Klimaschutz im Rems-Murr-Kreis Backnang sitzt im Startblock, Waiblingen holt Gold

Aktivisten bei einem  Klima-Streik im März in Schorndorf. Foto: Gottfried Stoppel
Aktivisten bei einem Klima-Streik im März in Schorndorf. Foto: Gottfried Stoppel

Jede auf ihre Weise – so gehen die Großen Kreisstädte im Rems-Murr-Kreis das Thema Klimaschutz an. Dabei geht es um viel mehr als nur Fotovoltaikanlagen auf dem Dach.

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Rems-Murr-Kreis - Während in Weinstadt Unterschriften für einen Einwohnerantrag gesammelt werden, ist man in Schorndorf schon einen Schritt weiter. Dort hat die Bürgerinitiative Klimaentscheid Schorndorf ihren Vorstoß bereits erfolgreich durch den örtlichen Gemeinderat gebracht. „Schorndorf macht sich auf den Weg, bis 2035 klimaneutral zu werden“, teilt die Pressesprecherin Nicole Amolsch mit.

In Schorndorf werden Leitlinien erarbeitet

Nachdem das Gremium Ende März dafür votiert hat, dass ein Konzept hierzu erstellt werden soll, werden nun Leitlinien für eine klimaneutrale Stadtentwicklung erarbeitet. „Maßnahmen und Handlungsfelder sollen hierbei unter anderem die Förderung und Nutzung erneuerbarer Energien, klimaschonende Stadtplanung, nachhaltige kommunale Beschaffung und klimaschonende Verkehrsentwicklung sein“, konkretisiert Amolsch. Für die Umsetzung richte man eine neue Stabsstelle „Klimaschutz und Mobilität“ ein.

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Zudem ist man dem Klimaschutzpakt Baden-Württemberg beigetreten, was die Chance auf spezielle Förderprogramme eröffnet. Rund 400 Kommunen gehören mittlerweile dem Pakt an, darunter auch Allmersbach im Tal, Althütte, Berglen, Fellbach, Kernen, Korb, Waiblingen, Winnenden und Winterbach. Des Weiteren will sich Schorndorf am European Energy Award (EEA) beteiligen. An diesem nehmen 261 Kommunen und 50 Kreise teil, darunter Korb, Schwaikheim, Waiblingen und Weissach im Tal. Waiblingen gehörte dabei zu den EEA-Pilotkommunen. Seit 2006 macht die Stadt mit und hat sich bei der jüngsten Bewertung durch externe Auditoren ein Gold-Zertifikat verdient.

In Waiblingen spielt der Klimaschutz schon länger eine Rolle

Thema ist der Klimaschutz in Waiblingen jedoch noch länger, worauf Klaus Läpple, der Leiter der Abteilung Umwelt, hinweist. So sei die Stadt seit 1995 Mitglied im Klimabündnis europäischer Städte mit indigenen Völkern, das Klimaziele definiere. Selbst habe man sich im Stadtentwicklungsplan vorgenommen, bis 2030 den Kohlenstoffdioxidausstoß in Relation zum Jahr 2005 zu halbieren. Erreicht habe man bereits, dass die Stadtverwaltung sowie alle Tochtergesellschaften zu 100 Prozent zertifizierten Ökostrom beziehen.

Neben der Förderung regenerativer Energien bemühe sich die Stadt aber auch Energie einzusparen. „Ein sehr wichtiger Akteur im Klimaschutz sind die Stadtwerke Waiblingen“, betont Läpple. Mit der städtischen Tochter würden zahlreiche Aktivitäten hierzu unternommen wie etwa die Nutzung von Klärgas in einem eigens dafür ausgelegten Blockheizkraftwerk. Darüber hinaus biete man in der gemeinsam mit dem Kreis gegründeten Energieagentur Rems-Murr kostenlose Beratungen für Bürger zum Thema an.

In Fellbach wird demnächst ein neuer Ausschuss eingesetzt

Fellbach dagegen ist aus dem EEA wieder ausgestiegen. Stattdessen habe man vor drei Jahren das Thema Klimaschutz als Querschnittsaufgabe in allen Ämtern verankert und eine Grünstrategie erarbeitet. Für die Umsetzung habe man eigens eine zusätzliche halbe Stelle in der Verwaltung geschaffen. Mit der Strategie für die Entwicklung der grünen Infrastruktur für den Stadt- und Landschaftsraum verbinde man „Flexibilität, die neue Projekte zulässt, mit einem langfristigen Vorgehen in der Stadtplanung“, zitiert die Pressesprecherin Sabine Laartz die Oberbürgermeisterin Gabriele Zull. „Grundlage dieser Strategie ist das Bewusstsein, dass wir uns noch aktiver und vor allem kontinuierlich für den Klima- und Umweltschuss einsetzen müssen.“ Dazu soll demnächst auch ein beschließender Ausschuss für Umwelt-, Klima- und Naturschutz neu eingesetzt werden. „Die beratenen Mitglieder sollen vor der Sommerpause gewählt werden“, kündigt Laartz an.

In Winnenden gibt es bald einen Klimaneutralitätsmanager

Auch Winnenden geht seinen eigenen Weg abseits des European Energy Awards. Den Vorschlag der Verwaltung zur Teilnahme habe der Gemeinderat 2014 mehrheitlich abgelehnt, berichtet die Pressesprecherin Emely Rehberger: „Stattdessen hat man konkreten Projekten den Vorzug gegeben, wie zum Beispiel einer kommunalen Wärmplanung.“ Darum kümmern soll sich ein Klimaneutralitätsmanager, dessen Stelle in diesem Jahr neu geschaffen wird.

Von Null anfangen muss er dabei nicht. „Durch das jahrzehntelange auf- und ausgebaute Netz der Fernwärme bestehen hierfür in Winnenden sehr gute Grundlagen.“ Als Mitglied des Klimabündnisses Alianza del clima könne man durch ein gutes Energiemanagement in den vergangenen Jahrzehnten zudem eine respektable Klimaschutz-Bilanz vorweisen. Dennoch sagt der Umweltschutzbeauftragte der Stadt, Jürgen Kromer: „Für uns bleibt Klimaschutz ein Marathon, wo wir bereits einen großen Teil der Wegstrecke gelaufen sind.“ Bis 2030 will man die Pro-Kopf-Emissionen im Vergleich zum Jahr 1990 halbieren und bis 2040 als Mitglied des Klimapakts des Landes weitgehend klimaneutral werden.

In Backnang wird der Klimaschutz zur Chefsache

In Backnang sitzt man derweil gewissermaßen in den Startblöcken für ein kommunales Klimaschutzkonzept. Anfang Juli werde der Gemeinderat darüber beraten und beschließen, kündigt Reiner Gauger als Sprecher der Stadt an. Dabei wird Klimaschutz in Backnang zur Chefsache. Beim neu gewählten Oberbürgermeister Maximilian Friedrich solle das Thema künftig angesiedelt sein.




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