Klimapolitik der EU Klima-Planwirtschaft in bester Absicht – und mit drastischen Konsequenzen

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen verkündete vor fünf Jahren den Green Deal. Autoherstellern drohen hohe Strafen, wenn sie die CO2-Vorgaben überschreiten. Foto: AFP/ARIS OIKONOMOU

Die EU will keinen Wettbewerb der Technologien, sondern zielt auf das Aus für den Verbrenner. Dafür nimmt sie sogar ein Schrumpfen der Wirtschaft im Kauf. Der Preis dieser Politik ist hoch.

Automobilwirtschaft/Maschinenbau : Klaus Köster (kö)

Während der Antrieb eines Verbrenner-Autos aus weit über tausend Teilen besteht, ist ein E-Auto wesentlich einfacher zusammenzubauen. Doch die Hoffnung, dass das E-Auto damit für Kunden und Konzerne zum großen Gewinnbringer wird, hat sich bisher nicht erfüllt. Vor allem die immensen Kosten der Batterie bleiben eine kaum zu überwindende Hürde auf dem Weg zu vernünftigen Preisen.

 

Druck zum Wechsel Richtung E-Auto

Deshalb gehen Hersteller nun dazu über, Kunden durch deutlich steigende Verbrenner-Preise quasi zum Wechsel zu zwingen. Diese Überlegung übersieht aber, dass Fragen unschlüssiger Käufer damit noch nicht einmal angesprochen werden: Was geschieht, wenn meine Ladesäule weit entfernt oder lange belegt ist? Warum ist der Ladestrom so teuer? Und sind E-Autos wirklich klimaneutral, wie die EU suggeriert? Wer solche Zweifel hegt, wird von der Politik alleingelassen. Selbst steigende Preise für Benziner und Diesel werden aus Verbrenner-Fahrern kaum Fans der Elektromobilität machen. Wegen dieser Verunsicherung dürften viele den Autokauf komplett aufschieben.

Der einstige EU-Vizeckommissionschef Frans Timmermans gilt als der eigentliche Vater des Green Deals der EU. Foto: POOL/JOHANNA GERON

Steigende Preise für Verbrenner sind eine durchaus logische Folge der Klimapolitik der EU, die ab kommendem Jahr hohe Strafzahlungen für Hersteller vorsieht, deren Neuwagenflotte zu viel CO2 ausstößt. Für Hersteller kann sich ein Abwürgen der Verbrenner-Verkäufe sogar lohnen, weil sie die Strafen damit vermeiden oder zumindest senken können. Für die Gesellschaft als Ganzes sieht die Rechnung anders aus. Die politisch beförderte Schrumpfung der Industrie bedeutet, dass sich der Abbau Zehntausender Jobs noch beschleunigen könnte.

Kaskade schlechter Nachrichten aus der Branche

Anstatt an die Klimafreundlichkeit aller Technologien eine gemeinsame Messlatte anzulegen, will die EU den Verbrenner mit aller Macht aus dem Markt drängen und somit Investitionen in dessen weitere Verbesserung von vornherein unrentabel machen. Das gelingt so gut, dass es nun – auch wegen der Entwicklung am chinesischen Markt – zu einer selten dagewesenen Kaskade von Gewinnwarnungen und sich selbst beschleunigenden Jobabbau-Programmen kommt, selbst bei global führenden Zulieferern wie Bosch und ZF. Die Klimapolitik in Form staatlicher Investitionslenkung mag von den besten Absichten getrieben sein. Ihre sozialen Folgen aber werden zunehmend vom Schreckgespenst zur schaurigen Realität.

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