InterviewKlima-Experte Karsten Smid „Selbst Texas nutzt Windkraft“

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Der Klima-Experte von Greenpeace, Karsten Smid, bleibt angesichts eines drohenden Ausstiegs der USA aus dem Pariser Klimaschutzvertrag gelassen: Den Abschied von der Kohle könne selbst Trump nicht stoppen.

Politik: Christoph Link (chl)
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Stuttgart - Seit 2000 leitet der Ingenieur Karsten Smid bei Greenpeace die Kampagnen für Klima und Energie. Den von Präsident Trump avisierten Ausstieg aus dem Klimaschutz sieht er mit Sorge, verzweifeln tut er deswegen aber nicht.

Was bedeutet es fürs Weltklima, wenn der zweitgrößte Emittent von Treibhausgasen nicht mehr mitmacht beim Klimaschutz?
Es wäre ein herber Rückschlag für den weltweiten Klimaschutz, aber nicht sein Ende. Erneuerbare Energien wachsen auch in den USA rasant, selbst republikanische Bundesstaaten wie Texas lassen sich das boomende Geschäft mit der Windenergie nicht von Trump verderben. Donald Trump kann den Niedergang der klimaschädlichen Kohle hinauszögern, aber er wird ihn nicht aufhalten können.
Stehen wir mit der Energiewende in Deutschland nicht auf verlorenem Posten?
Bei einem Rückzug Trumps würde der Erfolg der deutschen Energiewende noch wichtiger. Die Welt schaut auf den rasanten Umbau hin zu sauberen Energien aus Wind und Sonne in Deutschland. Aber zum Vorbild kann die Energiewende nur werden, wenn sie auch auf den Klimaschutz einzahlt: Deshalb muss Deutschland seinen Kohleausstieg planen, denn Klimaschutz mit Kohlestrom ist wie löschen mit Benzin.
Die Preise für fossile Energien könnten wieder sinken und den globalen Siegeszug der Erneuerbaren konterkarieren. Welchen Part muss jetzt die deutsche Politik spielen?
Deutschland muss sich in Brüssel endlich dafür einsetzen, dass Kohlendioxid einen fairen Preis bekommt. Es kann nicht sein, dass Klimaschäden durch die Verbrennung von Kohle und Öl von Millionen von Menschen getragen werden, während die Konzerne damit weiter Milliarden verdienen.
Hand aufs Herz: Wenn sich die Erderwärmung offensichtlich nicht bremsen lassen wird, müssen Staaten dann nicht auch stärker als bisher Vorsorge für den Eintritte der „Katastrophe“ treffen – also höhere Dämme gegen den ansteigenden Meeresspiegel bauen?
Die Welt ist schon mitten drin im Klimawandel und natürlich müssen wir uns auf stärkere Stürme, mehr Starkregen und anderes Extremwetter einstellen. Bei den nötigen Anpassungen stehen vor allem die Industrieländer als Hauptverursacher des Klimawandels in der Pflicht, den schwächsten und am meisten betroffenen Ländern finanziell und wirtschaftlich zu helfen. Schon heute werden mehr als doppelt so viel Menschen in Folge von klimabedingten Wetterextremen vertrieben, als von Konflikten und Kriegen.



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