Klimawandel Was Hobbygärtner beachten sollten
Lange Hitzeperioden, starke Regenfälle: Der Klimawandel macht sich auch in kleineren Gärten bemerkbar. Manche Pflanze dürfte es in der Zukunft schwer haben.
Lange Hitzeperioden, starke Regenfälle: Der Klimawandel macht sich auch in kleineren Gärten bemerkbar. Manche Pflanze dürfte es in der Zukunft schwer haben.
Ludwigsburg - Cornelia Häussermann spricht von „extensiven Pflanzen“. Hungerkünstler sind’s, solche, die ohne Wasser und ohne Dünger bestens auskommen und denen das Sonnenlicht als Lebenselixier genügt. Ihnen, da hat die Fachfrau aus Möglingen keine Zweifel, gehört die Zukunft. Und die, da ist sich die Gärtnerin aus dem Familienunternehmen ebenso sicher, ist nicht braun und trocken, sondern bunt und vielfältig.
Das Thema Klimawandel beschäftigt Cornelia Häussermann seit Jahren. Was kann sie ihren Kunden für die zunehmend heißen Sommer mit teils heftigen Winden, die zum Austrocknen der Böden führen, empfehlen? Kakteen etwa? Um Himmels Willen, warnt die Möglingerin. Die nehmen jeden doch nicht so trockenen Sommer ziemlich übel und strafen ihn mit einem vorzeitigen Ende. Von den Schwierigkeiten im Winter ganz zu schweigen. Nein, von einer Wüstenbepflanzung sei man in den hiesigen Breitengraden doch noch weit entfernt.
Die Hungerkünstler zeichnen sich mitunter durch ein etwas gräuliches Laub aus, das das Sonnenlicht reflektiert und verhindert, dass sich die Pflanze aufheizt und nach Wasser lechzt. Sie haben teils fleischige Blätter, in denen sie die Feuchtigkeit speichern, oder sie wurzeln tief und holen sich auf diesem Wege die Flüssigkeit aus den unteren Schichten des Erdreichs. „Es gibt eine große Bandbreite an Pflanzen“, erklärt die Expertin, und dann sprudelt es nur so aus ihr heraus. Iris seien hervorragend geeignet. „Die können eigentlich gar nicht kaputtgehen.“
Sie erinnert an den Irisgarten auf dem Killesberg, der auch nach Jahren immer noch eine Augenweide sei. Lavendel sei eine absolut extensive Pflanze. Ein häufiger Fehler: Er wird zusammen mit Rosen gepflanzt. „Das funktioniert aber nicht“, gibt Cornelia Häussermann ihr Wissen weiter. Salbei, Thymian, Disteln, Fenchel oder Oregano – allesamt nicht nur eine Augenweide, sondern sie stellten für Bienen auch einen reich gedeckten Tisch dar.
Auch für Jörg Raff, Leiter der Stadtgärtnerei Kornwestheim, ist der Klimawandel zunehmend ein Thema – zum Beispiel beim Rasen. Flächen mit kurz und akkurat geschnittenem Rasen sucht man im öffentlichen Raum mittlerweile vergebens. „Die trocknen ganz, ganz schnell ab.“ Raff müsste eine Armada von Mitarbeitern beschäftigen, die in heißen Sommern nichts anderes tun, als die Rasenflächen zu sprengen. Die Alternative: Bodendecker oder eine Wildblumenwiese. Kräuter wurzeln tiefer, kennt Raff das Geheimnis. Weil sich Mohn- oder Kornblumen auf dem Fußballplatz allerdings nicht so gut machen, kommen dort Bewässerungsanlagen zum Einsatz.
Gärtnern, betont Raff, sei immer auch ein bisschen Erziehungsarbeit. Wer seine Pflanzen jeden Abend mit Wasser verwöhne, der dürfe sich auch nicht wundern, wenn sie besonders schnell die Köpfe hängen ließen. Wohlerzogene Pflanzen wurzeln tiefer und suchen sich ihre Wasserquellen. Jörg Raff rät zudem, auf Gewächse zu setzen, die in der Region angezogen worden sind, weil sie die klimatischen Bedingungen schon kennen.
Aber nicht nur mit der richtigen Pflanzenwahl und einer strengen Erziehung können sich die Hobbygärtner für heiße Sommer wappnen, sie sollten ihren Blick auch auf den Boden richten. Jörg Raff deckt mit Mulch den Boden ab und verhindert so eine Verdunstung des Wassers. Das empfiehlt auch Cornelia Häussermann ihren Kundinnen und Kunden, rät aber vom Rindenmulch ab. Wenn er sich zersetzt, entsteht Säure, die nicht alle Pflanzen goutieren. Auch Sand helfe, die Feuchtigkeit im Boden zu halten. Und selbst Kieselsteine leisten wertvolle Dienste, sagen Raff und Häussermann. Nein, nein, keine Sorge: Die beiden Pflanzenexperten reden nicht den Schottergärten das Wort, deren Ziel es ist, jegliches Wachstum zu unterbinden. Das Mulchen mit feinem Kies, sagt Jörg Raff, biete auch Gestaltungsmöglichkeit. Und es sorge dafür, dass das Wasser nicht verdunstet, sondern im Boden bleibt.
Wer sind im Garten eigentlich die Verlierer des Klimawandels? „Die Zwielichtigen“, antwortet Cornelia Häussermann, und die intensiven Prachtstauden. Sie meint die Pflanzen für den feuchten Schatten und die, die gleichmäßig feuchten Boden benötigen, um aufzublühen. Rittersporn und Phlox tun sich schwer mit hohen Temperaturen und Trockenheit. Bei den Gehölzen sieht Cornelia Häussermann den Rhododendron auf dem Rückzug. Feigen, Lavendel oder Glanzmispel stehen parat, ihren Platz zu erobern.
„In den letzten Jahrzehnten ist das Interesse an Hungerkünstlern sehr zurückgegangen.“ So begann der Schriftsteller Franz Kafka vor 100 Jahren eine ironische Kurzgeschichte über menschliche Hungerkünstler, die bei Zirkusveranstaltungen vorgeführt wurden. Was die pflanzlichen Hungerhaken betrifft: Die sind stark im Kommen.
Am Samstag lesen Sie, wie es um die Mietgärten entlang der Eisenbahnschienen bestellt ist.
Was der Profi rät
Experte
Volker Kugel ist seit 24 Jahren Direktor des Blühenden Barocks in Ludwigsburg – begonnen hat er am 1. November 1997. Der 62-Jährige ist Baumschulgärtner und hat an der Fachhochschule im bayrischen Weihenstephan Gartenbau studiert. An dieser Stelle gibt der Gartenexperte Tipps.
Längere Trockenphasen
Nicht nur die Privatgärten sind vom Klimawandel mit tendenziell längeren Trockenphasen im Sommer und steigenden Höchsttemperaturen betroffen. Das Jahr 2021 ist hier sicherlich in unserer Region ein Jahr zum Erholen für die Natur, aber auch ohne Ausnahme.
Parks
Die großen Parkanlagen sind gleichermaßen vom Klimawandel betroffen und müssen künftig bei Neupflanzungen auf die Hitzeverträglichkeit der Pflanzen achten.
Blüba
Im Frühjahr 2020 konnte eine große Fläche neben der Cafeteria am Rosengarten unter diesem speziellen Aspekt im Blühendes Barock bepflanzt werden.
Hitzeverträglich
Neben speziellen 13 Baumarten wurden 22 verschiedene hitzeverträgliche Staudenarten und zehn verschiedene Sträucher gepflanzt. Bei den Sträuchern ist der mediterrane Rosmarin eine der Leitpflanzen, die blaublühende Perovskia gehört ebenso dazu, genauso wie die Zistrose mit gelben und rosa Blüten.
Stauden
Bei den Stauden sind die Katzenminze und Bergminze die Leitpflanzen. Verschiedene Wolfsmilchsarten und Fetthennen sowie Ziergräser wie die Rutenhirse und der Blaustrahlenhafer dürfen dabei freilich nicht fehlen.
Große Fläche
Die gesamte Pflanzung erstreckt sich über insgesamt 2000 Quadratmeter und ist nach zwei Jahren gut eingewachsen.
Testbetrieb
Die erste Bewährungsprobe mit einem Hitzesommer muss aber erst mal abgewartet werden, um zu erkennen, ob die Pflanzenauswahl richtig war.