Klimaneutral bis 2032? So viel Abgase verursacht der Filderstädter Verkehr
Der OB bleibt dabei: Bis 2032 soll Filderstadt klimaneutral sein. Wie haben sich die Emissionen in der Stadt eigentlich entwickelt?
Der OB bleibt dabei: Bis 2032 soll Filderstadt klimaneutral sein. Wie haben sich die Emissionen in der Stadt eigentlich entwickelt?
Die Jahre 2020 bis 2022 waren durchaus besonders. Erst ging Corona los, Anfang 2022 startete Russland seinen Angriffskrieg gegen die Ukraine. Das hat vieles auf den Kopf gestellt, unter anderem im Bereich Energie und Klima. Kaum Flugreisen, weniger Autofahrten, dafür mehr Stromverbrauch daheim durch Homeoffice und Co., später deutliche Sparmaßnahmen durch die Energiekrise. Entsprechend sind die Zahlen mit Vorsicht zu genießen, die der Klimaneutralitätsmanager Jonas Schaube jüngst im Filderstädter Verwaltungsausschuss vorgelegt hat. In seiner aktuellen Energie- und Treibhausgasbilanzierung werden eben diese drei Jahre beleuchtet, und „es ist ganz klar eine Krisenbilanz“. Regelmäßig werden in Filderstadt Zahlen von Energieversorgern, Schornsteinfegern oder Bundes- und Landesbehörden zusammengetragen, um rückblickend zu schauen, wo die Stadt in Sachen Klimaschutz steht. Die letzte Bilanz beleuchtete die Jahre 2016 bis 2019, und im Vergleich dazu ist klar, dass 2020 bis 2022 die Treibhausgas-Ausstöße merklich gesunken sind.
Das merkt man vor allem bei den Abgasen, die der Verkehr in der Stadt verursacht hat. Die Emissionen sind zwischen 2016 und 2019 von knapp über 170 000 auf über 178 000 Tonnen gestiegen. Dann kam der Corona-Knick, und in den Jahren 2020 und 2021 war man plötzlich nur noch bei jeweils rund 122 000 Tonnen. 2022 stiegen die Emissionen wieder auf mehr als 148 000 Tonnen. Hierzu muss man wissen, dass die Klimabilanz von Filderstadt in der Tendenz schlechter ausfällt als die vergleichbarer Kommunen, da ein Großteil der Emissionen des Airports der Stadt zugerechnet werden, ebenso ein Teil der B 27. Der Verkehr ist denn auch in Filderstadt für die meisten Treibhausgase verantwortlich – noch vor den privaten Haushalten oder der Industrie. Eine Gesamtzahl zum Vergleich: 2022 lag der Gesamt-Ausstoß in Sachen Treibhausgase in Filderstadt bei nahezu 371 000 Tonnen. Private Haushalte haben davon 104 000 Tonnen verursacht. Kommunale Einrichtungen waren indes mit 5300 Tonnen fast schon zu vernachlässigen.
Schaut man sich gerade im Privaten den Endenergieverbrauch nach Energieträgern an, fällt auf, dass Gas nach wie vor hoch im Kurs steht, aber auch „Heizöl spielt bei den privaten Haushalten immer noch eine große Rolle“, sagte Jonas Schaube. Beispiel 2022: 137 000 Megawattstunden wurden in Filderstädter Haushalten aus fossilem Gas gewonnen, 124 000 aus Heizöl.
Erneuerbare Energien machten indes nur 28 000 Megawattstunden aus. Zwar geht in der Stadt beispielsweise der PV-Ausbau deutlich voran, doch für den Oberbürgermeister Christoph Traub ist Klimaschutz nach wie vor ein „großes Bürgerbeteiligungsprojekt“. Es gehe darum, Überzeugungsarbeit zu leisten. Von seinem ausgerufenen Ziel, in Filderstadt bis 2032 klimaneutral zu werden, will er nicht abrücken, „um zu motivieren“. In diesem Sinne forderten die Ausschussmitglieder, die Fahne für den Klimaschutz in der Stadt weiterhin hochzuhalten, die Bürgerschaft fortwährend zu informieren, auch über Möglichkeiten des Energiesparens, aber auch eine bessere Speicherung.
Spannend wird die nächste Bilanz. Wie werden sich die Zahlen für die Nach-Corona- und -Energiekrise-Jahre entwickeln? Knallen die Verbräuche und die Ausstöße wieder hoch? „Meine Hoffnung ist, dass wir 2023 und 2024 zumindest eine Stagnation sehen“, sagte Jonas Schaube.