Klimaschutz in BW Auch Hochhäuser kann man aus Holz bauen

Das Skaio in Heilbronn ist das höchste Holzhausgebäude in Deutschland. Foto:  

Ein wichtiges Element im Klimaschutzkonzept von Baden-Württemberg ist eine Holzbauoffensive – was verbirgt sich dahinter?

Klima/Nachhaltigkeit : Thomas Faltin (fal)

Stuttgart - Viele Punkte im neuen Bau-Klimakonzept der Landesregierung sind bisher nicht mehr als vage Absichtserklärungen – die Holzbauoffensive des Forstministeriums dagegen läuft seit mehreren Jahren und soll jetzt weiter verstärkt werden. „Am klimafreundlichen Bauen mit dem nachhaltig produzierten Rohstoff Holz führt kein Weg vorbei“, sagt Forstminister Peter Hauk (CDU).

 

Warum überhaupt nutzt Holz dem Klimaschutz? Bäume entziehen der Luft Kohlendioxid und machen daraus Glucose, also Energie – der Kohlenstoff wird dabei im Holz eingelagert. Das Thünen-Institut hat bei der Bundeswaldinventur für 2017 vorgerechnet: In der Summe leisteten Wälder und die nachhaltige Verwendung des Holzes einen positiven Klimaschutzbeitrag in Höhe von jährlich 92 Millionen Tonnen CO2-Äquivalenten. „Das entspricht in etwa elf Prozent der gesamten mittleren Treibhausgas-Emissionen in Deutschland von 2012 bis 2017“, so das Institut. Wichtig ist also: Je länger Holz genutzt wird statt es zu verbrennen, um so länger bleibt das Kohlendioxid gespeichert.

Besucherzentrum im Nationalpark besteht fast nur aus Holz

Seit dem Jahr 2011 habe das Land nun, sagt der Sprecher des Forstministeriums Jürgen Wippel, 54 große Baumaßnahmen in Holzbauweise umgesetzt. So gehe man mit gutem Beispiel voran. Zu diesen Bauten gehört etwa das neue Besucherzentrum des Nationalparks Schwarzwald am Ruhestein. Viele weitere Häuser sind in Planung oder in der Umsetzung: Dazu gehören etwa die neue Landesanstalt für Bienenkunde an der Uni Hohenheim oder das Freigängerheim der neuen Haftanstalt in Rottweil. Im aktuellen Staatshaushaltsplan seien insgesamt 17 große Bauvorhaben enthalten, davon würden sieben in Holz umgesetzt: „Das entspricht einer Holzbauquote von 41 Prozent“, betont Jürgen Wippel. Zudem plant das Land, insgesamt drei Gastprofessuren für klimagerechteres und nachhaltiges Bauen zu finanzieren. Und mit einem Wettbewerb möchte man auch Kommunen anregen, Ideen zum Holzbau zu entwickeln.

Wettkampf um höchstes Holz-Hochhaus ist in vollem Gang

Minister Hauk ist daneben überzeugt, dass der Holzbau nicht nur Vorteile beim Klimaschutz hat. So biete sich beim Holzbau die Möglichkeit, Wände oder Decken in Werkshallen seriell vorzufertigen – damit könne man Baukosten senken und den dringend benötigten Wohnraum schneller bereitstellen. Die derzeit akute Holznot in einem überhitzten Markt werde an diesem Trend nichts ändern, ist sich Peter Hauk sicher; schon jetzt zeigten sich erste Anzeichen einer weltweiten Beruhigung.

Auch private Unternehmen haben Holz längst als zentralen Baustoff entdeckt – wobei in der Praxis meist Hybrid-Häuser gebaut werden, weil Treppenhäuser samt Aufzügen schon aus Brandschutzgründen weiter in Beton ausgeführt werden. Als höchstes Holzgebäude Deutschlands gilt derzeit mit 34 Metern Höhe das Skaio in Heilbronn, dem man das Holz aber außen gar nicht ansieht. In Freiburg ist das achtgeschossige „Buggi 52“ gerade im Bau. In Pforzheim soll mit dem 40 Meter hohen Holzhochhaus „Carl“ im Herbst begonnen werden. Deutschlandweit dürfte das „Roots“ in der Hamburger Hafencity mit 65 Metern Höhe bald der nationale Spitzenreiter sein; der Bau läuft seit November letzten Jahres. Doch auch diese Höhe könnte bald getoppt werden – in Berlin gibt es Planungen für ein Wohnhochhaus mit 98 Metern. Die Fertigstellung soll aber frühestens 2026 sein.

Bei Fertighäusern, bei denen viel Holz verwendet wird, liegt der Südwesten vorne in ganz Deutschland: Im Jahr 2020 lag der Anteil der Fertighäuser an allen neuen Gebäuden bei fast 40 Prozent.

Weitere Themen

Weitere Artikel zu Klimaschutz Holz bauen Hochhaus