Klimaschutz im Remstal Fünf Bündnisse, ein Ziel
Das Remstal ist ein Hotspot beim Klimaschutz: Nirgends in Deutschland ballen sich so viele Initiativen. Ein Grund für die Initiative Klimawette, Waiblingen und Schorndorf zu besuchen.
Das Remstal ist ein Hotspot beim Klimaschutz: Nirgends in Deutschland ballen sich so viele Initiativen. Ein Grund für die Initiative Klimawette, Waiblingen und Schorndorf zu besuchen.
Waiblingen - Top – die Wette gilt. Ein ganz schön sportliches Vorhaben hat der Waiblinger Oberbürgermeister am Freitag auf dem Zeller-Platz im Beisein zahlreicher Umweltaktivisten bekannt gegeben: Andreas Hesky ging die Wette ein, dass seine Stadt bis Ende Oktober mindestens 834 Tonnen Kohlendioxid einsparen wird. Und damit ein Zeichen für die am 1. November beginnende Weltklimakonferenz im schottischen Glasgow setzt: einen Appell für eine konsequente Klimaschutzpolitik und das Ziel, die Erderwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen.
Heskys Wettpartner, Michael Bilharz vom Verein 3 fürs Klima, hat in den vergangenen Wochen schon einige Rathauschefs herausgefordert. Derzeit radelt er mit einem Lastenrad, das mit einer symbolischen Tonne Kohlendioxid beladen ist, in 100 Tagen quer durch Deutschland und macht auf der 6000-Kilometer-Tour Halt in 200 Kommunen. Dass Bilharz dem Remstal einen Besuch abstattete und sowohl in Schorndorf als in Waiblingen einen Stopp einlegte, hat damit zu tun, dass sich hier in nächster Nachbarschaft – in Schorndorf, Remshalden, Weinstadt, Kernen und Waiblingen – gleich fünf Klimabündnisse gebildet haben, die eng zusammenarbeiten und alle ein Ziel haben: Sie wollen, dass ihre Kommune bis zum Jahr 2035 klimaneutral wird.
Für das Bündnis Waiblingen klimaneutral hat Jonathan Rößler am Freitag an den Oberbürgermeister eine Liste mit Unterschriften von Waiblingerinnen und Waiblingern übergeben, die dieses Ziel unterstützen und mittels eines Einwohnerantrags erreichen wollen, dass der Gemeinderat sich mit diesem Thema in einer öffentlichen Sitzung befasst. Dafür hätte es rund 850 Unterschriften gebraucht. Zusammengekommen sind deutlich mehr, 1150.
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„Herr Oberbürgermeister, Sie haben im Gespräch mit uns zugesichert, dass Sie für unseren Antrag stimmen und dem Gemeinderat empfehlen werden, ihn anzunehmen. Wir zählen auf Sie“, sagte Willi Zierer vom Waiblinger Klimabündnis. Die Unterschriftenliste sei „ein Pfund, mit dem wir wuchern können“, antwortete Hesky – und der Beweis dafür, dass die Bürgerschaft wolle, das sich etwas tut. Im Oktober werde dem Gemeinderat Waiblingen der Einwohnerantrag vorgelegt. Zwei Erfolgsmeldungen gebe es übrigens schon jetzt: Erstens habe die Stadt nun die Stelle eines Klimamanagers besetzt und zweitens eine Beauftragte für eine klimaneutrale Stadtverwaltung verpflichtet.
Auch in Weinstadt sei man auf einem guten Weg, berichteten Vertreter des dortigen Klimabündnisses. An den Oberbürgermeister Scharmann habe man in dieser Woche 1600 Unterschriften übergeben und mit der Zahl das für einen Einwohnerantrag benötigte Quorum um das Fünffache überboten. Die Weinstädter Gruppe hofft nun, dass im Gemeinderat Ende Oktober der Beschluss zur Klimaneutralität fällt.
In Kernen sind die Aktivisten schon weiter, mussten allerdings auch keine Unterschriften sammeln, wie Thomas Jüttemann vom Verein nachhaltiges Kernen berichtete. „Wir haben viel mit den Politikern gesprochen, und im Gemeinderat Kernen ist der Beschluss schon gefallen.“ Die Bürgerinitiative Zusammen Zukunft gestalten aus Remshalden hingegen steht noch am Anfang und peilt an, bis Ende September genügend Rückhalt aus der Bürgerschaft zu haben. Die Liste liegt in einem Bauwagen aus, der in der Nachbarschaft des Rathauses steht.
Die Nase vorn haben ganz klar die Schorndorfer: Bereits im März legte dieses Klimabündnis die benötigte Zahl an Unterschriften vor, der Gemeinderat stimmte mit großer Mehrheit – mit Ausnahme der AfD-Fraktion – für das Ziel der Klimaneutralität bis 2035. Nun heißt es dran bleiben, damit die entsprechenden Maßnahmen, etwa der Ausbau der Fotovoltaik, auch wirklich umgesetzt werden. Geplant ist außerdem eine Menschenkette am 24. September sowie eine Filmreihe in Kooperation mit Kinos.
Zum Schluss zogen Michael Bilharz, Andres Hesky und Sabine Zeiner vom Bündnis Waiblingen klimaneutral noch die Boxhandschuhe über und hauten auf dem Zeller-Platz eine symbolische Tonne Kohlendioxid um. Eben diese sollte jeder Erdenbürger pro Jahr mindestens einsparen.
Mehr zum Thema unter www.waiblingen-klimaneutral.de
Was jeder für das Klima tun kann
Klimawette
Die Initiatoren wollen mit ihrer Wette erreichen, dass mindestens eine Million Menschen eine Million Tonnen Kohlendioxid bis zur nächsten Weltklimakonferenz in Glasgow im November einsparen. Schirmherr der Aktion ist Dirk Messner, der Präsident des Umweltbundesamtes. Wer teilnimmt, kann 25 Euro spenden, mit dem Geld wird ein Klimaschutzprojekt unterstützt und eine Tonne Kohlendioxid eingespart. Als weitere Option kann man mit Alltagsmaßnahmen Kohlendioxid einsparen, etwa indem man weniger Fleisch isst, öfter das Auto stehen lässt oder auf Ökostrom umsteigt. Diese Einsparungen werden über eine Webapplikation erfasst, errechnet und festgehalten, wenn man sich auf der Internetseite www.dieklimawette.de registriert hat. So kann man sehen, wie viel Emissionen man verursacht beziehungsweise einspart.
Teilnehmer
Im Landkreis machen bislang Backnang, Schorndorf, Waiblingen, Winnenden, Weinstadt, Welzheim, Murrhardt, Urbach, Oppenweiler, Weissach, Allmersbach, Althütte und Kernen bei der Klimawette mit.