch immer wieder Entgleisungen von Wanderern gegeben, deren Benehmen die Aborigines beleidigte. 2010 beispielsweise strippte eine französische Frau auf der Spitze des Berges und ließ sich im Bikini fotografieren.

Offizielle Sperrung ab Oktober 2019

Von Oktober 2019 an wird der Weg auf den Felsen offiziell gesperrt und die Kette, die den Weg markiert, entfernt. Wer dann den Uluru trotzdem noch erklettert, macht sich strafbar. Laut Medienberichten soll das Vergehen mit zwei Jahren Gefängnis oder einer Strafe in Höhe von umgerechnet 38 000 Euro geahndet werden.

Dass das Gremium das Verbot nicht sofort verhängt hat, sondern eine zweijährige Wartezeit eingeplant hat, begründet sich damit, dass die Entscheider den Urlaubern, die ihre Reise bereits gebucht hatten, den Aufstieg noch ermöglichen wollten.