InterviewKlimastudie der Universität Hohenheim Wüstenbegrünung – So bringt man Wasser in die Wüste

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Um Wüsten wieder zu begrünen, werden gewaltige Anstrengungen unternommen und Millionen von Bäumen gepflanzt. Forscher der Universität Hohenheim haben jetzt untersucht, wie große Plantagen dazu beitragen können, Regen in die Wüste zu bringen. Wir sprachen mit dem Projektleiter und Meteorologen Volker Wulfmeyer.

Nebelbank in der Wüste Namib an der Südwestküste Afrikas bei der Siedlung bei Aus. Foto: Matthias Bruhin & Hp.Baumeler/CC BY-SA 4.0
Nebelbank in der Wüste Namib an der Südwestküste Afrikas bei der Siedlung bei Aus. Foto: Matthias Bruhin & Hp.Baumeler/CC BY-SA 4.0

Stuttgart - Forscher der Universität Hohenheim wollen Wüstenflächen begrünen, um der Klimakrise entgegenzuwirken. „Großflächige Plantagen, zum Beispiel aus Jojoba-Pflanzen, erhöhen deutlich den Anteil an Sonnenenergie, der von der Erdoberfläche absorbiert wird“, erklärt der Erdsystemwissenschaftler Oliver Branch.

Zusammen mit dem Leiter des Instituts für Physik und Meteorologie an der Universität Hohenheim, Professor Volker Wulfmeyer, hat Branch untersucht, inwieweit großflächige Plantagen in Wüstenregionen dazu beitragen können, Kohlendioxid-Emissionen zu kompensieren.

Ihre Studie ist jetzt Wissenschaftsmagazin „Proceedings of the National Academy of Sciences“ (PNAS) veröffentlicht worden. Wir sprachen mit Professor Wulfmeyer über das Projekt und seine Anwendungsmöglichkeiten:

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Herr Wulfmeyer, wie kamen Sie und Ihr Kollege Oliver Branch auf die Idee einer Begrünung von Wüsten?

Es gibt bereits große internationale Begrünungsprojekte, die ausgerufen wurden – etwa in der Sahara und in China. Unser Ziel ist es allerdings, regional anzufangen. Bevor man riesige Projekte hochzieht, sollte man so etwas erst in kleinerem Maßstab realisieren, damit man schnell positive Wirkungen erzielt.

In der Studie sprechen sie von einer Plantage im Oman – einer der trockensten Regionen des Planeten auf der Arabischen Halbinsel –, die 100 mal 100 Quadratkilometer misst. Das sind doch schon gigantische Dimensionen.

Dies ist nur eine Computersimulation, die zum Ziel hat, die Rückkoppelungsprozesse zwischen dem Anlegen von Plantagen und den Niederschlägen zu illustrieren. Die Plantagen müssen gar nicht so groß sein, um Effekte zu erzeugen. Da reichen schon zehn mal zehn Kilometer – was immer noch eine ordentlich große Plantage wäre.

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Existieren bereits Pilotprojekte?

Noch gibt es das nirgendwo in der Realität. Aber wenn erkannt wird, dass diese Ansätze mit existierenden Wiederaufforstungsmaßnahmen koordiniert werden können, dann wird es sehr interessant.

Haben Sie Projektpartner im Blick, um diese Idee umzusetzen?

Noch nicht hundertprozentig konkret, doch es gibt großes Interesse in den Vereinigten Arabischen Emiraten und im Oman. Die Veröffentlichung der Studie könnte dazu beitragen, das Projekt zu realisieren. Bisher gibt es hierzu zwar Theorien, aber noch keine praktischen Erfahrungen.

Allerdings haben wir viele Negativbeispiele für die Abholzung der Wälder und die Folgen für das Klima, zum Beispiel die entsprechende Reduktion von Niederschlägen in diesen Gebieten. Da kommen die Menschen buchstäblich vom Regen in die Traufe, weil dadurch der Niederschlag verringert wird. Wir können nachweisen, dass dies auch umgekehrt funktioniert.

Was ist denn mit dem Projekt „Green Legacy“ in Äthiopien, wo rund vier Milliarden Bäume neu gesetzt werden?

Ich glaube nicht, dass bei dem Projekt in Äthiopien daran gedacht wird, durch eine koordinierte Bepflanzung den Niederschlag zu verstärken. Es werden eine Menge Bäume in mehreren Regionen gepflanzt, aber nicht so konzentriert, wie unsere Studie es vorschlägt.

Das ist schade, aber wir werden uns bemühen, lokale Kontakte zu nutzen, um konkrete Maßnahmen einzuleiten. Ich hoffe, dass diese neue Veröffentlichung diese Aktionen unterstützen und motivieren kann.

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 Warum ist das schade?

Man könnte mit der Bepflanzung noch viel mehr erreichen. Das wird nicht genau genug bedacht. Wir versuchen das System Erde in seiner Gesamtheit zu verstehen, um mehrere Effekte gleichzeitig zu erzielen und zu verstärken.

Dazu gehören unter anderem die Abschwächung der Klimakrise durch die Reduktion des Temperaturanstiegs über den Plantagen, die wirtschaftliche Nutzung der Pflanzen durch ihren Ertrag, die Aufwertung der Bodenqualität und die Abschwächung der Ausbreitung von Wüsten.

 Ihr Ziel ist also primär klimatologisch?

Wir streben eine Win-Win-Situation an. Wenn man es geschickt anstellt, erreicht man mehrere Ziele gleichzeitig. Wenn Äthiopien vier Milliarden Bäume pflanzt, wird sehr viel Kohlenstoff gebunden. Das ist schon mal ganz gut. Aber wenn man die Bäume weit verstreut pflanzt, kann man auf diese Weise nicht den Niederschlag verstärken.

Zudem muss man in Regionen, in denen der Grundwasserstand oder die Wasserverfügbarkeit ohnehin niedrig sind, bewässern. Das ist wenig vorteilhaft. Wir streben an zu zeigen, dass man durch konzentrierte, koordinierte Maßnahmen viele Vorteile gleichzeitig für die Menschen in der Region erzielen kann und dass wir inzwischen in der Lage sind, nicht nur schädlich, sondern auch positiv auf das Erdsystem einzuwirken.