Verkehr ist in Esslingen ein großes Thema: Um den engen Raum streiten sich Autos, Busse, Lkw, Transporter, Fahrräder und Fußgänger. Foto: Roberto Bulgrin
Esslingens Klimapolitik droht zu scheitern. Das hat auch damit zu tun, dass zwischen Absichtserklärungen und Ausführungen Welten liegen, meint Johannes M. Fischer in seinem Kommentar.
Johannes M. Fischer
13.07.2025 - 16:00 Uhr
Global gesehen ist es fast egal, ob Esslingen seine Klimaziele erreicht oder nicht. Einer stattlichen Anzahl von Esslingern ist es möglicherweise auch nicht ganz so wichtig, ob die Stadt ihre Klimaziele 2030, 2040 oder 2050 erreicht. Aber einmal angenommen, die Mehrzahl der Esslinger wollen, was die Stadt will und der Gemeinderat beschlossen hat: Dann steht ihnen womöglich eine herbe Enttäuschung bevor.
Im Hintergrund der Bemühungen steht das weltweite Klimaabkommen. Der weltweite Temperaturanstieg soll auf 1,5 Grad Celsius im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter beschränkt werden. Um ihren Beitrag zu dazu zu leisten, will die Stadt Esslingen bis 2024 klimaneutral sein.
Immer mehr Fahrräder drängen auf die Straße. Und immer häufiger werfen sich Fahrradfahrer und Autofahrer gegenseitig vor, die Verkehrsregeln nicht zu beachten beziehungsweise rücksichtslos zu fahren. Foto: Roberto Bulgrin
Das Problem, das allerdings nicht nur Esslingen, sondern viele Kommunen haben: Die Leitung ist zu lang. Die Leitung zwischen Absichtserklärung und Umsetzung. Dazwischen liegen Unmengen an beschriebenem Papier oder besser gesagt Dateien, in denen sich verschiedene Konzepte und Unterkonzepte und Unterunterkonzepte breit machen. In ihrer Wortwahl sind die Papiere oftmals redundant, komplette Absätze machen den Eindruck, von einem Dokument in das andere kopiert worden zu sein. Zahlreiche Passagen sind so allgemein und damit nichtssagend gehalten, dass es die Bits nicht wert sind, die benötigt werden, um die Dateien up- und downzuloaden.
Auch wenn dies wenig zuversichtlich klingt: Ein Ausweg aus dieser Lage ist nicht in Sicht. Die Art und Weise des „modernen“ Arbeitens, ein Projektmanagement in der Endlosschleife, eine Bürokratie, die sich in einem ewigen Labyrinth aus Paragrafen, Verordnungen und Gerichtsurteilen verirrt hat, eine Behörde, die vor allem darauf achtet, keine Fehler zu machen, die in einem Rechtsstreit münden könnten – all das stimmt nicht optimistisch.
Mut zum Handeln: Esslingen braucht klare Klimastrategie
Gleichwohl ist eine Lösung möglich. Es braucht dazu aber einen ersten Schritt, eine neue Maxime, mit der auch eine Stadt wie Esslingen gleich morgen anfangen könnte: Habe den Mut zu handeln. Und sollte das Ziel nicht erreichbar sein oder womöglich auch nicht mehr als wichtig genug empfunden wird: Denn wäre empfehlenswert, das offen auszusprechen.