Das Pariser Klimaziel, die Erderwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen, ist neuen Studien zufolge kaum noch zu erreichen. Eine jetzt veröffentlichte Untersuchung zeigt, dass der Spielraum bei den CO2-Emissionen sehr viel kleiner ist als gedacht. Szenario über Gegenwart und Zukunft des Erdklimas.

Wochenend-Magazin: Markus Brauer (mb)

Die Einhaltung des 1,5-Grad-Zieles aus dem Pariser Klimaabkommen könnte noch schwieriger werden als bisher angenommen. Berechnungen mit neuen Daten und verbesserten Klimamodellen kommen zu einem besorgniserregenden Ergebnis: Um dieses ohnehin ambitionierte Ziel nicht zu verfehlen, darf die Menschheit demnach deutlich weniger Kohlendioxid (CO2) ausstoßen als noch im Sechsten Weltklimabericht der Vereinten Nationen geschätzt.

 

Bei weltweiten CO2-Emissionen auf dem Niveau von 2022 wäre diese Menge in etwa sechs Jahren  - als 2028 - bereits erreicht, schreibt eine internationale Forschungsgruppe in einer Studie um Robin Lamboll vom Imperial College London im Fachjournal „Nature Climate Change“

Prognosen von 2015 sind längst hinfällig

Klima-Demonstration vor dem Brandenburger Tor in Berlin am 25. März 2023 anlässlich des Volksentscheids "Berlin 2030 Klimaneutral". Foto: Imago/Müller-Stauffenberg

Das Pariser Klimaabkommen von 2015 zielt darauf ab, die Erderwärmung massiv einzudämmen: Eine Begrenzung der Treibhausgas-Emissionen soll dafür sorgen, den Temperaturanstieg möglichst auf 1,5 Grad Celsius über dem vorindustriellen Niveau zu begrenzen.

In den vergangenen Jahren haben Klimaforscher immer wieder anhand von Computermodellen und Berechnungen geschätzt, welche Menge an CO2 zu einer Erwärmung von maximal 1,5 Grad führen könnte. Im Sechsten Weltklimabericht der Vereinten Nationen von 2021 lag diese Schätzung bei 494 Milliarden Tonnen CO2.

Bei ihrer aktuellen Neuberechnung kamen Lamboll und seine Kollegen nun zu einer verbleibenden CO2-Menge von nur noch 247 Milliarden Tonnen CO2 - also der Hälfte der früheren Schätzung. Allerdings bezog sich im Weltklimabericht die Restmenge auf die Zeit ab Anfang 2020, während die aktuelle Studie Bezug auf die Zeit ab Anfang 2023 nimmt.

Die Erde im Jahr 2040

Wie wird die klimatologische Zukunft aussehen? Wie wird es um unseren blauen Planeten in 17 Jahren - also im Jahr 2040 - stehen? Und wie wird es der Menschheit in Zeiten des Klimawandels und der globalen Erderwärmung ergehen?

Eine jüngst veröffentliche wissenschaftliche Studie gibt Einblicke in eine Welt, in der das Leben ein ganz anderes sein könnte als heute. Die Untersuchung beschreibt eine Zukunft, in der die globale Erwärmung die Zwei-Grad-Schwelle überschritten hat. Was wären die Folgen – für Deutschland und die Welt?

Zwei Grad mehr: Was könnte das bedeuten?

Klimawandel-Baumsterben im Nationalpark Harz nahe des Brocken zwischen Torfhaus und Oderbrück. Foto: Imago/Martin Wagner

Diese Frage haben sich der Klimaforscher Taejin Park vom Ames Research Center der US-Raumfahrtbehörde Nasa und sein Team auch gestellt. „Die bei zwei Grad eintretenden Klimaveränderungen und ihre räumliche Heterogenität zu verstehen, ist wichtig, damit Entscheider entsprechende Anpassungen und Maßnahmenpläne vorbereiten können“, schreiben sie in ihrem Report „Earth’s Future. What does global land climate look like at 2°C warming?” Die Studie ist im Fachmagazin „Advancing Earth and Space Scienes” erschienen.

Für ihre Prognosen verwendeten die Wissenschaftler insgesamt 35 Klimamodelle des „Coupled Model Intercomparison Project“ (CMIP), um die Erderwärmung alternativ bei mäßigem und bei ungebremstem Klimawandel vorherzusagen. Zur Info: Das CMIP ist ein 1995 ins Leben gerufenes Netzwerk, das darauf abzielt, das Wissen über den Klimawandel zu verbessern.

Wie wird sich die globale Erwärmung auswirken?

Egal, wie man zur „Letzten Generation“ steht, das Plakat der „Klimakleber“ trifft genau den Punkt: Die Menschheit steht tatsächlich vor den entscheidenden Klima-Kipppunkten.  Foto: Imago/Sabine Gudath

Das globale Klima wird demnach die Schwelle zu zwei Grad Erderwärmung bereits in den 2040er Jahren überschreiten, prognostizieren die Nasa-Experten. Ob der Klimaschutz optimiert wird oder nicht, spielt dabei eigentlich keine große Rolle mehr.

Selbst mit einem weltweiten Bemühen wie im Pariser Klimaabkommen ratifiziert, die Erderwärmung zu begrenzen, würde die Zwei-Grad-Marke im Jahr 2042 erreicht – statt 2044. „Die globalen Lufttemperaturen über Land werden zu diesem Zeitpunkt schon um 2,33 beziehungsweise 2,79 Grad angestiegen sein“, schreiben die Forscher.

Einige Regionen werden sich schneller erwärmen als der Rest der Welt – nämlich auf eine Jahresmitteltemperatur von über drei Grad. Dazu zählen die Arktis und Antarktis, Grönland, Alaska und Nordasien. Im südlichen Asien, in Afrika und im südlichen Südamerika fällt die Erwärmung dagegen etwas moderater aus.

Mehr Hitzestress-Tage

Die für Menschen noch erträgliche Hitzegrenze wird deutlich überschreiten. Foto: Imago/Avaalon red.

Bei zwei Grad globaler Erderwärmung -regional können noch weit höhere Werte erreicht werden - werden der Mix aus Luftfeuchtigkeit und Hitze häufiger auftreten und die für Menschen noch erträgliche Grenze deutlich überschreiten. „Dies gilt besonders stark für das westliche Nordamerika mit 27 zusätzlichen Hitzestress-Tagen, Ostafrika mit 32 Tagen mehr und die Sahelzone mit 44 zusätzlichen Hitzestress-Tagen“, berichten die Wissenschaftler. In Australien und Südamerika könnte sich der Hitzestress dagegen leicht verringern.

In Mitteleuropa werden die Sommer heißer, feuchter und schwüler. Die Sonneneinstrahlung wird intensiver und länger – vor allem im Mittelmeerraum, in Nordeuropa, im Osten Nordamerikas, in weiten Teilen Afrikas sowie in der Arktis.

Regional deutlich mehr oder weniger Regen

Der Amazonas, größter Regenwald der Erde, könnte sich in eine Savanne verwandeln. Foto: Imago/Nature in Stock

Die Niederschläge werden vielerorts häufiger und heftiger. Allerdings mit großen regionalen Unterschieden: In West- und Ostafrika fallen 82 und 52 Millimeter mehr Regen pro Quadratmeter und Jahr. In Südasien erhöht sich die Niederschlagsmenge um 64 Millimeter pro Jahr – vor allem in Form von Starkregen.

Weniger Regen wird es hingegen im Südwesten Nordamerikas und im Mittelmeerraum, in Australien und im Amazonas geben. Dort wird sich die jährliche Niederschlagsmenge signifikant um 98 Millimeter pro Quadratmeter und Jahr verringern.

„Das Amazonasgebiet wird schwerere Dürren, ein höheres Feuerrisiko und gefährlichen Hitzestress erleben, wenn sich die Erde weiter erwärmt“, stellen die Klimaexperten fest. Der größte Regenwald der Erde könnte sich in eine Savanne verwandeln.

Wetterextreme verstärken sich

Die schon heute spürbaren Folgen des Klimawandels werden sich weiter verstärken (Gewítterfront am Rhein bei Düsseldorf). Foto: Imago/Olaf Döring

„Es ist offensichtlich, dass sich das Ausmaß und die Richtung der Klimaveränderungen je nach Region unterscheidet“, resümieren Taejin Park und sein Team. „Dadurch sind auch die Auswirkungen sehr unterschiedlich.“Insgesamt, so das Fazit der Wissenschaftler, würden sich die schon heute spürbaren Folgen des Klimawandels weiter verstärken.