Klimafreundliches Handeln Nachhaltigkeit im Alltag – so klappt’s

64 Prozent der Deutschen haben sich laut einer Umfrage vorgenommen, im Jahr 2020 mehr für Klimaschutz zu tun. Doch wo ansetzen – und was hat wirklich einen Effekt? Das erfahren Sie in unserer Bildergalerie. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Das Umweltbewusstsein der Deutschen ist zuletzt enorm gestiegen, viele Menschen haben sich für das Jahr 2020 mehr Klimaschutz vorgenommen. Doch zeigt sich dieser Vorsatz auch im Verhalten? Und worauf kann jeder Einzelne achten? Ein Überblick.

Stuttgart - Mehr tun für Umwelt- und Klimaschutz – das haben sich einer Forsa-Umfrage zufolge 64 Prozent der Deutschen für das Jahr 2020 fest vorgenommen. Doch was kann jeder Einzelne konkret beitragen?

 

Eine ganze Menge, meint Christian Arndt, Professor für Volkswirtschaftslehre an der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen. „Wir haben so viel CO2 in der Atmosphäre wie noch nie in der Menschheitsgeschichte – da kann und muss tatsächlich jeder etwas zur Minderung beitragen.“ Die Argumentation, dass das Verhaltenen eines Einzelnen oder der Deutschen insgesamt kaum einen Effekt habe, hält er für fatal, die Summe der weltweiten Emissionen ergebe sich schließlich aus jenen der Einzelnen. Er spricht von einer Vorbildfunktion, von individueller Verantwortung und von der Souveränität der Konsumenten in einer sozialen Marktwirtschaft. „Das Verhalten hat einen Effekt auf Wirtschaft und Politik.“

Um bei sich selbst die wirksamsten Handlungsbereiche zu erkennen, sei es sinnvoll, die großen Punkte in den Blick zu nehmen. So machen Heizen und Strom am individuellen CO2-Abdruck etwa 21 Prozent aus, die Mobilität rund 19 Prozent und die Ernährung 15 Prozent. Der Rest entfällt laut Umweltbundesamt auf sonstigen Konsum. Welche Verhaltensweisen welche konkreten Auswirkungen haben – und wie sich im Alltag hier der persönliche CO2-Abdruck verkleinern lässt, sehen Sie in unserer Bildergalerie und im Video.

Mehr als elf Tonnen Kohlendioxid und andere Treibhausgase verursacht jede und jeder Deutsche im Schnitt pro Jahr, zeigen Zahlen des Umweltbundesamts – mehr als doppelt so viel wie im weltweiten Mittel. Klimaneutral wäre demnach längerfristig eine Tonne pro Kopf und Jahr. Davon ist man in Deutschland weit entfernt – dabei ist Klimaschutz einem Großteil der Menschen durchaus wichtig.

„Die Ergebnisse der Forschungsgruppe Wahlen zeigen, dass die Bedeutung von Umwelt- und Klimaschutz als politisches Problem seit Mitte 2018 dramatisch zugenommen hat“, sagt der Heidelberger Sozialforscher Michael Schipperges. Laut einer aktuellen Erhebung stellen Umwelt- und Klimaschutz Anfang 2020 für 45 Prozent der Deutschen eines der zwei wichtigsten Probleme dar.

Die Einstellungen machen durchaus einen Unterschied beim Verhalten

„Einstellungen und Wertorientierungen machen neben der sozialen Lage durchaus einen Unterschied beim Verhalten“, sagt der Politologe Schipperges. So ergab eine Studie des Umweltbundesamts: Wer mehr verdient, verursacht grundsätzlich auch mehr Treibhausgasemissionen – etwa weil die Wohnung dann größer ist oder mehr gereist wird. Doch es zeigt sich dabei auch: Bei gleichem Einkommen weisen Personen mit einer umweltbewussten, postmateriellen Einstellung durchaus einen geringeren CO2-Fußabdruck auf als jene mit einer leistungs-, erfolgs- und statusorientierten Grundhaltung. Das mache sich auch beim Verhalten bemerkbar, sagt Schipperges – allerdings noch nicht ausreichend. So sei der Umsatz von Biolebensmitteln etwa im vergangenen Jahr um knapp zehn Prozent gestiegen. „Und Menschen mit einer Pro-Umwelt-Einstellung leisten beispielsweise häufiger Kompensationszahlungen für ihre Flugreisen“, so der Sozialwissenschaftler. „Routinen sind aber nur langsam zu verändern.“

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Der Sozialforscher sieht die Verantwortung aber nicht nur beim Einzelnen. „Es braucht klare politische Regelungen, auch Verbote – und vor allem sollten die Preise die ökologische Wahrheit sagen“, argumentiert er. Denn für das individuelle Handeln würden Gewohnheiten und Alltagszwänge eine große Rolle spielen. „Umweltfreundliches Verhalten muss einfacher werden, es braucht mehr Informationen und Gegenleistungen.“ Konsumverzicht gegen mehr Zeit und Entschleunigung etwa, sagt Michael Schipperges – das könne klappen.

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