Seit einer Woche treffen sich die Unterhändler bei Paris auf dem Weltklimagipfel hinter verschlossenen Türen, nun geht die Konferenz in die entscheidende Verhandlungswoche. Zeit für den UN-Chef, die Unterhändler an ihre Verantwortung zu erinnern.

Paris - Beim Weltklimagipfel hat die heiße Verhandlungsphase begonnen: Bis Ende der Woche sollen Minister aus mehr als 190 Staaten die Knackpunkte des geplanten globalen Klimapakts lösen, um die gefährliche Überhitzung des Planeten zu bremsen. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon erinnerte die Unterhändler noch einmal in dramatischen Worten an ihre Verantwortung. „Die Uhr tickt vor der Klimakatastrophe“, sagte Ban am Tagungsort Le Bourget bei Paris.

Der seit Jahren vorbereitete Weltklimavertrag soll den Ausstoß von Treibhausgasen begrenzen und milliardenschwere Hilfen für ärmere Länder festschreiben. Am Samstag hatten Fachleute einen 48 Seiten starken Entwurf vorgelegt, in dem aber die wichtigsten Fragen noch offen sind. Nun geht es auf politischer Ebene weiter. Für Deutschland verhandelt Umweltministerin Barbara Hendricks, für die USA Außenminister John Kerry.

Indien: Reiche Länder haben Konto überzogen

Mit dem anvisierten Vertrag sollen sich erstmals alle Staaten zum Klimaschutz verpflichten - anders als im Kyoto-Protokoll von 1997, das nur Industrieländern die Verminderung ihrer Klimagase vorschrieb. UN-Chef Ban mahnte, die Industrieländer müssten trotzdem weiter eine Führungsrolle einnehmen. Die Entwicklungsländer sollten entsprechend ihrer Möglichkeiten mehr Verantwortung übernehmen.

Am Sonntagabend hatte der indische Umweltminister Prakash Javadekar die Industrieländer zu weitreichenden Zusagen und Opfern für den Klimaschutz gedrängt. Die reichen Länder hätten ihr Konto bei der Verschmutzung der Atmosphäre überzogen, und Indien setze sich dafür ein, dass sie ihre Schulden zurückzahlten, erklärte der Minister.

Ban sagte, unter dem Strich erwarte die Welt mehr als halbherzige Maßnahmen: „Sie fordert ein transformatives Abkommen. Ihre Arbeit hier in dieser Woche kann dazu beitragen, Armut auszulöschen, eine Revolution der sauberen Energie auszulösen sowie Chancen und Hoffnung für morgen.“

Ban setzt sich für Überwachung der Zusagen ein

Ban setzte sich für eine Überwachung der Zusagen einzelner Länder im Rahmen des Abkommens ein. Er erinnerte erneut an die dramatischen Folgen des Klimawandels etwa in den pazifischen Inselstaaten, die mit steigenden Wasserpegeln unbewohnbar werden könnten. Ein junges Mädchen aus Kiribati habe ihn gefragt, was die Vereinten Nationen für sie tun könnten, sagte Ban. „Was wird aus uns werden?“, habe sie gefragt.

Im Rahmen des Abkommens sollen ärmere Länder sowohl Hilfe für den Klimaschutz bekommen als auch für die Bewältigung der bereits spürbaren Folgen der globalen Erwärmung. Dazu erwarten die Entwicklungsländer Milliardenzusagen der reicheren Staaten.

UN-Klimachefin Christiana Figueres forderte ein Abkommen, das „die Verletztlichsten schützt und alle Kräfte menschlicher Erfindungskraft für allgemeinen Wohlstand freisetzt“. Sie selbst könne nachts nicht schlafen bei der Vorstellung, dass künftige Generationen fragen: „Was habt ihr getan?“ Dieselbe Frage werde auch den Ministern gestellt werden. „Hoffentlich werden wir alle aufrecht stehen und sagen können, dass wir alles getan haben, was nötig war.“

Das geplante Abkommen soll 2020 in Kraft treten und sicherstellen, dass sich die Erde - gemessen an den Werten vor der Industrialisierung - nicht um mehr als zwei Grad aufheizt. Dieser Wert wird von Wissenschaftlern als gerade noch ausreichend gesehen, um die schlimmsten Folgen des Klimawandels wie katastrophale Stürme, Dürren und Überschwemmungen zu begrenzen.

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