Klima Temperatursturz im Jurameer

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Im Erdzeitalter des Jura ist die Wassertemperatur im Meer über dem heutigen Süddeutschland schlagartig um bis zu zehn Grad gefallen. Ein Team, an dem auch ein Stuttgarter Forscher beteiligt war, hat nun aus Fossilien die Ursache ermittelt.

Die Pelikanfuß-Schnecke ist im frühen Mitteljura ausgestorben, nachdem die Wassertemperatur schlagartig gefallen war. Das Fossil ist 3,5 Zentimeter groß. Foto: SMNS/Schweigert
Die Pelikanfuß-Schnecke ist im frühen Mitteljura ausgestorben, nachdem die Wassertemperatur schlagartig gefallen war. Das Fossil ist 3,5 Zentimeter groß. Foto: SMNS/Schweigert

Stuttgart - Es ist schon lange her, dass Süddeutschland von einem tropisch warmen Meer bedeckt war: dem Jurameer, benannt nach dem Erdzeitalter des Jura. Vor etwa 174 Millionen Jahren an der Wende vom Unter- zum Mitteljura verschwanden allerdings aus diesem Gebiet diejenigen Meerestiere, die an warmes Wasser angepasst waren. So mussten viele Muscheln, Schnecken, Belemniten (Donnerkeile), Fische, Krokodile und Fischsauriergruppen nach Süden in wärmere Gefilde ausweichen – oder sie starben aus.

Die Ursache: europaweit kühlte sich das vormals tropische Meerwasser in diesem Zeitraum in relativ kurzer Zeit um bis zu zehn Grad ab. Veröffentlicht hat dies nun ein Team um den Geowissenschaftler Christoph Korte von der Uni Kopenhagen im Fachjournal „Natur Communications“. Mit dabei ist Günter Schweigert, der sich am Stuttgarter Naturkundemuseum auf jurazeitliche Meerestiere spezialisiert hat.

Die Erde hob sich und schnitt die warme Strömung ab

Für die Untersuchungen hat Schweigert auch „Ausschussstücke“ aus seiner privaten Sammlung beigesteuert – und das aus gutem Grund: Für die Untersuchungen in Dänemark wurden die Fossilien zerlegt, um die Zusammensetzung der darin enthaltenen Sauerstoffisotope ermitteln zu können. Diese erlaubt Rückschlüsse auf die damals herrschenden Wassertemperaturen. Für die Rekonstruktion des Zeitablaufs muss man genau wissen, wann die Fossilien am Meeresgrund abgelagert wurden. Und das ist bei den Fundstellen auf der Schwäbischen Alb bekannt.

Warum aber kühlte sich das Meer in dieser Zeit so vergleichsweise schnell ab? Die Forscher vermuten, dass sich damals ein Strömungssystem änderte: Der nur einige Hundert Kilometer schmale Viking-Korridor, der etwa im heutigen Süddeutschland begann, wurde durch eine Hebung der Erdoberfläche im Gebiet der heutigen Nordsee blockiert. So wurden die nördlich davon gelegenen Gebiete von der warmen Strömung abgeschnitten. Dadurch kühlte sich die Nordhalbkugel ab – weshalb Klimaforscher von der Icehouse-Phase sprechen. Der dadurch verursachte starke Rückgang der Artenvielfalt ist in den Schichten des Jurameers dokumentiert.