Klima-Engagement So macht Konsumverzicht sogar Spaß
Klimabewusstsein heißt verzichten? Die Tipps der Aktivisten aus dem Remstal zeigen: Umdenken kann den Genuss auch fördern.
Klimabewusstsein heißt verzichten? Die Tipps der Aktivisten aus dem Remstal zeigen: Umdenken kann den Genuss auch fördern.
Waiblingen - Sich für das Klima einzusetzen wird in der öffentlichen Debatte gerne mit Verzicht und Askese gleichgesetzt. Weil aus Sicht der Skeptiker vieles wegfällt, was zum heutigen Lebensstil einfach dazugehört. Doch die Klimaschützerinnen Aimée Frank-Nikodem, Thomas Renz und Dieter Albert haben andere Erfahrungen gemacht. Hier sind ihre besten Tipps, wie man dem Klima und sich selbst etwas Gutes tun kann.
Aimée Frank-Nikodem aus Waiblingen hat vor allem bei Kleidung angefangen, den Konsum zu hinterfragen: Impulskäufe, sagt die Mutter dreier Kinder im Alter von neun, sechs und drei Jahren, gebe es tatsächlich jetzt so gut wie nicht mehr. Seit einiger Zeit schläft sie prinzipiell bei jedem Anschaffungswunsch erst noch eine Nacht über die Entscheidung. Viele Käufe hätten sich damit erledigt. Und das Geld, das sie ausgegeben hätte, sammelt sie in einem Sparschwein.
Wie viel auf diese Weise zusammenkommt, erstaunt sie auch heute noch. „Dann merkt man, dass man nämlich doch das Geld für Wünsche hat, die man bisher für unerreichbar hielt – zum Beispiel Musikunterricht.“ Durch das konsequente Hinterfragen haben sich in ihrer Familie die Prioritäten nach und nach verschoben. „Ich kaufe die beste Milch, die ich finden kann.“ Und das ist Heumilch von einem Hof aus der Nähe.
Thomas Renz aus Bittenfeld hat vor allem das Rad wiederentdeckt. Inzwischen bräuchte er kein Auto mehr, sagt er. „Das hilft nicht bloß der Umwelt, sondern vor allem gegen den eigenen Stress“. Er liebt es – genau wie Aimée Frank-Nikodem – auf dem Wochenmarkt einzukaufen. Das spart Verpackungen, wenn man genug Beutel dabeihat. Und für Thomas Renz ist es ein Genuss, der fester Bestandteil seines Lebens geworden ist.
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Dieter Albert von der Remshaldener Initiative Zusammen Zukunft gestalten hat viel von Rob Hopkins gelernt. Der Begründer der Transition-Town-Bewegung schrieb mehrere Bücher – eines davon heißt „Einfach machen“. Das inspiriere ihn bis heute, genau wie der Film „Tomorrow“. „Man braucht eine Vorstellung davon, wo die Arbeit hinführt, die man macht“, sagt Albert. Deshalb haben er und seine Mitstreiter sich auch viel Zeit genommen, darüber nachzudenken, was jedem von ihnen wichtig ist.
Albert, Renz und Frank-Nikodem sind sich einig: Der beste Schritt überhaupt sei gewesen, sich Gleichgesinnte zu suchen. Das schützt vor Klimaangst und Fatalismus. „Und es fällt nicht schwer, eine Gruppe zu finden, die zu einem passt“, sagt Albert.