Die Feuerwände sind gewaltig. An vielen Stellen lodern die Flammen unkontrolliert in den Himmel. Wegen der anhaltenden Waldbrände in der Sächsischen Schweiz hat die dortige Landesregierung den Katastrophenalarm ausgelöst. Auch in Brandenburg kämpfen Feuerwehren seit Tagen immer wieder gegen neue großflächige Brandherde.
Im Süden Deutschlands und damit auch in der Region Stuttgart ist die Wettersituation kaum anders. Ein ausgesprochen trockenes Frühjahr liegt hinter uns. Der Sommer verspricht statt Regen vor allem Hitze. Doch die Vermutung, dass auch rund um Stuttgart auf den Forstämtern und bei den Feuerwehren nun alle Alarmglocken klingeln müssten, bestätigt sich bei einer Rundfrage bei den Verantwortlichen nicht.
Das Grillen im Wald ist verboten
Natürlich beobachte man die Entwicklung genau, heißt es aus allen Kreisen und aus Stuttgart. Man habe frühzeitig die notwendigen Warnhinweise veröffentlicht. Wegen der Trockenheit ist jetzt fast überall das Grillen an den offiziellen Grillstellen im Wald untersagt. Geraucht werden darf im Wald ohnehin nicht in dieser Jahreszeit.
„Tatsächlich spielen Waldbrände bei uns aktuell noch keine wesentliche Rolle“, sagt etwa der Ludwigsburger Kreisbrandmeister Andy Dorroch. Das bestätigen auch seine Kollegen Daniel Anand in Stuttgart und Guido Kenner, der zum 1. August Kreisbrandmeister in Esslingen wird. Während Kenner bereits drei kleinere Waldbrände registriert hat, ist es in Ludwigsburg, Stuttgart und Böblingen jeweils nur einer gewesen.
Bisher noch vergleichsweise wenige Brände
„Bisher sind das sehr wenige Brände“, bilanziert Guido Kenner. Etwas häufiger, so berichten seine Kollegen, würden die Wehren zu Flächenbränden auf Feldern gerufen. Aber meistens handele es sich dabei um kleinere, maximal mittlere Einsätze. Auch sei die Zahl solcher Brandmeldungen nicht signifikant gestiegen. Zudem liegt der Waldbrandgefahrenindex für die Region Stuttgart aktuell im mittleren Bereich: Fast überall gilt die Gefahrenstufe drei von maximal fünf.
Das könnte sich, sagt der Böblinger Kreisbrandmeister Guido Plischek, aber bei anhaltender Trockenheit schnell ändern. Und auch die Tatsache, dass es Mitte dieser Woche einen mittleren Waldbrand bei Rechberghausen im Kreis Göppingen gegeben hat, könnte darauf hinweisen, dass es noch so manche unerwünschte Überraschung geben könnte.
Es kommt auf die Baumbestände an
Dennoch warnen die Verantwortlichen vor Panikmache: „Die Situation in den neuen Bundesländern lässt sich mit unserer hier in Baden-Württemberg überhaupt nicht vergleichen“, sagt etwa René Wauro, der Kreisbrandmeister des Rems-Murr-Kreises. Guido Plischek fügt hinzu: „Es kommt im Wesentlichen auf die Baumbestände an.“ Hier sei die Region Stuttgart klar im Vorteil: „Der Mischwald, wie er bei uns häufig vorkommt, kann oftmals mehr und deutlich länger Wasser speichern. Die Waldbrandgefahr ist deshalb nicht so groß wie beispielsweise in Brandenburg.“ Das bestätigt auch Alexander Held vom European Forrest Institute in Bonn. Ein gesunder, intensiv durchwurzelter Waldboden bilde nicht nur die Grundlage für alles ober- und unterirdische Leben im Wald. Er sei auch die Voraussetzung für einen feuerresilienten Dauerwald der Zukunft. Die Erhöhung des Laubholzanteils und der Wandel von Nadelbaum-Monokulturen hin zu laubholzreichen Mischkulturen senkten das Waldbrandrisiko. Besonders geeignet seien die Rot- und Traubeneiche, Berg-, Spitz- und Feldahorn sowie die Linde. Von Birken rät der Experte ab: Diese seien zu lichtdurchlässig. So könne viel feines Brennmaterial im Unterwuchs gedeihen.
Waldbrandriegel und Schutzstreifen sollen helfen
Nicht nur bei den Baumpflanzungen haben sich die hiesigen Forstämter längst auf die neue Situation eingestellt. Auch werden zur Prävention bereits Waldbrandriegel gebaut oder Schutzstreifen angelegt, um die Gefahr großflächiger Waldbrände zu verhindern. Überhaupt fühlen sich die Wehren in der Region gut gerüstet, um Waldbrände zu bekämpfen. Fast jeder Kreis organisiert regelmäßig Übungen, damit die Einsatzkräfte sich auf den Ernstfall vorbereiten können. Aktuell hat der Landkreis Böblingen sechs Feuerwehrleute für 14 Tage nach Griechenland entsandt. Sie sollen dort ihre Kenntnisse zur Waldbrandbekämpfung weiter ausbauen. Das ist Teil des Plans des Stuttgarter Regierungspräsidiums, den Kreis Böblingen im Land zu einem Stützpunkt für die Waldbrandbekämpfung zu machen. Überall gibt es zudem Alarmpläne, die den reibungslosen Einsatz der Hilfskräfte garantieren sollen.
Technisch wurde aufgerüstet in den vergangenen Jahren
Auch die technische Ausrüstung ist in den vergangenen Jahren der Tatsache angepasst worden, dass der Südwesten Deutschlands zunehmend mediterrane Sommer mit entsprechenden Waldbrandrisiken zu bewältigen hat. In Filderstadt gibt es beispielsweise ein speziell ausgerüstetes Tanklöschfahrzeug Wald, das jede Kommune im Kreis anfordern kann. Auch können Schläuche über mehr als 4400 Meter verlegt werden. In Stuttgart sind mehrere Fahrzeuge mit Löschrucksäcken oder kleineren Löschrohren ausgerüstet. Zudem hat die Freiwillige Feuerwehr in Heumaden vor wenigen Wochen ein speziell für die Waldbrandbekämpfung ausgelegtes Tanklöschfahrzeug bekommen. Ein zweites Fahrzeug folgt in den kommenden Wochen. In Ludwigsburg wiederum setzt man auf die kreiseigenen Abrollbehälter Löschwasser. Diese führen 40 000 Liter Wasser mit sich sowie umfangreiches Equipment für die Waldbrandbekämpfung.