Klimakonzept in Herrenberg Wie kühlt man eine Stadt?

Mit dem Klimawandel heizen sich besonders die Städte mit ihren versiegelten Flächen auf. Herrenberg sucht Rezepte dagegen. Foto: Sandra Schumacher

Der Herrenberger Rat beschließt ein Konzept, das die Auswirkungen des Klimawandels erträglicher machen soll.

Böblingen : Ulrich Stolte (uls)

Vielleicht ist es eine Plattitüde, aber den Klimawandel spüren die Menschen am meisten dort, wo sie leben: In den Städten und Gemeinden.

 

Um dem zu begegnen hat, der Herrenberger Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung beschlossen, ein Anpassungskonzept zum Klimawandel erarbeiten zu lassen. Damit reagiert die Stadt auf die Folgen zunehmender klimatischer Veränderungen und setzt einen klaren Handlungsrahmen für die kommenden Jahre.

Beim Konzept plant die Stabsstelle Klima- und Umweltschutz nicht alleine, sondern greift auf das Knowhow des Büros „faktorgruen“ aus Freiburg zurück. Hauptsächlich geht es in dem Konzept darum, das Gesundheitsrisiko durch die Hitze zu verringern und die Stadt gegen Unwetter und Überschwemmungen zu wappnen.

Bundesgesetz sticht auf kommunale Ebene durch

Dieses Anpassungskonzept ist nicht allein aus der Verantwortung der Stadt Herrenberg für das Klima heraus entstanden, sondern die Bundesregierung hat dafür den Anlass gegeben.

Das neue Konzept soll die Folgen des Klimawandels für Herrenberg abildern. Foto: IMAGO/Wolfilser

Am 1. Juli des vergangenen Jahres ist das so genannte Bundes-Klimaanpassungsgesetz in Kraft getreten, das Ende Dezember 2023 veröffentlicht worden war. Mit diesem Gesetz wurde die Klimaanpassung bundesweit verpflichtend. Für das zweite Quartal dieses Jahres solle die Gesetzgebung auf Landesebene umgesetzt werden, berichtet die Verwaltung der Stadt Herrenberg, die erwartet, dass große Kreisstädte wie Herrenberg künftig verpflichtet werden, ein entsprechendes Konzept vorzulegen.

Das Konzept kostet knapp 44 000 Euro

Mit dem nun gestarteten Prozess kommt die Stadt dieser Anforderung frühzeitig nach. Finanzielle Unterstützung erhält Herrenberg durch das Förderprogramm „Klimopass“ der L-Bank. Bereits im Dezember hat die Stadtverwaltung eine Förderzusage erhalten, nach der 65 Prozent der förderfähigen Kosten übernommen werden. Die Gesamtkosten für das Herrenberger Konzept belaufen sich auf rund 43 700 Euro, wovon das Land Baden-Württemberg etwa 28 400 Euro trägt.

„Das Ziel der Klimaanpassung als Kernmaßnahme des Klimafahrplans ist es, die unvermeidbaren Folgen des Klimawandels zu bewältigen“, sagt Anna-Lena Lutz, Umweltbeauftragte der Stabsstelle Klima- und Umweltschutz in Herrenberg. Es wird ungefähr ein Jahr dauern, bis das Klimaanpassungskonzept erarbeitet ist, schätzt die Verwaltung.

Dabei sollen bestehende Planungen überprüft und Lücken identifiziert werden. Insbesondere geht es darum, asphaltierte oder zubetonierte Flächen zu finden, die entsiegelt werden können. Die entsiegelten Flächen sollen helfen, die Stadt zu kühlen. Außerdem nehmen sie bei Unwetter Wasser auf, das sonst die Kanalisation zum überlaufen bringen könnte.

Strategisches Gesamtkonzept

Beim Thema Kosten kritisierte Eva Schäfer-Weber von der Frauenliste indirekt, dass die Stadt ein Planungsbüro mit ins Boot genommen hatte: „Die Leute, die wir bereits eingestellt haben, sollten eigentlich diese Expertise mitbringen“, sagte sie.

„Während der Klimafahrplan darauf abzielt, die Ursachen des Klimawandels durch nachhaltige Maßnahmen zu bekämpfen, definiert die Klimaanpassungsstrategie einen klaren Handlungsrahmen, um die Resilienz der Stadt gegenüber den bereits spürbaren klimatischen Veränderungen zu stärken“, erklärte Kevin Possehl, Leiter der Stabsstelle Klima- und Umweltschutz. Dabei gehe es nicht nur um Einzelmaßnahmen, sondern um ein strategisches Gesamtkonzept, das kontinuierlich weiterentwickelt wird.

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