Klimawandel auf den Fildern Welche Pflanzen Zukunft haben

Von Götz Schultheiss 

Ananas und Bananen wird man auf den Fildern nicht pflanzen. Wer aber jetzt einen Garten anlegt, der sollte darauf achten, was in der Klimaerwärmung wächst. Maronen und Zypressen werden bald heimisch. Dafür haben Fichte, Buche, Birke und Buchs ausgedient.

Im Versuchsbetrieb der Staatsschule testet Wolfgang Henle, welche Pflanzen in Gärten harmonieren. Die Ergebnisse gibt er an Gestalter öffentlicher Anlagen weiter. Foto:  
Im Versuchsbetrieb der Staatsschule testet Wolfgang Henle, welche Pflanzen in Gärten harmonieren. Die Ergebnisse gibt er an Gestalter öffentlicher Anlagen weiter. Foto:  

Filder - Niemand wünscht sich den Klimawandel so, dass auf den Fildern Ananas wachsen. Wer vor der Herausforderung steht, einen Garten an seinem Haus anzulegen, der sollte sich schon Gedanken darüber machen, welche Pflanzen künftig im Garten gedeihen, und was durch die steigenden Temperaturen zum Tode verurteilt ist.

Rat weiß der Experte Wolfgang Henle, der Leiter der Versuchsgärten der Staatsschule für Gartenbau in Hohenheim. „In Frankreich halten Palmen schon ganzjährig im Freien durch, aber so weit kann man bei uns nicht gehen, denn wir haben eben noch Winter“, sagt Wolfgang Henle. Man muss sich an dem orientieren, was an den Südhängen der Alpen wächst, wo es große Hitze im Sommer und kalte nasse Winter gibt. Dennoch gilt: Was auf den Fildern oder im Weinbauklima des Neckartals gedeiht, wächst am Albtrauf oder am Rand des Nordschwarzwalds nicht. Man muss sich darauf einstellen, bei vielen Bäumen keine heimischen Sorten mehr zu haben. Amerikanische Eichen vom Rand der Prärie kommen mit den höheren Temperaturen besser zurecht. Klar ist auch: Fichten und Birken haben keine Zukunft mehr.

Gute Zukunft für Magnolien, Apfel- und Quittenbäume

Von Walnussbäumen, die künftig gut gedeihen, rät der Experte ab. Im Herbst gibt es viel Laub zu beseitigen, und die Bäume sind für kleine Gärten zu groß. Henle rät zu Apfel- oder Quittenbäumen und winterharten Magnolien. Ess- und Zierkastanien sind resistent gegen die Miniermotte, die normale Kastanienbäume befällt. Ginkgo-Bäume wachsen nicht an jedem Standort; wer sie pflanzen will, sollte männliche nehmen. Die Früchte der weiblichen stinken nach Buttersäure.

„Wir werden auch irgendwann von den Scheinzypressen hin zu den echten Zypressen kommen, die es am Gardasee gibt“, sagt Henle. „Für die Pinien ist das Klima bei uns noch zu kalt.“ Auch Eiben sind im Kommen, allerdings hochgiftig.

Wer für immergrüne Hecken auf den Buchsbaum gesetzt hat, der kommt in Nöte. Henle: „Buchs hat des Zünslers wegen keine Zukunft mehr in unseren Gärten, ebenso die Tuja und der Rhododendron, der viel Wasser braucht.“ Der giftige Kirschlorbeer, der sich als Hecke eignet, gedeiht gut, für den echten Lorbeer ist es noch nicht warm genug. Auch der immergrüne Wacholder besteht im Klimawandel. Naturhecken aus Wildrosen sind auf jeden Fall eine gute Lösung, allerdings sind sie im Winter nicht grün.

Wer tolle Blüten will, darf nicht aufs Gießen verzichten

Wer Farbe in seinen Garten bringen will, der ist natürlich mit Rosen gut bedient, die Hitze vertragen. Winterharte Ramblerrosen kann man dekorativ in Bäume und Sträucher hineinwachsen lassen, allerdings blühen sie nur einmal im Jahr. Mehrfachblüher sind Strauchrosen. Mit Blütenpracht überzeugen Taglilien, amerikanischer Sonnenhut, Stein- und Grasnelken, Blaukissen und Kissenphlox. Auch die Viola, das Stiefmütterchen, wird im Garten seinen Platz behalten. Dekorativ sind winterharte Distelgewächse. Auch Artischocken überzeugen als Zierpflanzen: „Sie haben supertolle Blüten.“

Der dekorative und in Bienen- und Hummelkreisen geschätzte Lavendel braucht einen deutlichen Schnitt, damit er gut gedeiht. Außerdem sind winterharte Arten der Yucca im Kommen. Ein weiteres Thema sind Ziergräser wie das dekorative Pampasgras. „Irgendwann werden wir auch die Phönixpalme soweit haben, dass sie in den Gärten wächst, im Rheintal ist sie schon zuhause“, sagt Henle. Melonen und Süßkartoffeln wachsen bereits in Heilbronn im Freiland. „Aber unsere heimische Kartoffel tut sich schwer, wenn es zu warm ist.“

Im Kommen dagegen sind die wie Birnen schmeckenden südamerikanische Yakón-Knollen aus den Anden, die auch im Hohenheimer Versuchsgarten gedeihen. „Die Klimaerwärmung wird uns zwingen, für Beregnung zu sorgen“, sagt Henle. „Technisch sind wir soweit, dass wir passgenau die richtigen Wassermengen, die direkt an die Wurzeln kommen, dazu einsetzen können. Das funktioniert wassersparender als das Gießen mit der Kanne.“

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