Im Falle einer Bleiche verfärben sich die Korallen weiß, da ihre Symbiose mit einer Algenart, die die Nesseltiere mit Energie versorgt und ihnen die bunten Farben verleiht, unterbrochen wird. Die Hiobsbotschaft wurde von der Great Barrier Reef Marine Park Authority übermittelt. Die Behörde hat gemeinsam mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern des Australian Institute of Marine Science Luftaufnahmen von 300 Riffen auf mehr als zwei Dritteln des Riffs gemacht. Diese Untersuchungen würden eine „weitverbreitete Korallenbleiche im gesamten Great Barrier Reef zeigen“, schrieb die Great Barrier Reef Marine Park Authority in ihrem Statement.
Hälfte aller Riffs bereits abgestorben
Die Bleiche folgt auf ähnliche Berichte über Riffe aus der ganzen Welt, die in den vergangenen zwölf Monaten infolge der erhöhten Meerestemperaturen von Korallenbleichen getroffen wurden. Diese hohen Temperaturen seien durch den Klimawandel entstanden und durch El-Niño-Bedingungen im Pazifischen Ozean verstärkt worden, schrieb die australische Behörde.
Schätzungen zufolge sind bereits rund 50 Prozent der weltweiten Korallenriffe abgestorben – eine Zahl, die durchaus weiter zunehmen könnte. Denn die Nesseltiere brauchen neben Sonnenlicht viel sauberes, klares, salziges und warmes Wasser, das aber auch nicht zu warm sein darf. Ist die Temperatur zu hoch, kommt es zu einer Bleiche wie jetzt am Great Barrier Reef.
Schätzungen gehen davon aus, dass selbst bei einer globalen Erwärmung von 1,5 Grad Celsius über dem vorindustriellen Niveau 70 bis 90 Prozent der Korallen verschwinden werden und damit eines der artenreichsten Ökosysteme unseres Planeten.
Während Luftaufnahmen zeigen, dass die aktuelle Korallenbleiche an der australischen Ostküste weitverbreitet ist, können Schwere und Tiefe der Bleiche laut den Experten nur durch Untersuchungen im Wasser beurteilt werden. Diese sollen nun über die kommenden Wochen und Monate erfolgen, wie es vonseiten der Marine Park Authority hieß. Das Riff habe „seine Fähigkeit unter Beweis gestellt“, sich von früheren Korallenbleichen, schweren tropischen Wirbelstürmen und Ausbrüchen der invasiven Dornenkronenseesterne auch wieder erholen zu können, machten die Experten Mut. Bekannt ist jedoch, dass die Nesseltiere ganz absterben, wenn Bleichen zu lange andauern oder zu häufig wiederkehren.
Das Great Barrier Reef, das sich über rund 2300 Kilometer an der Ostküste Australiens erstreckt, besteht aus etwa 3000 einzelnen Riffen und ist die Heimat von 1500 Fischspezies und 400 Korallenarten. Eine großflächige Massenbleiche wurde am Riff erstmals 1998 beobachtet und seitdem in deutlich kürzeren Abständen in den Jahren 2002, 2016, 2017, 2020, 2022 und nun im Jahr 2024.
„Von einem ungewöhnlich kühlen Sommeranfang, gefolgt von zwei Wirbelstürmen und Überschwemmungen, bis hin zu Rekordhitzestress in dieser Woche“, zählte der australische Korallenexperte Terry Hughes die harschen Bedingungen für das Riff in diesem Jahr auf. Klima- und Menschenrechtsaktivistin Sophie McNeill wandte sich an die australische Umweltministerin Tanya Plibersek, die die Massenbleiche ebenfalls bestätigte. Sie müsse nun „dringend aufhören, neue Projekte für fossile Brennstoffe zu genehmigen“, schrieb McNeill. Australien müsse als weltweit drittgrößter Produzent für fossile Brennstoffe endlich umsatteln.
Grünes Licht für Kohleminen
Zwar hatte die aktuelle australische Regierung ehrgeizigere Klimaziele formuliert als ihre Vorgängerin: Die Emissionen sollen inzwischen bis 2030 43 Prozent unter das Niveau von 2005 gedrückt werden. Und auch die Ausgaben für das Great Barrier Reef wurden nochmals deutlich erhöht: Bis 2030 hat Canberra insgesamt 1,2 Milliarden Dollar, umgerechnet knapp 730 Millionen Euro, für den Erhalt des Riffs zugesagt. Gleichzeitig stärken aber auch die regierenden Sozialdemokraten der Gas- und Kohleindustrie im Land den Rücken und haben in den vergangenen Jahren gleich mehreren Kohleminen grünes Licht gegeben.
Das Great Barrier Reef ist seit Langem angeschlagen, rund die Hälfte der Korallen ist in den vergangenen 30 Jahren bereits eingegangen. Schuld daran sind neben dem Klimawandel, Wasserverschmutzung, Stürme und der gefräßige Dornenkronenseestern. Trotzdem gab es in der jüngeren Vergangenheit auch immer wieder positive Nachrichten. So hatte die Korallenabdeckung bei den Hartkorallen im nördlichen und im mittleren Teil des Riffs wieder zugenommen. Dies war ein Grund, warum das Riff, das seit 1981 Weltnaturerbe ist, bisher nicht auf die sogenannte Rote Liste der gefährdeten Welterbestätten gesetzt worden ist. Die Entscheidung wird von der Unesco aber noch in diesem Jahr überprüft und unter Umständen dann auch revidiert.