Aus Photovoltaik und Geothermie soll für 1000 Menschen im Neubaugebiet die nötige Energie kommen.

Das künftige Neubaugebiet Häugern-Nord soll klimaneutral mit Wärme versorgt werden. Nach mehreren Beratungen ist der Gemeinderat jetzt den ersten Schritt in die Richtung einer neuartigen und umweltfreundlichen Energieversorgung für ein ganzes Quartier gegangen. Für rund 177  000 Euro lässt die Stadt von der Terra Consulting aus Kirchheim unter Teck eine Machbarkeitsstudie dazu erstellen.

 

Auf den gut zehn Hektar Fläche im Neubaugebiet Häugern-Nord, für das die Stadt gerade an einem Bebauungsplan arbeitet, sollen künftig rund 370 Wohneinheiten Platz für rund tausend Menschen bieten. Das sollen sowohl Ein- als auch Mehrfamilienhäuser sein, angedacht ist auch ein Lebensmitteldiscounter, ein Senioren-Wohnheim und eine Kindertagesstätte. All diese Häuser müssen mit Wärme versorgt werden.

Möglichst wenig Emissionen

Zur Diskussion steht jetzt ein Nahwärmenetz für das gesamte neue Wohnquartier mit dem Ziel, möglichst wenig Emissionen zu erzeugen. Kernelemente sind zum einen Photovoltaikanlagen (PV) auf allen Dächern, die inzwischen bei Neubauten gesetzlich vorgeschrieben sind, und Wärmepumpen. Letztere werden mit dem Strom der PV-Anlagen betrieben und beziehen die Wärme aus dem Erdreich. Übertragen wird die Wärme in einem Wasserkreislauf. Peter Schäfer von Terra Consulting erklärte, dass diese Sektorenkopplung von Wärme und Strom in Nahwärmenetzen zwar technisch einfach, bisher hierzulande aber noch sehr neu sei. „Wir verbinden, PV, Wärmepumpen ein Stromnetz und Batterien als Zwischenspeicher konzeptionell miteinander“, beschrieb er die Funktionsweise eines solchen Netzes, das in einem Quartier wirtschaftlich nur Sinn mache, wenn sich alle Bauherrschaften anschließen. Dies soll möglichst über entsprechende Kaufverträge für die Baugrundstücke erreicht werden, sagte der Bürgermeister Christian Walter.

Weil die Stadt das Nahwärmenetz nicht selbst betreiben will, muss über ein Ausschreibungsverfahren ein Energiedienstleister gefunden werden. Doch bis es soweit ist, wird nun zunächst das Planungsbüro ein Konzept erstellen, wie ein solche Wärmeversorgung im Häugern aussehen kann. Schon bis Weihnachten wollen die Planer erste Entwürfe dafür vorstellen.

Sorgen wegen möglichen Klagen gegen das Neubaugebiet

Bis zum Jahresende soll dem Gemeinderat auch der Bebauungsplan vorgelegt werden, kündigte der Bürgermeister an. Stadtrat Hans Dieter Scheerer (FDP) fragte, was denn mit möglichen angedrohten Klagen gegen das Neubaugebiet sei. Es sei zwar eine Klage angedroht, „aber ob die kommt wissen wir nicht – auch nicht gegen was geklagt werden soll“, antwortete der Bürgermeister. Stadträtin Sabine Holmgeirsson (Bündnis 90/Grüne) sagte, sie stimme auf jeden Fall mit Nein, weil eine Klage im Raum stehe, die ihrer Überzeugung nach auf jeden Fall kommen werde, oder es komme eine Umwandlungsgenehmigung vom Landratsamt (für eine Streuobstwiese) oder auch nicht. Man wisse noch nicht, wie das Baugebiet aussehen werde und man solle mit dem Beschluss noch warten. David Götz (CDU) fragte, ob es mit der Geothermie-Technik nicht Probleme mit dem Merklinger Ried geben könnte. Der Planer Schäfer erklärte, dass man mit den Sonden für die Wärmepumpen nicht in wasserführende Schichten, sondern nur ins Erdreich ginge.

Für die aufwendigen Planungen eines solchen Wärmekonzepts werden rund eine halbe Million an Kosten angesetzt. Der Stadt liegt allerdings bereits ein Förderbescheid der BAFA in Höhe von 50 Prozent vor. Die Machbarkeitsstudie, die jetzt in Auftrag gegeben wurde, ist nur der erste Schritt in Richtung Nahwärmeversorgung, weitere bis hin zur Ausschreibung eines Dienstleisters, der dann die konkrete Umsetzung übernimmt, müssen noch folgen. Doch über diese will der Gemeinderat gesondert entscheiden.