Klimawandel in Baden-Württemberg Wird der Südwesten irgendwann zur Toskana?

Längere Dürreperioden, mehr Hitzetage: Der Klimawandel hat Auswirkungen auch für die Land- und Forstwirtschaft in Baden-Württemberg. Foto: Patrick Pleul/dpa

In Baden-Württemberg wird es durch den Klimawandel immer wärmer. Die Folgen sind schon heute spürbar – zum Beispiel in der Landwirtschaft oder beim Grundwasserspiegel. Klimaschutzmanager sollen helfen, die Wende im Land anzustoßen.

Die vergangenen, trockenen Jahre haben im Schwarzwald Spuren hinterlassen: abgestorbene oder geschwächte Bäume, lichte Kronen und massive Schäden durch Borkenkäfer. „Die Folgen des Klimawandels sind auch hier spürbar“, sagt Teresa Tewes, Klimaschutzmanagerin im Schwarzwald-Baar-Kreis. Die Bäume verlieren an Widerstandsfähigkeit, die Landwirtschaft hat Tewes zufolge mit extremeren Wetterereignissen wie Starkregen oder langen Dürreperioden zu kämpfen – in einer Region, die nicht zu den wärmsten oder trockensten im Südwesten gehört.

 

Das macht deutlich: Die Folgen der Erderwärmung machen sich überall bemerkbar – und zwar nicht erst in einigen Jahrzehnten. „Die Natur hier im Land spürt die Auswirkungen schon lange“, sagt Kai-Achim Höpker, Leiter des Kompetenzzentrums Klimawandel bei der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW). Im Vergleich zu 1881 ist es im Südwesten bereits um durchschnittlich 1,5 Grad wärmer geworden. Was die Temperaturen anbelange, könnte es hierzulande in einigen Jahrzehnten im Schnitt so warm sein wie derzeit in der Toskana, sagt Höpker.

Zahl der Hitzetage im Land hat sich innerhalb von 30 Jahren verdoppelt

Betroffen ist bereits heute auch die Landwirtschaft. Die Apfelblüte etwa kommt früher im Jahr, das birgt das Risiko von Schäden durch Spätfrost. Ernten sind wegen trockener Sommer oder häufigerer Starkregenfälle sowie durch neue Arten von Schädlingen gefährdet. Und während manche Sorten wegen des Klimas hier inzwischen besser angebaut werden können – Soja oder Kichererbsen beispielsweise –, wird es für andere wie etwa Riesling immer schwieriger.

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„Es wird nicht nur durchschnittlich wärmer, sondern vor allem auch heißer“, sagt Klimaexperte Höpker. Das bedeutet: Die Zahl der Hitzetage mit mehr als 30 Grad nimmt zu. Das zeigen auch Daten der LUBW: Während es zwischen 1961 und 1990 im landesweiten Schnitt noch fünf Hitzetage gab, waren es zwischen 1991 und 2020 bereits zehn – eine Verdopplung. Bis Ende des Jahrhunderts könnten es Berechnungen der Landesanstalt zufolge sogar bis zu 35 Hitzetage sein – sofern die Treibhausgasemissionen nicht drastisch reduziert werden. Am Oberrhein und im Rhein-Neckar-Raum wären es dann sogar noch mehr.

Der Grundwasserspiegel sinkt auch in Baden-Württemberg

Auch bei den Niederschlägen gibt es Veränderungen – mit Folgen für . Zwar wird es im Südwesten auch künftig insgesamt nicht unbedingt weniger Niederschlag geben, aber er verteilt sich anders: Laut der LUBW muss in Zukunft einerseits mit intensiveren Niederschlagereignissen gerechnet werden. Und andererseits mit weniger Regen im Sommer, dafür aber mehr Regen im Winter. Diese Verteilung ist nicht nur ein Problem für die Land- und Forstwirtschaft, sondern etwa auch für die Grundwasserspiegel. Hydrologen zufolge braucht es länger anhaltenden Landregen, damit neues Grundwasser gebildet wird.

Jüngste Satellitendaten, die unter anderem die Nasa und das Global Institute for Water Security in Kanada ausgewertet haben, zeigen noch ein anderes Problem auf: Baden-Württemberg gehört bereits heute zu den Regionen mit dem höchsten Rückgang des Grundwassers weltweit. Grund sind demnach wohl neben dem verstärkten Abpumpen von Grundwasser auch Dürren durch den Klimawandel, besonders seit 2011. Laut dem Dürremonitor des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung sind auch die Böden bis 1,80 Meter Tiefe derzeit in vielen Teilen des Landes „ungewöhnlich trocken“, entlang des Rheins und in Ostdeutschland herrscht Dürre.

Hitze hat Folgen für die Gesundheit der Menschen und die Infrastruktur

Mehr Starkregenereignisse, lange Dürre- und Hitzeperioden – diese Phänomene sind ein Problem auch für Städtebau, Infrastruktur sowie Gesundheit und Lebensstil der Menschen. Laut dem Statistischen Landesamt gab es im Rekordsommer 2018 in Baden-Württemberg fast 2000 Hitzetote – ein solcher Sommer aber wäre in Zukunft im schlimmsten Szenario nur unterdurchschnittlich heiß.

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„In Großstädten gibt es einen Hitzeinsel-Effekt“, sagt Höpker, dort könnten die Temperaturen nur durch die Bebauung bis zu zehn Grad höher liegen als in der nicht städtischen Umgebung. Und häufigere Starkregenereignisse sind eine Herausforderung nicht nur für Infrastrukturen in den Städten. Die Hochwasserkatastrophe in Ahrweiler habe deutlich gemacht, welche Folgen für Leib und Gut der Klimawandel mit sich bringe, sagt Höpker. „Es muss darum gehen, den Klimawandel zu begrenzen – ob oder inwieweit das noch gelingt, macht für die konkrete Erwärmung einen deutlichen Unterschied.“

Das Bewusstsein im Land ist da, an der Handlung aber hakt es oft noch

Laut einer Befragung der LUBW waren 90 Prozent der Kommunen im Land im Jahr 2020 von den Auswirkungen des Klimawandels bereits betroffen. Das Bewusstsein für Klimaschutz und nötige Anpassungen sei da, sagt Kai Höpker. Jetzt müsse es ans Handeln gehen.

Ändern sollen das Klimaschutzmanager und -managerinnen wie Teresa Tewes. Ihr Job ist es etwa zu prüfen, wie kommunale Liegenschaften energetisch saniert werden können oder Fuhrparks auf Elektromobilität umgestellt werden. Daneben berät Tewes Institutionen und Privatleute: Wie sieht verantwortungsvolles Bauen aus? Wie kann man erneuerbare Energien wie Fotovoltaik fördern, auch ohne Eigenheim?

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Eine große Herausforderung ist aus Tewes’ Sicht die Mobilitätswende. Nach wie vor sei der Verkehr der größte Posten in den Klimabilanzen. „Die Menschen sind noch sehr stark auf ihre privaten Pkw angewiesen, gerade auf dem Land.“ Trotz einiger Bemühungen beim Ausbau des Nahverkehrs – wie dem Ausbau des Ringzugs im südlichen Schwarzwald – seien kleine Dörfer vor allem am Wochenende oft noch abgehängt. „Aber auch das Verhalten der Menschen, deren Gewohnheiten und Bequemlichkeiten, spielt da mit rein“, sagt Tewes. „Es bleibt noch ein großes Stück Arbeit.“

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