Klimakrise Kippt der Regenwald

Abgeholzter Regenwald im Amazonasgebiet Foto: imago/Joerg Boethling

Klimawandel und Abholzung bedrohen das Ökosystem am Amazonas so stark, dass es sich grundlegend verändern könnte. Doch noch bleibt Zeit, gegenzusteuern.

Anfang Dezember wurde auf der Weltklimakonferenz in Dubai die bisher größte Studie zu möglichen Kipppunkten beim Klima vorgestellt. Darin haben mehr als 200 Wissenschaftler aus 24 Ländern das derzeitige Wissen zu grundlegenden und schlagartigen Veränderungen zusammengetragen, die verschiedene Ökosysteme der Welt im Zuge des Klimawandels bereits heute oder in Zukunft betreffen könnten. Bei den insgesamt 26 Systemen, welche die Forschenden als mögliche Kipppunkte identifiziert haben, sind neben kleineren, regionalen Biotopen auch großflächige Schwergewichte, darunter die Eiskappen der Pole, die Korallenriffe, verschiedene Meeresströmungen sowie die tropischen Regenwälder.

 

Hier ist vor allem das Amazonasgebiet betroffen. Zu den durch den Klimawandel bedingten steigenden Temperaturen, welche die Bäume unter zunehmenden Stress setzen, kommt vor allem in Brasilien auch noch die fortschreitende Entwaldung hinzu. Sie hat gleich einen doppelten Effekt: Durch Brandrodung werden große Mengen Kohlendioxid freigesetzt, was die Erwärmung der Erde zusätzlich anheizt. Zudem verdunstet durch den Verlust der vielen Bäume weniger Wasser – das dann nicht mehr als Regen fallen kann. Dieser Teufelskreis zeigt sich schon jetzt vor allem am südlichen Rand des Beckens.

Vom Regenwald zur Savanne

So heißt es in dem Kipppunkte-Bericht, dass „Analysen, die auf frühen Warnsignalen aufbauen, darauf hinweisen, dass mehr als 75 Prozent des Amazonasbeckens seit den frühen 2000er Jahren die ökologische Resilienz verloren haben“. Diese Widerstandskraft aber ist essenziell, wenn der Wald unter den weiter steigenden Temperaturen so lange wie möglich überleben soll.

Somit steigt auch die Gefahr, dass der Amazonas-Regenwald zumindest teilweise umkippt. Wenn immer mehr Bäume wegen Hitze und zunehmend häufigerer und längerer Dürreperioden eingehen, ändert sich der Wald dauerhaft. „Wird ein Schwellenwert überschritten, können sich große Teile des Regenwaldes in Savannen verwandeln“, warnt Boris Sakschweski, der am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung in der Arbeitsgruppe Ökosysteme im Wandel forscht. „Das hätte dramatische Auswirkungen auf das globale Klima und die Biodiversität zur Folge.“

Noch aber ist es nicht so weit. Neben den weltweiten Bemühungen, die Aufheizung der Erde zu bremsen, kommt am Amazonas einem Stopp der Entwaldung die größte Bedeutung zu. Zudem sollten abgeholzte oder verbrannte Flächen wiederaufgeforstet werden. Dieser sekundäre Regenwald ist ökologisch zwar nicht so wertvoll wie der ursprüngliche Wald, er kann aber die Widerstandsfähigkeit des gesamten Ökosystems stärken. Das schließt auch eine angemessene Landnutzung nicht aus – es müssten nur ökologisch angepasste Agroforstsysteme sein.

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