Stuttgarter kämpft gegen CO2-Fußabdrücke Was jeder sofort für die Erde tun kann

Von Caroline Holowiecki 

Ingo Kerkamms sieht es als seine Aufgabe an, gegen den Klimawandel zu kämpfen. Deshalb hat er sich etwas ausgedacht, das ihm und anderen hilft, den persönlichen CO2-Fußabdruck zu verkleinern. Einen Pakt, den man online mit sich selbst abschließt.

Ingo Kerkamm lädt zum Mitmachen bei seinem Freund-Klima-Pakt ein. Foto: Caroline Holowiecki
Ingo Kerkamm lädt zum Mitmachen bei seinem Freund-Klima-Pakt ein. Foto: Caroline Holowiecki

Filder - Die besten Ideen kommen einem draußen, heißt es. Bei Ingo Kerkamm war das genau so. Er fährt täglich mit dem E-Bike von Stuttgart-Rohr, wo er wohnt, nach Renningen zur Arbeit, und während er vor einiger Zeit beim Strampeln ins Grüne schaute und sich den Wind um die Nase wehen ließ, kam ihm der Geistesblitz: die Idee zum Freunde-Klima-Pakt.

Was das ist, kann man sich seit Kurzem online anschauen. In knapper Form bekommt jedermann Infos zum Thema Klimawandel – plus Handlungsvorschläge, wie er selbst mit wenigen Kniffen seine eigene CO2-Bilanz verbessern kann. Zudem wird man animiert, mit Familie und Freunden darüber zu reden. Es geht um Fleischkonsum, Flugreisen, Energie oder nachhaltigen Umgang mit Kleidung und Handys, dazu gibt’s die Infos, was die Umwelt wie stark belastet. Beispiele: Wer zwei Tage in der Woche aufs Auto verzichtet, spart laut dem Freunde-Klima-Pakt etwa 0,42 Tonnen CO2 pro Jahr. Das ist fast die Menge, die laut dem Pakt ein Hin-und-Rückflug nach Mallorca rausbläst.

Man verpflichtet sich freiwillig, auf etwas zu verzichten

Ermuntern sollen die Zahlenspiele, dass man sich freiwillig verpflichtet, ein Jahr lang auf dieses und jenes zu verzichten. Was man bleiben lassen möchte, hält man online anonym fest, „Auf diese Weise verbreitet sich die Idee schnell weiter“, sagt Kerkamm. Ein Jahr später gibt’s neue Vorschläge zum CO2-Fasten. Das alles hat laut Kerkamm vier Ziele: Man reflektiert sein eigenes Konsumverhalten, man kommt mit anderen ins Gespräch, man sieht, wie viele schon mitmachen, man bekommt ein Gemeinschaftsgefühl, und die Politiker sehen es auch. „Politiker argumentieren nämlich immer, die Leute wollten das nicht“, sagt der Ideengeber.

Ingo Kerkamm arbeitet in der Brennstoffzellen-Forschung. Nach Feierabend geben drei Mädchen im Alter von fünf, sechs und neun den Ton an. Warum er sich dennoch für sein ehrenamtliches Projekt die Nächte um die Ohren schlägt, erklärt er so: „Die Fakten sind seit 30 Jahren klar.“ Was Temperaturerhöhung und CO2 anrichteten, daran bestehe kein Zweifel. Dennoch sei es schwer, Verhaltensmuster zu durchbrechen: „Die Leute haben Angst, bestimmt zu werden.“ Deshalb bringe der erhobene Zeigefinger nichts. „Man braucht eine Gesprächsbasis“, sagt er. Diese soll der Freunde-Klima-Pakt bieten, denn die Zeit dränge. „Wir müssen versuchen, die Erde in einem stabilen Zustand zu halten und zwar schnell“, mahnt er.

Sein früherer CO2-Verbrauch war indiskutabel

Der 41-Jährige weiß wovon er spricht. Er ist promovierter Mineraloge und Geowissenschaftler, und er hat sich schon immer für Umweltschutz stark gemacht. Heute ist er Teil der großen Klimaschutzbewegung, engagiert sich für Parents for Future, dem erwachsenen Pendant der Jugendbewegung Fridays for Future, im Wissenschaftler-Bündnis Scientists for Future und im Stuttgarter Klimanotstandsbündnis. In seiner Firma, vor Parteien oder Gewerkschaften hält er Vorträge. Die Rettung der Erde ist für Ingo Kerkamm zur Lebensaufgabe geworden. so sehr, dass er nach eigenen Angaben bewusst in Teilzeit arbeitet, um Zeit für sein Engagement zu haben. Von der Idee seines Freunde-Klima-Pakts ist er überzeugt: „Man kann mit möglichst wenig Aufwand viele Leute erreichen.“ Ingo Kerkamm geht mit gutem Beispiel voran. Ins Büro fährt er mit Rad oder Bahn, die Familie bezieht Ökostrom, fährt mit dem Zug in den Urlaub und nutzt den Kleinwagen nur, wenn es nicht anders geht. „Ich bin ein verantwortungsvoller Mensch“, sagt er und meint damit: heute. Ehemals sei er auch gern und oft in den Urlaub geflogen. „Mein früherer CO2-Verbrauch war indiskutabel, aber niemand ist ohne Sünde“, sagt er. Ein jeder aber könne es schon morgen besser machen.

Mehr Infos im Internet

Weitere Infos findet man im Netz unter www.FreundeKlimaPakt.de oder unter www.scientists4future.org

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